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Naturraritäten in der Kulturlandschaft

Feuchtwiesen sind feucht bis nasse, weitgehend gehölzfreie Biotope. Noch bis Mitte des 20. Jahrhunderts wurden sie traditionell bewirtschaftet. Heute sind Feuchtwiesen noch stärker als viele andere Lebensräume von völliger Auslöschung bedroht: Sie werden entwässert und in Acker- oder Weideflächen umgewandelt.

© Matthias Kausche / WWF
© Matthias Kausche / WWF

Damit gehen nicht nur Lebensraum verloren, es entsteht auch ein klimaschädlicher Prozess: aus dem entwässerter Moorkörper entweicht durch Zersetzungsprozesse an der Luft Kohlenstoff, der zu dem Treibhausgas Kohlendioxid umgewandelt wird und zur Klimaerwärmung beiträgt. Der Schutz intakter Feuchtwiesen und Niedermooren und die Wiedervernässung trockengelegter Flächen ist daher auch ein Beitrag zum Klimaschutz.

 

Besonders wertvoll sind periodisch überschwemmte Auenwiesen, die im Winter tausenden Enten, Schwänen und Watvögeln als Rastbiotop dienen. Im Frühjahr beleben neben vielen anderen Tierarten Kampfläufer, Bekassine und Uferschnepfe mit ihren Balzflügen die feuchten Wiesen. Deren Blütenreichtum wiederum lockt zahlreiche Insektenarten an, die andernorts bereits verschwunden sind.

 

Waren Feuchtwiesen früher Teil der traditionellen Landwirtschaft, so gilt dies heute in der Regel nicht mehr. Im Gegenteil: Der Erhalt von Feuchtwiesen muss durch Ausgleichszahlungen an die betroffenen Landwirte sichergestellt werden. Unter bestimmten Umständen kann auch der Ankauf von Wiesen notwendig sein, da nur so die erforderliche Wiedervernässung möglich ist. Feuchtwiesen bilden in Kombination mit Mooren, Flüssen und Bruchwäldern einen hochwertigen Biotopverbund. Durch gezielte Projekte wie im Drömling in Sachsen-Anhalt oder den Wümmewiesen vor den Toren Bremens (seit 2006 von der Stiftung NordwestNatur betreut) leistet der WWF hierfür in Deutschland wichtige Beiträge.

Feuchtwälder – letzte Urlandschaften

Feuchtwälder sind gelegentliches Hochwasser gewohnt. Auenwälder zum Beispiel: Sie wachsen entlang von Bächen und Flüssen. Oder Bruchwälder: Sie können im Winterhalbjahr ohne Schaden bis zu einem Meter unter Wasser stehen. Und auch bewaldete Moore gehören dazu. In all diesen Feuchtwäldern wachsen nur solche Bäume, die mit gelegentlichen nassen "Füßen" gut leben können: Erlen etwa, Weiden und Pappeln, Eschen und Moorbirken.

 

Auen-, Bruch- und Moorwälder bieten Lebensraum für eine Vielzahl spezialisierter Tier- und Pflanzenarten. Im Frühling verleihen die gelb blühenden Sumpfdotterblumen und Schwertlilien den Feuchtwäldern ihren besonderen Reiz. Moorfrosch und Ringelnatter fühlen sich hier ebenso wohl wie Waldschnepfe und Kranich, die typischen Brutvögel intakter Bruchwälder in Norddeutschland.

 

Natürliche Feuchtwälder gehören zu den wertvollsten und heute seltensten Lebensräumen in Deutschland. Denn schon vor vielen Jahrhunderten begann man mit der Entwässerung dieser Landschaften. Sie wurden für land- oder forstwirtschaftliche Zwecke oder für Fischteiche weichen. Heute werden die meisten Feuchtwälder zwar nicht mehr genutzt, die Entwässerungsgräben sind jedoch vielerorts noch vorhanden.

 

Heute sind nur noch wenige intakte Feuchtwälder erhalten, für deren Schutz sich der WWF vor allem in Norddeutschland seit über 40 Jahren einsetzt. Aber auch die Rückführung bereits entwässerter Feuchtwälder in ihren natürlichen Zustand ist möglich. Für solch eine Renaturierung reicht es häufig, alte Gräben, die zur Entwässerung angelegt wurden, einfach wieder anzustauen.

 

Für diese Zwecke kauft der WWF Flächen oder regelt die Wiedervernässung vertraglich mit den Eigentümern. Die Wiederbesiedelung der für diesen Lebensraum typischen Tier- und Pflanzenarten erfolgt dann in der Regel von selbst. In den norddeutschen Projekten Schaalsee-Landschaft, Uckermärkische Seen und Drömling sowie im dortigen Kranichschutz arbeitet der WWF mit Grundeigentümern, Förstern und Behörden zusammen, um die letzten einzigartigen Feuchtwälder zu bewahren.

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