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Stand: 18.07.2013

Erdölförderung in Virunga: Die Grenze ist überschritten

In Afrikas ältestem Nationalpark soll nach Erdöl gebohrt werden. Das würde nicht nur dieses UNESCO-Weltnaturerbe zerstören, sondern hätte eine fatale Wirkung für den weltweiten Naturschutz. Wenn nicht einmal die einzigartigen Welterbe-Gebiete unantastbar sind - was bleibt dann von den Naturschätzen der Erde übrig?

Virunga Nationalpark © Brent Stirton Getty-Images / WWF-Canon
Virunga Nationalpark © Brent Stirton Getty-Images / WWF-Canon

Virunga - die Heimat der letzten Berggorillas

Mitten im langgestreckten afrikanischen Grabenbuch ragen die mächtigen Virunga-Vulkane aus dem tropischen Regenwald in die Höhe. An deren fruchtbaren Hängen haben die auch letzten Berggorillas ihre Heimat. Auf dem Weg hinab in die Tiefebene verwandelt sich die Landschaft zu Savannen, Sümpfen und weiten Seen. Es gibt keinen Ort auf dem afrikanischen Kontinent, der eine vergleichbare biologische und landschaftliche Vielfalt aufweisen kann wie der Virunga-Nationalpark.

Berggorillas in Virunga © Ralph Frank / WWF
Berggorillas in Virunga © Ralph Frank / WWF

Seit dem Jahr 1925 steht der Park bereits unter Schutz und ist damit der älteste des ganzen Kontinents. Im Jahr 1979 ernannte die UNESCO Virunga zum Weltnaturerbe. Zusätzlicher Schutz, der dringend erforderlich ist, denn Virunga liegt inmitten einer der politisch brisantesten Regionen der Welt – in der demokratischen Republik Kongo unmittelbar neben Ruanda und Uganda. Bislang ist es gelungen, dieses 790.000 Hektar große Paradies trotz aller Bedrohung zu bewahren. Fast 150 Ranger starben bei der Verteidigung des Schutzgebietes gegen skrupellose Wilderer und Holzfäller.

Nun ist eine neue Bedrohung hinzugekommen, fundamentaler als je zuvor: die Profitgier westlicher Unternehmen. Im Jahr 2012 vergab Joseph Kabila, der Präsident der Demokratischen Republik Kongo eine Konzession für Erdölbohrungen an das britische Unternehmen SOCO. „Man hat es geschafft, Virunga über viele Jahre hinweg und trotz zahlreicher Unruhen zu bewahren“, sagt Johannes Kirchgatter vom WWF Deutschland. „Und jetzt wird dieses einzigartige Gebiet der Profitgier westlicher Unternehmen geopfert?

Die Erdöl-Gewinne fließen nach Europa und in den Waffenhandel

© National Geographic Ed Kashi / WWF-Canon
© National Geographic Ed Kashi / WWF-Canon

Auf ihrer Webseite schreibt SOCO, dass Erdöl dabei helfen könnte, soziale Spannungen zu vermeiden, da sie höhere Einkommen für die lokale Bevölkerung versprächen. „Das Gegenteil ist der Fall", sagt Kirchgatter. „Die Erdölförderung erfordert extremes Know-How. Es ist nur schwer vorstellbar, dass die Menschen vor Ort diese Jobs übernehmen können“, vermutet er. „Und dass die Gemeinden selbst von dem Öl profitieren werden, bezweifeln die meisten. Die Erfahrungen der Vergangenheit sprechen eher dagegen. Das Geld würde nach Europa fließen, heißt es.“

 

Allein vom Fischfang im gegen Verschmutzungen extrem empfindlichen Edwardsee leben derzeit fast 30.000 Menschen. „Profitieren werden mit Sicherheit die in der Region aktiven Rebellen - und sei es durch Schutzgelderpressung und Korruption. Denn eine Ölpipeline ist schnell gesprengt. Die Gewinne fließen dann direkt in den Waffenhandel“.

Ein Kaleidoskop der gesamten Flora und Fauna Afrikas

Flusspferde in Virunga © naturepl.com / Karl Ammann / WWF-Canon
Flusspferde in Virunga © naturepl.com / Karl Ammann / WWF-Canon

Auch im benachbarten Ruanda tobte vor nicht langer Zeit ein Bürgerkrieg. Inzwischen werden jedoch viele Millionen Dollar umweltverträglich mit dem Ökotourismus im angrenzenden Vulcanoes-Nationalpark verdient. „Der Virunga-Nationalpark mit all seinen Naturwundern hätte ein noch größeres Potenzial. Aber Ölindustrie und Natur-Tourismus sind nicht unter einen Hut zu bringen.“

 

Schon bevor Öl gefördert wird müssen dafür Straßen und Siedlungen gebaut werden und im ganzen Gebiet breite Schneisen für die Exploration geschlagen werden. Auch die Schallmessungen zur Lokalisierung der Ölfelder im Edwardsee hätten gravierende Folgen für die empfindliche Ökoregion. „Virunga ist wie ein Kaleidoskop der gesamten Flora und Fauna Afrikas“, sagt Johannes Kirchgatter. „Es ist das einzige Schutzgebiet auf der Welt, in dem zugleich Bergland- und Flachlandgorillas leben. Hier gibt es aber auch Schimpansen, Elefanten, Nilpferde, Okapi, unzählige Schmetterlinge, Chamäleons – einfach alles. Das kann man doch nicht einfach alles aufs Spiel setzen.“ 

Keine Erdölförderung in einem UNESCO-Welterbe Virunga

Kirchgatter fürchtet zudem, Virunga könne zu einem Präzedenzfall werden. „Wir reden von einem Unesco-Weltnaturerbe. Wenn nicht einmal dieser Titel hilft, einen – auch nach nationalem Recht streng geschützten - Nationalpark zu bewahren, dann hat der Naturschutz keine Chance mehr und es dauert nicht mehr lange, bis wir alles verlieren, wofür wir so lange gekämpft haben. Ein Gesetz, das Bodenschatzausbeutung in allen Schutzgebieten generell erlauben würde, ist im Kongo bereits in Vorbereitung und muss unbedingt verhindert werden“.

Aber noch hat Kirchgatter die Hoffnung nicht aufgegeben. Das französische Mineralölunternehmen Total hatte sich im Mai 2013 dem Druck des WWF und der Öffentlichkeit gebeugt und seine Pläne aufgegeben, in Virunga nach Öl zu bohren. „Das war ein wichtiges Signal für uns. Das hat gezeigt, dass wir es schaffen können. Und auch gegen Soco werden wir kämpfen“, verspricht Kirchgatter.

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