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Stand: 11.04.2016

Indochinesische Tiger – Rettung der letzten ihrer Art

Nur noch etwa 196 wildlebende Indochinesische Tiger gibt es überhaupt auf unserer Erde. Ein Großteil davon lebt in der Dawna-Tenasserim-Landschaft, einer faszinierenden Bergregion entlang der Grenze von Thailand und Myanmar. Es ist der wichtigste Lebensraum der vom Aussterben bedrohten Art. Doch noch immer werden die majestätischen Großkatzen von Wilderern gejagt. Und durch die Dawna-Tenasserim-Landschaft soll eine achtspurige Autobahn gebaut werden.

Indochinesischer Tiger © iStock / Getty Images
Indochinesischer Tiger © iStock / Getty Images

Abgetrennte Tigerpfoten, Tigerzähne, Tigerknochen – am Stück oder zu Pulver zermahlen – ja, sogar ein ganzes Tigerskelett, eingelegt in Alkohol in einem Aquarium, aus dem man sich ein angeblich aphrodisierendes Getränk zapfen kann: All das wird ganz offen feilgeboten auf etlichen der unkontrollierten Wildtiermärkte Myanmars, wie zum Beispiel in Mong La in der Grenzregion zu China oder Tachilet in der Grenzregion zu Thailand. Gemahlene Tigerkrallen gegen Schlaflosigkeit, Tigerknochen gegen Kopfschmerzen oder Arthritis, die Geschlechtsteile zur Behandlung von Impotenz – der Glaube an die Heilkräfte verbotener Tigerprodukte reißt nicht ab und bringt die Großkatze an den Rand der Ausrottung. Nicht zu vergessen das begehrte Fell! Es gibt nichts, was an einem Tiger nicht wertvoll ist und einen lukrativen Markt speist, der erst dann zu versiegen scheint, wenn der letzte Tiger, in seine Einzelteile zerlegt, gewinnbringend verkauft wurde. Aber es gibt Hoffnung im unermüdlichen Kampf gegen die Ausrottung dieser wichtigen Art: Eine Tigerpopulation in den Trockenwäldern von Dawna Tenasserim. 

Wild und vielfältig: Heimat der Indochinesichen Tiger

18 teilweise miteinander verbundene Nationalparks oder Wildreservate sollen die Natur in Dawna Tenasserim vor der Ausbeutung schützen. Doch sie können die Tiger, genau wie ihre Beutetiere, oft nicht vor den Wilderern retten: Das Management vieler Schutzgebiete ist mangelhaft, und manche der Nationalparks bestehen nur auf dem Papier. Neben Wilderei und illegalem Handel bedrohen außerdem große Infrastrukturprojekte den so wichtigen Bestand der Indochinesischen Tiger: In Zukunft soll eine achtspurige Straße die Dawna-Tenasserim-Berglandschaft durchschneiden und einen geplanten Tiefseehafen in Myanmar mit Thailands Hauptstadt Bangkok verbinden. Auch eine Eisenbahntrasse und mehrere Gas- und Ölpipelines sind geplant. Nicht nur, dass mit diesen Entwicklungen der Lebensraum der Tiger ernsthaft gefährdet ist: Jedes Erschließen der Landschaft bedeutet auch einen leichteren Zugang für die Wilderer.

Gegen Wilderer: Ranger, Regeln und Regierung

Seit Jahrzehnten arbeitet der WWF in der Dawna-Tenasserim-Landschaft an der Verbesserung bestehender und der Ausweisung von neuen Schutzgebieten – gemeinsam mit allen Interessensgruppen. „Hier müssen alle an einem Strang ziehen“, sagt WWF-Asienexpertin Kathrin Hebel. „Die Regierungen, die lokale Bevölkerung, das Militär, private Unternehmen und andere staatliche und nicht-staatliche Organisationen sind für den WWF wichtige Partner, um der Wilderei Einhalt zu gebieten.“ Die Überwachung eines solch riesigen Wildgebietes bedarf außerdem entsprechender Ausrüstung und einer erhöhten Präsenz auf den Flächen. Deshalb bildet der WWF Ranger aus, setzt Anti-Wilderer-Patrouillen ein und stellt unter anderem Fahrzeuge, Feldstecher, GPS- und Funkgeräte bereit. Auch mit der Grenzpolizei arbeitet der WWF eng zusammen. Ein intensives Monitoring – vor allem mit Kamerafallen – misst den Erfolg.

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Aufklärung

Mindestens ebenso wichtig wie Kontrolle ist Aufklärung – und zwar weltweit. Der WWF warnt vor dem Kauf von Wildtierprodukten, entkräftet den Aberglauben an medizinische Wirkungen von Tierteilen und verdeutlicht immer wieder die illegale Herkunft solcher Produkte und die dramatischen Folgen für die Tiere. In den Nationalparks der Dawna-Tenasserim-Landschaft arbeitet der WWF vor allem eng mit der lokalen Bevölkerung zusammen. „In großen Schulprojekten und durch Informationsveranstaltungen in den Gemeinden wird ein Bewusstsein geschaffen für die Bedeutung des Tigers, für die Menschen und für die Landschaft, in der sie leben“, sagt Kathrin Hebel. „Die Bevölkerung soll sich dabei als zentraler Teil beim Schutz des Tigers und im Kampf gegen die Wilderei verstehen.“

Wichtige Korridore schaffen

Ein Tiger kennt keine Landesgrenzen. „Um genügend Beutetiere zu finden und sich fortpflanzen zu können, müssen Tiger gefahrlos wandern und auch über die thailändischen Grenzen hinweg in Myanmar neuen Lebensraum besiedeln können“, erklärt Kathrin Hebel. „Ein großes Ziel des WWF ist deshalb, Schutzgebiete in Thailand mit Nationalparks auf myanmarischer Seite zu verbinden, um die Bewegungsfreiheit des Tigers zu erhalten.“ 

Tx2: Verdopplung der Tigerzahl bis 2022

Indochinesischer Tiger © iStock / Getty Images
Indochinesischer Tiger © iStock / Getty Images

Vor 100 Jahren streiften noch etwa 100.000 Tiger durch Asien. Heute gibt es nur noch schätzungsweise 3890 wildlebende Tiger. Weltweit hat der Tiger in den letzten 150 Jahren 95 Prozent seines Lebensraumes verloren. Umso wichtiger ist es, die Dawna-Tenasserim-Landschaft als Lebensraum für den Tiger und seine Beutetiere zu bewahren und noch intensiver zu schützen. Nur so ist das globale Tigerziel zu erreichen, das von den Regierungen der 13 Tigerverbreitungsländer auf dem Tigergipfel in St. Petersburg 2010 gesetzt wurde: Die Verdopplung der Tigerzahl bis 2022.

 

Von Stephanie Probst

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