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Stand: 24.02.2016

Neue Wälder für Virunga, die Heimat der Berggorillas.

Die Virunga-Berge umfassen eine Kette von acht Vulkanen, die im Osten der Demokratischen Republik Kongo an der Grenze zu Ruanda und Uganda liegen und sich entlang des zentralafrikanischen Grabenbruchs erstrecken. Die Vulkankette ist mit extrem artenreichem, tropischem Bergregenwald bedeckt. Doch immer mehr Wald - auch innerhalb des Schutzgebietes - fällt dem Brennholzhunger zum Opfer. Um das Ökosystem zu stabilisieren und die Bevölkerung nachhaltig mit Holz zu versorgen, hat der WWF ein großangelegtes Aufforstungsprogramm gestartet.

Die Hügellandschaft von Virunga © Simon Bemelmans / WWF
Die Hügellandschaft von Virunga © Simon Bemelmans / WWF

Wegen des starken Bevölkerungswachstums (durchschnittlichen leben auf jedem Quadratkilometer 420 Menschen) wird illegal auch im Gorilla-Lebensraum immer mehr Brennholz geschlagen. Für über 96 Prozent der Menschen ist Holz, das auch illegal im Nationalpark gefällt wird, die einzige Energiequelle. Etwa 1.000.000 Flüchtlinge leben zurzeit im Osten der DR Kongo. Flüchtlingslager wurden auch unweit des Virunga-Nationalparks errichtet.

Frauen schleppen Holz und Holzkohle von immer weiter her © WWF
Frauen schleppen Holz und Holzkohle von immer weiter her © WWF

Ein Nationalpark wird verheizt

Der Druck auf die natürlichen Ressourcen ist dramatisch angestiegen. Es wird deutlich mehr Feuerholz und Holzkohle benötigt, als derzeit auf natürliche Weise nachwächst, denn der größte Teil der Bevölkerung ist von Holz und Holzkohle als primärer Energiequelle abhängig. Die flächendeckende Entwaldung und der illegale Holzeinschlag macht auch an den Grenzen des Virunga-Nationalpark keinen Halt. Die Lösung dieses Problems ist eine der wichtigsten Herausforderungen für den WWF, der bereits seit über 20 Jahren in dieser Region aktiv ist.

Hilfe für die seltenen Menschenaffen

Berggorillas zählen zu den am meisten bedrohten Säugetieren der Welt und werden auf der Roten Liste der IUCN als „vom Aussterben bedroht“ geführt. Die letzten rund 840 Berggorillas leben in zwei voneinander isolierten Populationen: Über 400 Tiere sind noch in den zusammenhängenden Schutzgebieten der Virunga-Berge im Dreiländereck von Ruanda, Uganda und der Demokratischen Republik Kongo zu finden, davon leben ca. 170 Tiere im kongolesischen Teil der Virungas. Die zweite eigenständige Population lebt in Uganda in den Wäldern des Bwindi-Impenetrable-Nationalparks.

Junger Berggorilla © naturepl.com / Bruce Davidson / WWF
Junger Berggorilla © naturepl.com / Bruce Davidson / WWF

WWF-Projektziele

Sicherung des Virunga-Ökosystems durch Wiederbewaldung und effektiven Schutz des Nationalparks und der Gorillas durch:

  • Massive Aufforstungen, Ausweitung der bereits vom WWF angepflanzten 10.000 ha Waldflächen auf 30.000 Hektar
  • Umweltbildungsprogramm für die lokale Bevölkerung
  • Unterstützung der kongolesischen Nationalparkverwaltung
  • Schutz der bestehenden Wälder durch gemeinsame Kontrolle mit Rangern und Bevölkerung
  • Verbreitung weiterer 50.000 Energiesparöfen (bisher bereits 80.000 im Einsatz)

Aufforstung rettet die Heimat der Berggorillas

Wiederaufforstung im Virunga © WWF

Langfristig soll der Bedarf an Holz und Holzkohle vollständig aus neuen, dauerhaft nachhaltig genutzten Wäldern befriedigt werden. Nur so kann der Druck auf den Virunga-Nationalpark und die kostbaren Urwälder nachhaltig verringert werden. Aus diesem Grund pflanzen lokale Bauern mit Hilfe des WWF im Rahmen seines großangelegten „EcoMakala“ –Projektes (Makala heißt Holzkohle auf Lingala) seit 2007 neue Wälder mit verschiedenen, zum Teil sehr schnell wachsenden Baumarten an. Diese können dann nachhaltig und naturverträglich für Feuer- und Bauholz genutzt werden und den Druck von den Urwäldern nehmen, die mit Unterstützung des WWF komplett geschützt werden. Die neuen Wälder bieten zugleich neuen Lebensraum, schützen Böden und Grundwasser, binden große Mengen Kohlenstoff und sichern der Bevölkerung ein nachhaltiges Einkommen. Inzwischen konnten über 10.000 Hektar Fläche aufgeforstet werden. Profitiert haben davon ca. 5000 Kleinbauern und deren Familien.

Die Kosten für einen Hektar (inkl. Schulung der Bevölkerung, Saatgutgewinnung und Baumschulen, Aufforstungsmaßnahmen, anfängliche Pflege) betragen 800 US Dollar, pro Hektar werden dabei ca. 1000 junge Bäume gepflanzt. 2015 konnten erstmals Bäume in den neuen Wäldern genutzt und nachgepflanzt werden. Über 16 Tonnen Holzkohle konnten in 2015 bereits nachhaltig und waldverträglich produziert werden. Bis jedoch der gesamte Bedarf an Brennmaterial für diese Region aus den neuen Wäldern gedeckt werden kann, vergehen noch einige Jahre und sind dringend weitere Aufforstungen notwendig, 30.000 Hektar sollen es bald sein. Viele Kleinbauern sehen jetzt den Erfolg der neuen Wälder und bitten den WWF um Hilfe bei der Aufforstung. Zugleich muss aber sofort und dauerhaft den Verbrauch an Holz und Holzkohle gesenkt werden, um den Bedarf nachhaltig decken zu können.

Energiesparkocher senken Holzverbrauch

Energieeffizienter Kocher © WWF
Energieeffizienter Kocher © WWF

Dazu hat der WWF einfache, aber extrem effektive Holzsparöfen entwickelt, die vor Ort aus lokal verfügbarem Material (recyceltes Metall und Ton) gebaut werden. Für die massenhafte Produktion konnte der WWF zahlreiche Frauenkooperativen aufbauen und ausbilden, die zugleich Einkommen für arme Familien bringen. Über 80.000 dieser Öfen wurden inzwischen in der Region abgesetzt. Jeder Ofen spart gegenüber dem sonst üblichen offenen Herd-Feuer bis zu 50 Prozent Feuerholz oder Holzkohle – und damit natürlich auch die entsprechenden CO2-Emissionen ein! Jeder Ofen rettet so pro Jahr ungefähr 2 ausgewachsene Bergregenwald-Bäume vor der Säge!

Damit die Kocher zu einem besonders günstigen Preis angeboten werden können und schnelle Verbreitung finden, werden sie derzeit vom WWF subventioniert. Außerdem werden die Produzenten der Öfen mit Mikrokrediten unterstützt. Mit verstärkter Öffentlichkeitsarbeit wird die Bevölkerung zudem auf die Vorteile der verbesserten Öfen aufmerksam gemacht. Pro Ofen kosten diese Maßnahmen den WWF derzeit ca. 6 Dollar. Nicht nur die Natur profitiert von den Energiesparkochern, sondern auch die teilweise bitterarme Bevölkerung, denn durch den verringerten Bedarf an Brennmaterial verringern sich auch die Ausgaben für Feuerholz oder Holzkohle. 

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