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Stand: 03.03.2014

Die Juruena-Schutzgebiete und das Mosaik Amazonia Meridional

Dichter, fast unberührter Regenwald, traditionell lebende indigene Bevölkerungsgruppen wie die Mundurucu und die Kayabi plus eine vor Artenvielfalt strotzende Regenwald- und Flusslandschaft: All das prägt das Dreiländereck der brasilianischen Bundesstaaten Mato Grosso, Amazonas und Pará im südlichen Amazonasgebiet, wo die Flüsse Teles Pires und Juruena wie ein umgedrehtes 'Y' zum Amazonas-Nebenfluss Tapajos zusammenfließen.

© Zig Koch / WWF
© Zig Koch / WWF

Doch die Idylle trügt. Wo vor einem Jahr noch undurchdringlicher Dschungel vorherrschte, sind heute oft nur noch verwüstete Flächen mit verkohlten Baumstümpfen und frisch eingesätem Grasland zu finden. Denn wo kein offizielles Schutzgebiet ausgewiesen wird, fällt der Regenwald der näher rückenden Entwaldungsfront zum Opfer.

 

Die Bundesländer Rondonia, Mato Grosso und der südlicher Teil Amazonas, in denen sich das Projektgebiet befindet, gehören zu den Gebieten mit den höchsten Entwaldungsraten des gesamten Amazonasbioms. Die illegale Holznutzung und Rodung von Wäldern wird oft unter dem Einsatz gewalttätiger Mittel durchgesetzt. In der Folge werden Rinderweiden aber auch zunehmen agro-industrielle Soja Felder angelegt. Neben dieser flächendeckenden Rodungen des Waldes werden vor Ort auch illegal Gold, Halbedelsteine und andere Bodenschätze gefördert. Eine weitere Bedrohung für das Gebiet bedeuten die mehr als 20 Wasserkraftwerkprojekte und die dazugehörigen Hochspannungsleitungstrassen.

 

Wie Perlen an einer Kette soll daher eine Reihe von Nationalparks und andere Schutzgebiete im Süden des brasilianischen Regenwaldes die vorrückenden Bagger und Motorsägen stoppen.

Schutzgebietsmosaik Amazonia Merdional und der Juruena-Nationalpark © WWF (Zum Vergrößern bitte klicken.)
Schutzgebietsmosaik Amazonia Merdional und der Juruena-Nationalpark © WWFLupe

Am 5. Juni 2006 wurde der Juruena-Nationalpark ausgewiesen. Mit einer Fläche von über 1,9 Millionen Hektar ist er so groß wie das Bundesland Sachsen. Im Jahr 2011 konnte das Schutzgebietsmosaik Amazonia Merdional geschaffen werden. Dieses besteht aus 40 Schutzgebieten, einschließlich mehrere Nationalparks. Insgesamt sind hier sieben Millionen Hektar Amazonas Regenwald unter Schutz gestellt. Das entspricht einer Fläche so groß wie das Bundesland Bayern.

Ziele und Ergebnisse der dritten Projektphase (2013-2016)

Der WWF hat sich in dieser Projektphase (2013-2016) gemeinsam mit den Parkverwaltungen, weiteren Behörden und lokalen Organisationen zum Ziel gesetzt, bis Mitte 2016 die sieben Millionen Hektar des Amazonia Meridional Schutgebietsmosaiks vor Entwaldung und illegalen Aktivitäten zu schützen.   Hierfür werden vor allem vier Ergebnisse vorangetrieben: Erstens wurde das Schutzgebietsmosaik gestärkt, indem ein Beirat ins Leben gerufen wurde. Von diesem Beirat werden drei Arbeitsgruppen mit folgenden Zielsetzungen unterstützt:

 

  1. Stärkung der Parkverwaltungen
  2. Einbeziehung von indigenen Territorien ins Schutzgebietsmosaik
  3. Einheitliche Positionierung zu den unterschiedlichen Wasserkraftwerksentwicklungen  

 

Laut brasilianischem Recht haben Schutzgebietsverwaltungen Anhörungsrechte bei der Entwicklung von Projekten, die deren Gebiet ökologisch beeinträchtigen können. Zweitens soll der Juruena Nationalpark geschützt werden. Hierzu wird die Parkverwaltung durch Aus- und Fortbildungsmaßnahmen, durch die Begleitung des Parkbeirates und nicht zuletzt durch die Ausstattung der Mitarbeiter mit Booten, Radios etc. gestärkt.

Drittens sollen nachhaltige Einkommensquellen für die Bevölkerung vor Ort entwickelt werden, damit die Menschen vom Wald leben können und diesen nicht roden müssen. Hierzu werden Forst-Managementpläne entwickelt und die Holznutzung anschließend begleitet. In der Pufferzone der Schutzgebiete ist gut geführte Forstwirtschaft eine alternative Einkommensquelle für die Menschen. Ehemalige Kautschuk Sammler sammeln jetzt Paranüsse. Und andere sollen Touristen zum Sportfischen führen. Diese beiden Maßnahmen werden bei erfolgreicher Umsetzung nachhaltige Einkommensquellen darstellen ohne subventioniert werden zu müssen.

 

Viertens soll versucht werden, kontrollierenden Einfluss auf bestehende Wasserkraftwerkprojekte zu nehmen. Hierzu soll die Planung auf Flusssystemebene erweitert werden, um das Gesamtpotential des Tapajos Flusssystems so umweltschonend wie möglich zu nutzten. Einzelne Nebenflüsse sollen freifließend bleiben und Schutzgebiete sowie indigene Territorien werden nicht negativ beeinflusst.

Aktuelle Maßnahmenbeispiele

Nachhaltige Forstwirtschaft soll gefördert werden, um den Menschen, die in den Gemeinden zu einer Einkommensquelle zu verhelfen. Hierfür wird ein Forsttechniker eingestellt, Forstmanagementpläne geschrieben, Waldbaumaßnahmen begleitet, Demonstrationsflächen eingerichtet und Forstausrüstung für die Waldarbeiter gekauft. Die Waldarbeiter werden in der Karteninterpretation ausgebildet, der Bestimmung von Baumarten und der Anwendung von Sicherheitsstandards. Zudem werden kleine und mittlere Forstunternehmer in ihren Vermarktungsstrategien unterstützt.

 

Weitere Maßnahmen sind:

 

  • Weiterentwicklung eines Kontroll- und Überwachungsplans für das Schutzgebietsmosaik Amazonia Meridional
  • Durchführung eines Seminars zur angewandten Forschung mit dem Ziel, die Folgen der Wasserkraftwerkprojekte für Wanderfischarten und aquatische Ökosysteme zu untersuchen.
  • Weiterbildung von Parkmitarbeitern
  • Aufbau der Webseite des Schutzgebietsmosaiks
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Ein Juwel
am Amazonas
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