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Stand: 18.07.2013

Virungas Potenzial – Eine Milliarde für die Menschen

Über eine Milliarde Dollar jährlich könnte der Virunga-Nationalpark erwirtschaften, wie eine aktuelle WWF-Studie belegt. Doch Afrikas ältester Nationalpark droht durch Erdölförderung zerstört zu werden. Ein Juwel steht auf dem Spiel.

Virunga: UNESCO-Weltnaturerbe und Afrikas ältester Nationalpark

Im Virunga-Nationalpark wird Erdöl vermutet. Nun will die Regierung der Demokratischen Republik Kongo (DRC) die klamme Staatskasse mit Petrodollars auffüllen. Das britische Unternehmen SOCO International hat angekündigt, „wissenschaftliche“ Probebohrungen innerhalb des UNESCO-Welterbegebietes durchzuführen. Eine WWF Studie belegt, mit einem funktionierenden, nachhaltig betriebenen Nationalpark und seinem intaktem Ökosystem könnte die DRC dauerhaft 1,1 Milliarden Dollar erwirtschaften – Jahr für Jahr. Mit Erdölbohrungen hingegen wird für kurzfristige Profite westlicher Firmen die Zerstörung eingeleitet.

Bitte per Klick auf die Infografik vergrößern und downloaden. Virunga Nationalpark © WWF
WWF Infografik Virunga Nationalpark © WWF

Virunga ist der älteste Nationalpark in Afrika. Über 2000 Pflanzen-, 706 Vogel-, 218 Säugetier- und 109 Reptilienarten haben hier ihre Heimat. Knapp 10 Prozent davon sind endemisch, gibt es also nur dort. Es ist der einzige Ort der Welt, in dem Berg- und Flachland-Gorillas sowie Schimpansen vorkommen.

Die Erdölförderung hätte fatale Auswirkungen auf die gesamte Region: Zerstörung, Verschmutzung, Verstärkung von Krisen und Instabilität. Die Studie bezieht sich dabei auch auf die Erfahrungen aus der Erdöl-Erschließung des Nigerdeltas – einem einstmaligen fischreichen Feuchtgebiet, das heute in weiten Teilen ölverseucht ist.

Welchen wirtschaftlichen Wert hat der Virunga-Nationalpark?

Der Virunga-Nationalpark bildet die Lebensgrundlage für etwa 50.000 Menschen. Mehr als die Hälfte davon lebt unmittelbar von der Fischerei. Nachhaltige Konzepte, die Transport, Veredlung und Weiterverkauf beinhalten, könnten die Einnahmen auf jährlich etwa 90 Millionen Dollar verdreifachen. Gleichzeitig erhielten die Nilpferdebestände im Edward- und Albertsee eine Chance, sich zu erholen. Die Fischerei und der Tourismus würden davon gleichermaßen profitieren.

„Wir Menschen beziehen einen direkten, unmittelbaren Nutzen von der Natur. Ein gefangener Fisch hat einen messbaren Wert ebenso wie Einkommen aus dem Tourismus. Auch indirekte, wichtige soziale Leistungen erhalten einen Wert, beispielsweise die Wasserversorgung oder der Schutz vor Erosion. Schließlich gibt es noch einen so genannten Nichtgebrauchswert, gewissermaßen die wirtschaftliche Option für zukünftige Nutzung von natürlichen Ressourcen“, sagt Günter Mitlacher, Leiter Biologische Vielfalt beim WWF Deutschland.

Virunga als Wachstumsmotor

Landwirtschaft in Virunga © Kate Holt / WWF UK
Landwirtschaft in Virunga © Kate Holt / WWF UK

Derzeit gibt es in Virunga keinen Tourismus – der Park ist seit den schweren Unruhen 2012 geschlossen. Das Potenzial ist jedoch riesig. Sanfter Öko-Tourismus verspräche bis zu 7.000 Arbeitsplätze für Ranger, Naturführer oder in den Safari-Logdes. Der Tourismus alleine könnte über 200 Millionen Dollar als Einkommen für die lokale Bevölkerung liefern.

Insgesamt ermittelt die Studie eine potenzielle, jährliche Wertschöpfung von 411 Millionen Dollar aus Tourismus, Fischerei, Wasserkraft, Pharmakologie, Forschung, Walderhaltung, Wasserversorgung und Erosionsschutz. Und es könnten bis zu 45.000 Jobs geschaffen werden. Der Nichtgebrauchswert von natürlichen Ressourcen wird mit weiteren 700 Millionen Dollar beziffert – insgesamt eine jährliche Wertschöpfung von über einer Milliarde Dollar. All das wäre jedoch mit einer Ölförderung nicht unter einen Hut zu bringen.

Keine Erdölförderung im Virunga-Nationalpark

Im Nigerdelta weiß man heute, dass die Erdölförderung kommunale und ethnische Spannungen sowie die Verbreitung von Waffen begünstigt hat. „In Anbetracht der Nähe von Nord-Kivu zu Uganda, Ruanda und Burundi könnten Rebellengruppen Öl aus Pipelines abzapfen und an Nachbarländer verkaufen, was zu weiterer Instabilität führen würde“, heißt es in der Studie. Eine übliche Praxis im Nigerdelta.

„Es müssen Straßen gebaut werden, die intakten Ökosysteme werden zerschnitten. Und den Straßen folgen die Wilderer und Siedler“, sagt Johannes Kirchgatter, Referent für die Kongoregion beim WWF Deutschland. Eine Pipeline durch ein von Unruhen und Korruption gezeichnetes Gebiet zu bauen, hält Kirchgatter schlicht für Wahnsinn.

Es darf nicht dazu kommen, dass in einem UNESCO-Welterbegebiet nach Öl gebohrt wird. Bis hierher und nicht weiter. „Keine Erdölförderung im Virunga-Nationalpark.“

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