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Stand: 30.08.2016

Bedrohtes Weltnaturerbe Selous

Feuerrodung im Schutzgebiet Selous © Astrid Dill / WWF
Feuerrodung im Schutzgebiet Selous © Astrid Dill / WWF

Selous ist seit 1982 UNESCO-Weltnaturerbe - eine “einzigartige Naturlandschaft, deren Untergang ein unersetzlicher Verlust für die gesamte Menschheit wäre. Sie zu schützen, liegt nicht allein in der Verantwortung eines einzelnen Staates, sondern ist Aufgabe der Völkergemeinschaft.” (UNESCO).

 

Wenn den Bedrohungen des Selous kein Einhalt geboten wird, wird diese einzigartige Wildnis mit seiner vielfältigen Tierwelt verloren gehen. Professionell organisierte Wilderei hat die Anzahl der Elefanten 2013 auf den tiefsten jemals erfassten Stand reduziert und industrieller Bergbau droht das Gebiet mit Minen zu zerlöchern.

Wilderei

Tierknochen © Astrid Dill / WWF
Tierknochen © Astrid Dill / WWF

Die Elefantenherden im Selous waren lange ein besonderes Erlebnis. Doch vor allem auf sie haben es die Wilderer abgesehen. In nur vier Jahren, zwischen 2009 und 2014 haben Wilderer den Bestand um 66% reduziert. 2013 gab es nur noch knapp über 13.000 Tiere im Schutzgebiet. Ein einzelner Stoßzahn erzielt auf dem Schwarzmarkt Summen bis zu 10.000 US Dollar. Ein lukratives Geschäft für die weltweit organisierte Mafia, die das Elfenbein von Tansania nach Asien schmuggelt. Die Nachfrage nach Elfenbein steigt weiter an und so ziehen weiterhin schwer bewaffnete Söldner auf die Jagd. Mit traurigen Folgen: Vor 40 Jahren lebten im Selous-Mikumi Ökosystem noch etwa 110.000 Elefanten; heute sind es nur noch geschätzte 15.000.

 

Schon jetzt hat der Rückgang der Elefanten erhebliche Folgen für das gesamte Ökosystem. Elefanten verteilen auf ihren langen Wanderrouten die Samen vieler Baum- und Pflanzenarten und bringen diese mit ihrem Kot zum Keimen. Ohne diesen Samentransport wird die Vielfalt der Wildnis bedroht. Ohne die Wege und Plätze der Elefanten verändert sich die gesamte Vegetation: das vielfältige natürliche Mosaik aus Busch und Offenland geht verloren, das für viele Tierarten wichtige Offenland wird überwuchert und die Anfälligkeit für verheerende Brände nimmt zu.

 

Der Tourismus hat sich in Tansania zu einem bedeutenden und stabilen Wirtschaftsfaktor entwickelt. Laut einer Weltbank-Studie könnte der Tourismus bis zum Jahr 2025 ein Viertel des gesamten Staatseinkommens Tansanias ausmachen und sich zur wichtigsten Einnahmequelle entwickeln. Schon jetzt erwirtschaftet der Selous mehr als sechs Millionen US-Dollar jährlich, die ein wichtiger Beitrag für die ländliche Entwicklung und die lokale Bevölkerung sein können. Aber: Kein Tourist will ein Wildreservat ohne Tiere sehen. 

 

Daher muss die Wilderei schnellstmöglich beendet werden – für ein gesundes Ökosystem und die Menschen, die davon leben.

Industrielle Bedrohung

Strassenbau im Wildtierkorridor © Astrid Dill / WWF
Strassenbau im Wildtierkorridor © Astrid Dill / WWF

Bereits 54 Erkundungskonzessionen vorwiegend für Uran-Bergbau hat die tansanische Regierung in den letzten Jahren allein innerhalb des Schutzgebietes Selous genehmigt, 14 weitere befinden sich in der Antragsphase. Insbesondere die Konzession Kilosa – Kilombero zur Erkundung von Öl/Gas-Vorkommen  wurde bereits intensiv mit Bohrungen und mit erheblichen Folgen für die Natur  untersucht. 

 

Bereits seit einigen Jahren werden Pläne entwickelt, mitten im Selous ein Wasserkraftwerk zu bauen. Die Realisierung in der „Stiegler’s Gorge“-Schlucht würde die Flutung eines Gebiets so groß wie Hongkong (1.100 Quadratkilometer) mit sich bringen. Der Stausee würde nicht nur wichtigen Lebensraum für die Wildtiere zerstören, sondern auch wichtige Wanderrouten und zusammenhängende Elefantenpopulationen trennen. Ein unmittelbarer Nebeneffekt: Die dafür benötige Infrastruktur wie etwa Straßen, Stromtrassen, Kraftwerke und Arbeitersiedlungen brauchen weitere Flächen und erleichtern es den Wilderern in die Gebiete einzudringen und ihren kriminellen Tätigkeiten unbemerkt nachzugehen.

 

Für kurzfristig hohe Gewinne einzelner Firmen wird die endgültige Zerstörung wertvoller Lebensräume für Natur und Tiere, sowie durch radioaktiven Müll verschmutzte Wasserstellen und Landschaften in Kauf genommen. Die Erträge, die durch diese Projekte erwirtschaftet werden, werden kaum der Region zugutekommen. Die überwiegend ausländischen und internationalen Firmen bauen Rohstoffe fast ausschließlich für den internationalen Handel ab, der größte Teil der Wertschöpfung und der Gewinne fließt ins Ausland.

 

Für den Selous fordert der WWF daher, dass die Pläne für Bergbauaktivitäten, Öl- und Gasförderung sowie einem geplanten Großstaudammprojekt gestoppt werden.

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