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Stand: 21.09.2012

Virunga Nationalpark: Ein Juwel in Gefahr

Es ist eins der kostbarsten Juwelen unter den Naturlandschaften der Welt: Der Virunga Nationalpark im Kongo. Doch dieses weltweit einzigartige Ökosystem ist in Gefahr, denn internationale Öl-Konzerne wollen hier bohren – und haben mit der Erkundung begonnen.

© Martin Harvey / WWF
© Martin Harvey / WWF

Vulkane, Savannen, Moore, Seen und Bergregenwälder – auf dem Gebiet von rund 790.000 Hektar zwischen dem Äquator und der westlichen Ecke der Demokratischen Republik Kongo gibt es eine Vielzahl unterschiedlicher Lebensräume. Der Virunga-Nationalpark gehört zu den artenreichsten Gegenden der Welt. Hier leben über 200 Säugetiere und mehr als 700 Vogelarten - und es ist einer von nur noch zwei Orten, an denen es noch Berggorillas gibt. „Virunga ist ein einzigartiger Naturschatz, dessen Bedeutung gar nicht hoch genug eingeschätzt werden kann“, erklärt der WWF-Afrikaexperte Johannes Kirchgatter.

Der Virunga-Nationalpark ist die einzige Heimat der Berggorillas. © Michael Poliza / WWF
Der Virunga-Nationalpark ist die einzige Heimat der Berggorillas. © Michael Poliza / WWF

Ölbohrungen gefährden das Ökosystem

Doch Afrikas ältestes Schutzgebiet, seit 1979 UNESCO Weltnaturerbe, ist in Gefahr. Internationale Ölkonzerne wie Total, SOCO oder Ophir Energy wollen hier nach Öl bohren. Die kongolesische Regierung hat fünf Ölsuchgebiete im Kongo ausgeschrieben. Die Gebiete drei, vier und fünf decken 85 Prozent des Virunga Nationalparks ab. Am 27. Dezember 2011 hat der französische Ölkonzern Total den Zuschlag für die Ölsuche im so genannten Block drei bekommen. Ein Gebiet, das den Osten des Parks zu einem Drittel einschließt. Der Konzern darf dort in den nächsten drei Jahren nach Öl suchen.

 

„Das ist ein Unding“, empört sich WWF-Afrikaexperte Kirchgatter. „Jahrzehntelang hat man die einzigartige Natur des Parks durch Bürgerkriege und Unruhen hindurch bewahrt - und jetzt ist die größte Bedrohung für Virunga das kurzfristige Profitstreben der Ölkonzerne.“ Ölbohrungen bedeuten, dass seismische Tests durchgeführt, Straßen und Infrastruktur in die unberührte Savanne gebaut und Leitungen quer durch den Nationalpark gelegt werden – das alles bedroht das Ökosystem.

Die Bohrungen gefähren den ganzen Virunga Nationalpark © WWF-CSP / moabi

Bohrungen sind offiziell verboten

Bohrungen im Virunga-Nationalpark sind nach den Standards der UNESCO – die der Kongo ratifiziert hat – und nach kongolesischem Gesetz illegal. In den Gesetzen des Landes ist festgelegt, dass es verboten ist, in Nationalparks Rohstoffe zu fördern und nach Öl zu bohren. Das UNESCO-Komitee hat mehrfach herausgestellt, dass Ölbohrungen im Schutzgebiet mit dem Status des Weltnaturerbes unvereinbar sind und deshalb Ölkonzerne wie kongolesische Regierung aufgefordert, die beabsichtigten Ölbohrungen zu stoppen. Bisher mit wenig Erfolg. Die kongolesische Regierung hat der UNESCO im August mitgeteilt, dass sie dem britischen Ölkonzern SOCO ebenfalls erlaubt hat, mit Erkundungen im Virunga-Nationalpark zu beginnen. Das Unternehmen sucht im Schutzgebiet am Lake Edward nach Öl. Eine Kontamination des Gebietes würde auch die Lebensgrundlage der 30.000 Menschen zerstören, die in der Nähe des Sees wohnen und zum Großteil vom Fischfang leben.

 

Nicht nur die Ölkonzerne stehen in der Verantwortung, sondern auch deren Sponsoren, die zum Großteil aus Europa kommen. So sind die niederländischen Banken ING und Rabobank und die Rentenfonds ABP und PFZW die größten Investoren des Ölmultis Total.

Der Virunga-Nationalpark ist Afrikas ältestes Schutzgebiet und seit 1979 UNESCO Weltnaturerbe. © Kate Holt / WWF UK
Der Virunga-Nationalpark ist Afrikas ältestes Schutzgebiet und seit 1979 UNESCO Weltnaturerbe. © Kate Holt / WWF UK

Keine Ölbohrungen im Nationalpark

Der WWF fordert die Konzerne und die Investoren auf, verbindlich zu versichern, dass keine Bohrungen innerhalb des aktuellen Nationalparks durchgeführt werden. Denn die kongolesische Regierung hat schon erklärt, dass sie überlegt, das Gebiet des Virunga-Nationalparks einfach zu verkleinern, damit die Ölbohrungen außerhalb des Parks liegen – und damit nicht gegen die Gesetze verstoßen. Auch das würde massiv gegen die UNESCO-Standards verstoßen.

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