Bekommt er eine zweite Chance?
Die Rückkehr des Wolfs in Deutschland
Einst besiedelten die anpassungsfähigen Wölfe die gesamte nördliche Hemisphäre und die unterschiedlichsten Lebensräume. In vielen Regionen wurde der Wolf, seit dem Mittelalter dämonisiert und als blutrünstige Bestie verschrien, systematisch bejagt und in Deutschland im Jahr 1904 schließlich ausgerottet. Fast 100 Jahre vergingen, bis sich im Jahr 2000 wieder ein erstes Wolfspärchen aus Polen in Ostdeutschland angesiedelt hatte und Junge bekam. Derzeit gibt es in Deutschland mit etwa sechs Rudeln und einem weiteren Wolfspaar insgesamt wieder ca. 40-50 Wölfe, die vorwiegend in Sachsen und Brandenburg sowie vereinzelt in Mecklenburg-Vorpommern, Sachsen Anhalt, Schleswig-Holstein und Niedersachsen vorkommen. Zusammen mit den wenigen Wolfsrudeln in Westpolen zählen sie zu der deutsch-westpolnischen Population – der kleinsten Wolfspopulation in Europa. Wiederholt hielten sich einzelne Wölfe auch in Bayern auf - über die Schweiz wanderte zuletzt im Frühjahr 2010 ein Wolf in Süddeutschland ein. In Sachsen, Brandenburg und Bayern gibt es inzwischen Managementpläne für den Wolf, um sich auf eine dauerhafte Wiederbesiedlung der grauen Räuber vorzubereiten. Sogar in Nordrhein-Westfalen und Hessen wurden einzelne Wölfe nachgewiesen. Die Rückkehr der Wölfe nach Deutschland ist ein großer Erfolg für den Naturschutz und. es ist jetzt an uns, das Zusammenleben mit ihnen wieder zu erlernen!
Wolfstag in der Lausitz
Am Samstag, den 23. Juli 2011, wird der 5. Wolfstag im Erlichthof in Rietschen in Sachsen in der Lausitz stattfinden. Neben einem vielfältigen Programm wird es spannende Vorträge rund um den Wolf geben. Veranstalter sind das Kontaktbüro „Wolfsregion Lausitz“, der WWF und andere Partner. Derartige Veranstaltungen, die das Tier Wolf und seine Lebensweise den Menschen näher bringen, sind für einen nachhaltigen Wolfsschutz unabdingbar. Und die große Beliebtheit dieser Veranstaltung zeigt, dass die Rückkehr des Wolfes viele Menschen weit über die Region hinaus begeistert.
Der Wolfstag beginnt um 10 Uhr und endet ist bis um 18 Uhr geplant. Der WWF wird dort einen Infostand mit Angeboten für die ganze Familie vor Ort sein. Neben einer kleinen Ausstellung von Tierschädelrepliken von Wolf, Luchs, Fuchs und Co, verschiedenen Tatzenabdrücken, Zähnen und Krallen können Wolfsmasken gebastelt und Tierspuren gestempelt werden. Zudem wird es ein Quiz und eine Bestimmungsaufgabe beim Stand des WWF geben.

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Der WWF arbeitet seit einigen Jahren an Projekten zur Rückkehr der Wölfe in verschiedenen europäischen Ländern und entwickelt Maßnahmen mit Behörden und anderen Organisationen für die Art. Da sich die Tiere nicht an geographische Ländergrenzen halten, etablierte der WWF 1995 ein europäisches Netzwerk von Wissenschaftlern und Experten zum systematischen Austausch von Erfahrungen im europäischen Wolfsschutz. Was alle gleichermaßen zu berichten wissen, ist, dass die alten Vorurteile gegenüber dem grauen Jäger nach wie vor in den Köpfen der Menschen verankert sind. Daraus resultiert eine der wichtigsten Aufgaben für den WWF: Die Aufklärungsarbeit und Akzeptanzschaffung.
Der WWF möchte dazu beitragen, dass der Wolf in Deutschland als Bestandteil der heimischen Fauna akzeptiert wird. Wölfe sind in ihren Lebensraumansprüchen sehr flexibel. Auf dem Truppenübungsplatz Oberlausitz, wo Wölfe nur wenig gestört werden oder in Schutzgebieten in der Uckermark, die der WWF mit betreut, ist eine dauerhafte Besiedlung durch den Wolf relativ unkompliziert. Das ist in Gegenden, in denen Menschen leben und Nutztiere halten, nicht immer der Fall. Vor allem Schafhalter wehren sich oft gegen die Rückkehr des Wolfes, da ihre Tiere für Wölfe eine einfache Beute darstellen. Den Konflikten zwischen Wölfen und Nutztierhaltern vorzubeugen, beispielsweise durch die Erleichterung der Zugänglichkeit zu Herdenschutzmaßnahmen steht ganz oben auf der Agenda des WWF. Deswegen finanzierte der WWF Deutschland in Brandenburg 2009 ein Pilotprojekt mit mobilen Herdenschutzeinheiten.
Flächenschutz, Zusammenarbeit mit Nutztierhaltern, Gespräche mit der betroffenen Bevölkerung und Interessensvertretern, Umweltbildungsaktionen an Schulen, Öffentlichkeitsarbeit über die Medien und natürlich auch langfristig angelegte Managementpläne – all diesen Aufgaben widmen wir uns und möchten dies zukünftig auch verstärkt in Deutschland und den Nachbarländern tun.
„Er kann nur verlieren“
Sachsen will den Wolf ins Jagdrecht aufnehmen
Der WWF und andere Verbände kritisieren die Pläne des sächsischen Umweltministers Frank Kupfer, den Wolf ins sächsische Jagdrecht aufzunehmen. „Die jetzige Schutzsituation für den Wolf ist durch geltendes europäisches und nationales Naturschutzrecht bestens geregelt“, betont Robert Kless vom Welttierschutzbund (IFAW). „Die Umsetzung der dafür erforderlichen Maßnahmen, wie beispielsweise wissenschaftliches Monitoring, ist in dem gemeinsam mit allen Beteiligten erarbeiteten Wolfsmanagementplan festgeschrieben und eindeutig geklärt.“
„Auch die Jägerschaft ist mit dem Landesjagdverband als eingetragener Naturschutzverband bereits involviert und hat alle Möglichkeiten, sich beim Wolfsschutz und Monitoring aktiv einzubringen“, ergänzt Uwe Tichelmann vom Freundeskreis freilebender Wölfe. „Eine zusätzliche Aufnahme des Wolfes ins Jagdrecht würde dagegen zu einer rechtlichen Verwirrung bei Fragen der Zuständigkeit führen“, erläutert Janosch Arnold, WWF. „Wir befürchten, dass eine Koordination des gesamten Wolfsmanagements sehr viel schwieriger und durch den Mehraufwand in der Koordination auch teurer werden würde. Auch ein Einfluss auf die Qualität des Monitorings, welches durch das europäische Naturschutzrecht vorgeschrieben ist, ist zu befürchten.“
Rolf Jaeger von der Gesellschaft zum Schutz der Wölfe resümiert: „Wir sehen durch eine Aufnahme des Wolfes in das Jagdrecht keinerlei Vorteil für den Wolfsschutz oder einen der beteiligten Akteure. Mit der Übernahme ins Jagdrecht kann der Wolf zum jetzigen Zeitpunkt nur verlieren, zu gewinnen gibt es nichts.“
Steckbrief
Größe: zwischen 100 und 160 cm
Gewicht: bis zu 38 kg
Lebensweise: Wölfe leben in Familienverbänden mit starken Bindungen
Helfen Sie JETZT!
Downloads
Leitfaden: Lernen, mit dem Wolf zu leben.
Fragen aus Landwirtschaft, Forstwirtschaft, Jagd und Tourismus
Keine einfache Beziehung: Wolf und Mensch
Bayerisches Staats- ministerium für Umwelt, Gesundheit und Verbraucherschutz:
Mangementplan Wölfe in Bayern
Bundesamt für Naturschutz:
Leben mit Wölfen - Leitfaden für den Umgang mit einer konfliktträchtigen Tierart in Deutschland
Wolfregion Lausitz:
Mit Wölfen leben - Informationen für Jäger, Förster und Tierhalter in Sachsen und Brandenburg
NINA - Norsk institutt for naturforskning:
The fear of wolves



