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Stand: 12.06.2014

Aus illegal wird legal: Der Kampf um die Schutzgebiete in Brasilien

Indigene in Brasilien © Miranda Clovis / WWF
Indigene in Brasilien © Miranda Clovis / WWF

Brasilianische Parlamentarier proben die ökologische Rolle rückwärts: Naturwaldflächen, die Brasilien im Gegensatz zu anderen Ländern noch hat, wollen sie als Joker im globalen Wirtschaftspoker ausspielen. Nachdem seit 2004 mit Staatshilfe die illegale Entwaldung erheblich eingeschränkt werden konnte, hat die mächtige Agrarlobby 2011 ihre Strategie gewechselt. Da sie in fast allen Parteien ihre Fürsprecher hat, verfügt sie praktisch über die absolute Mehrheit im Nationalkongress. Deshalb verfuhr sie nach dem Motto: Wenn man sich nicht mehr illegal Land aneignen kann, muss man Legalität eben anders definieren. Entsprechend wurde 2012 das Waldgesetz (Codigo Florestal) reformiert. Es beinhaltet eine Amnestie für mehrere Millionen Hektar vor 2008 illegal entwaldeteten Landes. Außerdem sind nun Hänge, Hügelkuppeln und Flussufer nicht mehr so streng geschützt und dürfen zum Teil ebenfalls legal gerodet werden. Mehrere Millionen Hektar sind davon betroffen.

Stimmungsmache gegen die Schutzgebiete

Seit etwa zwei Jahren machen zudem brasilianische Medien Stimmung für die legalen Angriffe im Parlament. Der Tenor: Schutzflächen seien unproduktiv, zum Teil unrechtmäßig ausgewiesen und deshalb zweifelhaft. Weitere staatliche Flächen sollten nicht mehr als Schutzgebiet oder Indigenen-Territorium ausgewiesen, sondern grundsätzlich zur Nutzung freigegeben werden. Im brasilianischen Nationalkongress liegen zurzeit 400 Anträge auf Verkleinerung oder Auflösung von Schutzgebieten vor. Dabei geht es um eine Fläche von Bayern und Baden-Württemberg zusammen. Davon profitieren Agrar-, Bergbau-, Bau- und Energieindustrie.

Ein Haus in der Nähe des Juruena Nationalparks © Adriano Gambarini / WWF
Ein Haus in der Nähe des Juruena Nationalparks © Adriano Gambarini / WWF

Selbst ARPA und Iguacu in Gefahr

Durch die neuen parlamentarischen Attacken sind selbst Schutzgebiete des international anerkannten Programms zum Schutz der Amazonas-Region (ARPA) in Gefahr. Durch dieses größte Tropenwaldschutzprogramm der Welt hat Brasilien zusammen mit der deutschen Regierung, dem WWF und weiteren Partnern in mehr als zehn Jahren die Schutzgebietsfläche auf mehr als 20 Prozent des Amazonas-Regenwaldes verdoppelt.

 

Auch der Iguacu-Nationalpark mit seinen unvergleichlichen Wasserfällen ist inzwischen wieder bedroht. Obwohl dieser Nationalpark alleine 20 Millionen Euro Umsatz durch die 1,5 Millionen Touristen pro Jahr erwirtschaftet und jährlich etwa Wasser für Landwirtschaft im Wert von etwa 200 Millionen Euro bereitstellt. Auch Juruena, für das der WWF Deutschland seit 2006 Verantwortung trägt, ist in Gefahr. Der Park von der Größe Rheinland-Pfalz‘ liegt mitten in der Entwaldungsfront. Jetzt sollen dort zwei Wasserkraftwerke mit einer Leistung von fast fünf Gigawatt Strom gebaut werden. Das entspricht etwa der Kapazität von vier Atomreaktoren. So ein Kraftwerk benötigt eine enorme Fläche und gefährdet das gesamte Flussökosystem der Region. Die dazu notwendigen neuen Straßen können zudem die Entwaldung und illegale Holznutzung beschleunigen.

 

So ist es kein Zufall, dass die Entwaldung im brasilianischen Amazonas-Regenwald nach Verabschiedung des neuen Waldgesetzes wieder angestiegen ist.

Der WWF hält dagegen und setzt sich öffentlich für den Erhalt von Schutzgebieten wie dem Iguacu-Nationalpark und dem Juruena-Nationalpark im Süden Amazoniens ein. Über ihr Schicksal  entscheidet der brasilianische Nationalkongress. Es darf nicht sein, dass im Parlament die Errungenschaften von Jahrzehnten mit einem Federstrich ausgelöscht werden. Dagegen macht der WWF Politik.

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Ein Juwel
am Amazonas
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