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Der Mara-Fluss darf nicht versiegen

Er ist nur 400 Kilometer lang, doch Schauplatz eines spektakulären Ereignisses: Der Mara-Fluss in Ostafrika wird jedes Jahr zur gigantischen Tankstelle für über zwei Millionen wandernde Gnus, Gazellen und Zebras. Holzeinschlag und Landwirtschaft jedoch gefährden diese Lebensader.

Der Mara-Fluss. © Dorothea August / WWF
Der Mara-Fluss. © Dorothea August / WWF

So berühmt die Tierwanderung durch Serengeti und Masai-Mara ist, so unbekannt ist die Quellregion des Mau-Regenwaldes in Kenia, einem der fünf großen ostafrikanischen Wasserreservoire. Dort, auf knapp 3000 Metern Höhe, entstehen die Zuflüsse des Mara aus einer Vielzahl kleiner Quellen.

Doch Raubbau bedroht den artenreichen Regenwald – und damit auch den Kreislauf des Lebens in der Serengeti und Masai Mara. Ein Drittel des mehr als 75.000 Hektar großen Waldes wurde in 30 Jahren vernichtet. Weil die Menschen dort zur Sicherung ihrer Lebensbedürfnisse landwirtschaftliche Flächen brauchen: Immer mehr kleine Mais-, Getreide und Kartoffelfelder nagen an den steilen Berghängen in den Wald hinein. Holz wiederum benötigen die Anwohner als Energiequelle.

Die gerodeten Flächen führten zu deutlich mehr Oberflächenerosion: Verschlammung und Versandung verschlechterte die Wasserqualität in den Quellflüssen, von der auch die Versorgung der gesamten Bevölkerung in der Mauwaldregion abhängt.

Unten in der Ebene wurden riesige, einstmals von den Masai in Weidewirtschaft gepflegte Flächen von Großfarmern in Ackerland umgewandelt und auf über tausend Hektar zudem künstlich bewässert und gedüngt. So kommt zu der Wasserverschmutzung ein weiteres Problem: Dass im Mara immer weniger Wasser fließt. Das trifft vor allem die wandernden Tierarten empfindlich.

Praktische Hilfe vom WWF

Der WWF Deutschland hilft seit 2007, diese schreckliche Entwicklung aufzuhalten, und unterstützt den Aufbau eines nachhaltigen Managements der Wald- und Wasserressourcen am Mara-Fluss. Zunächst soll vor allem die Qualität des Wassers verbessert und ein verantwortlicher Umgang mit dem kostbaren Nass gefördert werden. Koordiniert vom WWF-Programmbüro in Nairobi, arbeiten dazu Projektteams für das mehr als 13.000 Quadratkilometer große Flusseinzugsgebiet in Kenia und Tansania mit Behörden, Gemeinden und Schulen grenzübergreifend zusammen.

Erste Schritte: Mit allen Gruppen von Wassernutzern, von Kleinbauern über Hotelbetreiber bis zu Großfarmern, wurde eine Vereinigung der Wassernutzer gegründet, der heute 1000 Mitglieder aus dem gesamten Einzugsgebiet angehören. Sie soll helfen, einen dauerhaften Zugang zu ausreichend sauberem Trinkwasser für Mensch und Tier zu sichern. Die Dorfbewohner wurden geschult, wie Walderhaltung und Wasserqualität zusammenhängen und wie man mit guter landwirtschaftlicher Praxis das ökologische Gleichgewicht bewahrt.

In sieben Dörfern konnten bereits Wasserquellen durch Pflanzungen und Einzäunung geschützt werden. Dabei wird auch die Wasserentnahme für häuslichen Bedarf und für Weidetiere getrennt, so dass die Gefahren für die Gesundheit der Bevölkerung durch Verschmutzung gesenkt werden.

Als Pilotprojekt wurde entlang des Nyongores, eines Nebenflusses, der besonders von der Bodenrerosion auf benachbarten Landwirtschaftsflächen betroffen war, auf einer Länge von sechs Kilometern auf beiden Uferseiten ein jeweils 15 Meter breiter Schutzstreifen angelegt. Dort soll keine Nutzung mehr stattfinden, stattdessen wurden junge Waldbäume gepflanzt.

Weil sich bereits durch diese ersten Maßnahmen die Wasserqualität merklich verbesserte, möchten die Menschen der Region diese Praktiken auch weiter entwickeln.

Darüber hinaus wurde ein 100 Meter breiter Teeplantagengürtel entlang des Waldrandes angelegt. Durch diese Barriere und Grenzmarkierung wird verhindert, dass sich die Landwirtschaft immer weiter in den Regenwald hineinfrisst. Die Teeernte eröffnet der Bevölkerung zudem eine neue Einnahmequelle zur Sicherung der Lebensgrundlagen und mindert damit den Druck, weitere landwirtschaftliche Flächen zu erschließen. Zugleich dienen die dichten Pflanzungen, die in den Hochlagen auf 2.300 bis 2.700 Meter hervorragend gedeihen, als Schutz vor Erosion. Das Interesse der Bauern am Teeanbau ist daher groß.

In 20 Schulen wurden außerdem Saatbeete mit einheimischen Waldbäumen sowie fruchttragenden Gehölzen wie zum Beispiel Avocado und Passionsfrucht angelegt und von den Kindern mit Begeisterung gepflegt. Einen Teil der Jungpflanzen nahmen sie mit nach Hause, um sie auf dem Grundstück ihrer Familie zu pflanzen. Diese können langfristig die Ernährung der Bevölkerung verbessern sowie als Futter- und Holzquelle dienen.

Sie helfen zudem, die Erosion einzudämmen in einem Gebiet, in dem teilweise nur noch einzelne Bäume auf zwei bis drei Hektar stehen. Der andere Teil der einheimischen Gehölze wird zur Renaturierung degradierter Flächen entlang des Flussufers und im geschützten Wald gepflanzt. All diese Maßnahmen helfen, die naturnahe Bergregion nachhaltig zu sichern und den Mara als Quelle für Menschen und Tiere für die Zukunft zu erhalten.

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