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Stand: 05.01.2016

Sumatra-Tiger: Grüne Korridore helfen

Hoffnung liefert ein Videobeweis mit versteckter Kamera mitten aus dem Tesso Nilo-Nationalpark im Osten der indonesischen Insel Sumatra. Es zeigt zwei Weibchen der vom Aussterben bedrohten Sumatra-Tiger mit ihren Jungen: Es gibt also Nachwuchs. Nur noch rund 400 Exemplare dieser kleinsten der sechs Tiger-Unterarten leben weltweit, und zwar – abgesehen von Zoos – ausschließlich auf Sumatra. Doch ihre Reviere sind fragmentiert. Es fehlt an grünen Korridoren, damit sich die genetisch isolierten Populationen treffen und vermehren können. Die beiden anderen Unterarten, der Java- und der Bali-Tiger, sind bereits im 20. Jahrhundert ausgestorben.

Einer der letzten 400 Sumatra-Tiger © Mike Griffiths / WWF
Einer der letzten 400 Sumatra-Tiger © Mike Griffiths / WWF

Der Sumatra-Tiger hat kaum mehr als 60 Zentimeter Schulterhöhe (der sibirische ist 110 Zentimeter hoch) und wegen seiner geringen Körpergröße auch eine kürzere Tragzeit von 102 Tagen. Im Gegensatz zu vielen seiner Verwandten hat der Sumatra-Tiger Schwimmhäute zwischen seinen Zehen. Daher liebt er Torfmoore, Tiefland- und Hochlandregenwälder. Diese Lebensräume verschwinden aber immer mehr. 1985 war Sumatra noch zu 57 Prozent mit Wald bedeckt, heute sind es weniger als 30 Prozent. Neben dem Einschlag von Wald für die Zellstoffindustrie breiten sich nun großräumig Plantagen für Palmöl und Akazien aus. Dem Sumatra-Tiger fehlen Beutetiere wie Tapire, Hirsche, Affen, Wildschweine, Wasservögel oder Reptilien.

Installation einer Kamerafalle in Tesso Nilo © WWF Indonesien
Installation einer Kamerafalle in Tesso Nilo © WWF Indonesien

Zudem setzt die traditionelle asiatische Medizin auf Tigerteile. „Tigerwein“ soll gegen alle möglichen Leiden helfen, so ein verbreiteter Irrglaube. Dabei werden pulverisierte Knochen des Tieres mit Reiswein versetzt.

Der Kampf gegen die Wilderei ist aufreibend. Der WWF bildet dafür Wildhüter aus, schickt Tigerschutzpatrouillen in den Wald, installiert automatisch auslösende Kameras in den entsprechenden Tigergebieten und dokumentiert die Wanderungen der bedrohten Tiere. Mit der versteckten Kamera konnte der WWF von 2005 bis 2011 elf Sumatra-Tiger registrieren. Im November 2011 wurden sogar fünf der sieben bekannten Wildkatzenarten Sumatras durch Kamerafallen fotografiert: Sumatra-Tiger, Nebelparder, Marmorkatze, Goldkatze und Bengalkatze.

Tesso Nilo soll wachsen

Schwerpunkt der WWF-Arbeit zum Schutz der Sumatra-Tiger ist der Tesso Nilo-Nationalpark. Er wurde 2009 auf Betreiben des WWF auf 86.000 Hektar erweitert und soll weiter wachsen, um die isolierten Waldinseln miteinander zu verbinden. Dieses Gebiet ist das letzte kleine Stückchen Korridor, das vom trockenen Flachlandregenwaldes auf Sumatra im Hochlandwald noch da ist. Und der letzte Biodiversitätshotspot überhaupt. Bis vor einigen Jahren wurde dieses wertvolle Regenwaldgebiet noch extrem abgeholzt: von 500.000 Hektar (mehr als doppelt so groß wie das Saarland) auf 188.000 Hektar im Jahr 2007. Seit 2003 setzen sich der WWF Deutschland mit dem WWF Indonesien für den Erhalt und Schutz dieses letzten noch vorhandenen Naturraumes ein.

Rimbang Baling – das neue Tiger-Projekt

Sumatra-Tiger-Nachwuchs © Alain Compost / WWF
Sumatra-Tiger-Nachwuchs © Alain Compost / WWF

Seit 2005 ist der WWF auch in Rimbang Baling aktiv und erhebt Daten über das Vorkommen von Sumatra-Tigern in der Region, die noch relativ intakt ist. Nun ist im Juli 2015 ein von der Bundesregierung finanziertes und über die deutsche Entwicklungsbank (KfW) und die Weltnaturschutzorganisation IUCN abgewickeltes Projekt zum Schutz der Tiger und ihres Lebensraumes in Rimbang Baling gestartet worden. Im Rahmen dieses Projektes haben es sich der WWF und die Partnergemeinden vor Ort für die kommenden 3,5 Jahrezum Ziel gesetzt, das Rimbang Baling Wildtierreservat (WR) als zentralen Lebensraum der dort vorkommenden Sumatra-Tiger weiterhin zu schützen und in seiner wichtigen Funktion als noch grüne und ungestörte Wanderroute entlang des Barisan-Bergzuges zu erhalten. 

Drei Schritte bis 2019

Damit die im Rimbang Baling WR vorkommenden Individuen allerdings in andere Gebiete abwandern und diese wieder besiedeln können, muss vor allem der Verlust der Tiger, ihrer Beute und ihres Lebensraumes gestoppt werden:

  1. In den kommenden Jahren soll ein so genanntes Tiger-Habitat Protection System (ITHPS) aufgebaut werden. Im Rahmen des ITHPS werden, gemeinsam mit der lokalen Bevölkerung, weitere Wildhüter ausgebildet und zusätzliche Außenposten errichtet. Diese vermehrte Präsenz soll den Druck auf Wilderer massiv erhöhen und dadurch die illegale Jagd auf die Tiger und ihre Beutetiere stoppen.
  2. Auch der anhaltende Lebensraumverlust muss verhindert werden. Der Hunger nach Flächen für den Palmöl- und Kautschukanbau sowie für die Zellstoffgewinnung ist enorm. Die Stärkung der lokalen Dörfer und Gemeinden ist ein zentraler Baustein, um diesem Problem zu begegnen.
  3. Bis 2019 wird mit zehn Dörfern in und um das Rimbang Baling WR ein Programm für nachhaltige Entwicklung umgesetzt. Die Generierung alternativer Einkommensquellen (dazu zählen Ökotourismus, nachhaltiger Kautschukanbau, verbesserter Waldfeldbau, Nutzung erneuerbarer Energien) wird mit den ausgewählten Gemeinden in den kommenden Jahren geprüft und umgesetzt. Nur wenn die dort lebenden Menschen eng in das Projekt eingebunden sind und sich als Teil der Schutzbemühungen verstehen, kann das Rimbang Baling WR in seiner Biodiversität für Mensch und Tiger erhalten bleiben.

WWF-Erfolge gegen Wilderei

Tigerhoden, der als Medizin auf dem Markt verkauft wird © James Morgan / WWF Canon
Tigerhoden, der als Medizin auf dem Markt verkauft wird © James Morgan / WWF Canon

Auch das Wissen und Bewusstsein der lokalen Bevölkerung über die Bedeutung des Tier- und Umweltschutzes wächst. Einheimische arbeiten oft „undercover“, um Beweismittel gegen die organisierte Tigerwilderei zu sammeln und entfernen bei ihren Patrouillen die Fallen der Wilderer. Der Tiger wird heute in Sumatra nicht mehr nur als Felllieferant oder Rohstoff für medizinische Zwecke gesehen. Hinweise eines WWF-Informanten aus der lokalen Bevölkerung führte im März 2011 zur Festnahme eines Tigerfellschmugglers, der die Haut für rund 3000 Dollar verkauft hatte. Er wurde zu zwei Jahren und vier Monaten Haft sowie 340 Dollar Geldstrafe verurteilt. Die Strafe lag allerdings weit unter dem Höchststrafmaß. Der WWF hatte mehr als 2000 Unterschriften für eine Verurteilung zur Höchststrafe gesammelt, um so andere kriminelle Schmuggler von ähnlichen Taten abzuschrecken.

Für jeden von uns gibt es einen Weg, einen Beitrag zum Überleben des Sumatra-Tiger zu leisten. Werden Sie Tigerpate und unterstützen die WWF-Tigerprojekte in Sumatra und anderen Tigergebieten der Welt. 

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