Nachhaltige Meeresfischerei

Gefangener Kabeljau. © WWF-Canon / Mike R. Jackson
Gefangener Kabeljau. © WWF-Canon / Mike R. Jackson

Fisch – frisch, als Filet, Konserve, Sushi oder Fischstäbchen – gilt weltweit als hochwertiges und bekömmliches Nahrungsmittel und ist in vielen Teilen der Welt sogar die Hauptquelle tierischen Eiweißes.

Im Meer spielt Fisch eine existenzielle Rolle in der Nahrungskette, nicht nur für andere Fische, wie zum Beispiel Haie und Schwertfische, sondern auch für Meeressäugetiere wie Seehunde und viele Delfin– und Walarten. Doch Fisch ist nicht in unbegrenzten Mengen vorhanden. Die weltweite Überfischung der Meere ist eine ernst zunehmende Bedrohung, sowohl für die Gesundheit der Meere und das Überleben seiner Bewohner, als auch für die menschliche Ernährung.  

75 Prozent der kommerziell genutzten Fischbestände weltweit werden bis an ihre Grenzen befischt oder gelten als überfischt. Allein im Nordostatlantik und in der Ostsee gelten sogar 40 der 60 wichtigsten Nutzarten, wie zum Beispiel Kabeljau, Schellfisch und Scholle zurzeit als stark überfischt. Der Grund dafür ist die immer hoch technisierte, auf schnellen Profit bedachte Fischerei der großen Fangflotten, die zu leeren Meeren führt, während die kleine Küstenfischerei vielerorts um ihre Existenz kämpft. In den europäischen Gewässern hat die gemeinsame Fischereipolitik der Europäischen Union (GFP) die Fischerei jahrelang hoch subventioniert. Mittels der Subventionen wurden vor allem die großen Fangflotten verbessert und vergrößert, was schließlich zu einer Überkapazität geführt hat. Heute werden in den meisten Fällen mehr Fische gefangen als nachwachsen können. Viele Fanggeräte produzieren hohe Beifangraten. Unter Beifang versteht man ungewollt mitgefangene Meerestiere, die später tot oder sterbend ins Meer zurückgeworfen werden.

Zum Beifang gehören auch immer wieder Schweinswale, die einzige Walart in Nord- und Ostsee. Allein in der Nordsee ertrinken jährlich mehrere 1.000 Tiere in Fischernetzen, während die Bestände in der Ostsee so bedroht sind, dass schon der Beifang weniger Tiere das endgültige Aus für den Schweinswal in der Ostsee bedeuten könnte. Zusätzlich schädigen viele der eingesetzten Fanggeräte Lebensräume im Meer. Tonnenschwere Bodenschleppnetze walzen empfindliche Bodenbewohner wie Kaltwasserkorallen, Muscheln und Schwämme einfach nieder und hinterlassen eine Spur der Verwüstung auf dem Meeresboden mit katastrophalen Folgen für Ökosystem und Artenzusammensetzung.

Der Überfischung ein Ende setzen

Der WWF setzt sich deswegen global dafür ein, eine naturverträgliche Fischereipolitik zu entwickeln und umzusetzen. In Deutschland konzentrieren wir uns dabei vor allem auf die europäische Flotte und ihr Einzugsgebiet. Zu unseren Zielen zählen die Erholung und nachhaltige Bewirtschaftung der Fischbestände und eine umweltschonende Fischerei, damit die Fischbestände langfristig erhalten und die Meere gesund bleiben. Dabei liegt uns auch ein Management der Flotten am Herzen, das den Fischern ein wirtschaftliches Überleben sichert und sie langfristig von Subventionen unabhängig macht. Gemeinsam mit Kollegen und Partnerorganisationen stehen wir kontinuierlich mit Entscheidungsträgern aus Politik und Wirtschaft auf nationaler und europäischer Ebene im Dialog, um dem Ziel einer nachhaltigen Meeresfischerei in Europa Schritt für Schritt näher zu kommen. Unsere Forderungen und Vorschläge begründen sich hierbei immer auf dem neuesten Stand der wissenschaftlichen Erkenntnis. Falls Fragen noch unbeantwortet sind, versuchen wir deren Beantwortung durch die Fachwelt aktiv zu fördern.

Die Menschheit wird auch künftig nicht auf Fisch verzichten können oder wollen. Deshalb muss dringend umgedacht werden. Fische können nachhaltig bewirtschaftet werden – mit deutlichen Vorteilen für Natur und Menschen. Schon jetzt gibt es Beispiele für naturverträgliches Fischereimanagement, das nicht einzelne Fischarten betrachtet sondern das gesamte Ökosystem Meer: Zum Beispiel Alaska-Wildlachs und Alaska-Seelachs (USA). Diese Fischereien zeigen, dass es möglich ist, große Mengen Fisch zu fangen und gleichzeitig dafür zu sorgen, dass immer genügend davon nachwächst. Ein solches gutes Management der Bestände lässt sich auch für andere Fischarten durchsetzen, wenn Verbraucher und Händler die Weichen richtig stellen: Wer Fisch aus nachhaltigem Angebot bevorzugt, lenkt den Markt ein Stück weiter hin zur naturverträglichen Fischerei, die auch in vielen Jahren noch Fische und Meeresfrüchte anbieten wird. Warum das so wichtig ist und wie dieser Markt funktionieren kann, zeigt die WWF-Broschüre "Eine Zukunft für die Fischerei".

Kontakt

Heike Vesper, Fischereireferentin
Tel.: 040 530200-123
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