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Nachhaltig wirtschaften, geht das?

Durch die Rohstoffgewinnung für Produkte des täglichen Bedarfs werden Lebensräume zerstört und seltene Arten an den Rand der Ausrottung gebracht. Was tun? Ein Schritt, etwas zu verändern, ist für den WWF die Zusammenarbeit mit Unternehmen, die auch etwas verändern wollen. Ziel ist die Umstellung auf eine nachhaltige Wirtschaftsweise.

 

Wenn wir einkaufen, ist der ökologische Fußabdruck der Produkte nicht immer ersichtlich. Oft ist dieser aber immens: Für die Herstellung eines T-Shirts werden etwa 4.000 Liter Wasser verbraucht. Um das zu ändern, klärt der WWF die Verbraucher über Zusammenhänge auf. Zugleich will der WWF eine Umstellung auf naturschonende Erzeugung einleiten. Deshalb kooperiert der WWF mit Wirtschaftsunternehmen.

 

Die erste Aufgabe ist die Entwicklung von nachhaltigen Bewirtschaftungsverfahren – beispielsweise bei der Waldnutzung auf kompletten Kahlschlag zu verzichten und wertvolle Biotope von der Nutzung komplett auszunehmen. Oder Fischbestände nicht auszubeuten und den Beifang unerwünschter Meerestiere drastisch zu reduzieren.

 

Daher hat der WWF in den vergangenen Jahren Prüf- und Zertifizierungssysteme für verschiedene Rohstoffe wie Palmöl, Holz oder Biokraftstoffe mit aufgebaut. Bekannte Beispiele dafür sind der Forest Stewardship Council (FSC) für eine umweltgerechte und sozial verträgliche Waldwirtschaft und der Marine Stewardship Council (MSC) für nachhaltige Fischerei.

Kooperationen helfen

Auch wir Konsumenten sind gefragt. © agrarfoto.com
© MSC / WWF

Was kann so eine Zertifizierung bewirken? In der Vergangenheit wurden beispielsweise bei der Seehecht-Fischerei im Südatlantik durch die Langleinen-Fischerei durchschnittlich 18.000 Seevögel jährlich getötet. Durch Einführung bestimmter technischer Maßnahmen, die MSC-zertifizierten Fischern zur Pflicht gemacht wurden, konnte diese Zahl auf etwa 200 Vögel pro Jahr drastisch reduziert werden.

 

Auch bei der FSC-Zertifizierung von Holzprodukten zeigen sich positive Ergebnisse. Allein die Tatsache, dass bei FSC-zertifizierten Wäldern ein Teil der Waldfläche aus der Nutzung genommen werden muss, schafft sichere Rückzugsräume für bedrohte Arten.

 

Unternehmen zu überzeugen, in Zukunft zertifizierte Rohstoffe für ihre Produkte nachzufragen – das ist die Aufgabenstellung für den WWF bei der Zusammenarbeit mit der Wirtschaft. Ziel ist es, genaue Vereinbarungen mit Herstellern und Händlern zu schließen. Zum Beispiel den Anteil zertifizierter Produkte bis zu einem gemeinsam festgelegten Jahr nach und nach zu erhöhen. Große Unternehmen oder Verbände, die viele Ressourcen nutzen, sind hier besonders interessant für den WWF, weil mit einer einzigen Vereinbarung große Produktmengen auf nachhaltige Nutzung umgestellt werden können.

 

Ein Beispiel für dieses Vorgehen ist das Global Forest and Trade Network (GFTN), das der WWF schon 1991 ins Leben gerufen hat. Dessen 283 Mitglieder wie zum Beispiel der Getränkekartonhersteller SIG Combibloc oder die Hornbach Baumärkte haben mit dem WWF die Vereinbarung getroffen, zunehmend mehr Holz- und Papierprodukte aus umweltgerechter und sozial verträglicher Waldwirtschaft zu handeln und parallel dazu schrittweise Holz aus Raubbau und illegalen Quellen auszuschließen.

 

Derzeit sind rund 134 Millionen Hektar Wald weltweit FSC-zertifiziert, das entspricht etwa fünf Prozent der gesamten nutzbaren Wälder. Diesen Anteil müssen wir noch deutlich erhöhen.  

Beispiel Fischerei

© Kalle Kaub / WWF
© Kalle Kaub / WWF

Nach Angaben der Welternährungsorganisation FAO müssen wir damit rechnen, dass bis zum Jahr 2050 die Fischerei weltweit komplett zusammenbricht, wenn sie im jetzigen Raubbau-Stil weitergeführt wird. Da von der Politik derzeit nicht viel zur Besserung der Situation zu erwarten ist, setzt der WWF auch hier auf die Kraft des Marktes – und auf das Engagement verantwortungsbewusster Unternehmer.

 

1997 gegründet, nahm der MSC, das Zertifizierungssystem für nachhaltige Fischerei, seitdem eine positive Entwicklung. Mitte 2009 waren bereits sechs Million Tonnen Fisch und Meeresprodukte aus Wildfang MSC-zertifiziert beziehungsweise in der Zertifizierung – das sind etwa acht Prozent des weltweiten Fangs. Eine besondere Spitzenrolle nimmt Deutschland ein: Allein hier werden heute fast 1.200 verschiedene Erzeugnisse mit MSC-Siegel verkauft.

 

An diesem Erfolg war der WWF durch seine Unternehmenskooperationen intensiv beteiligt, zum Beispiel über die Zusammenarbeit mit dem größten deutschen Einzelhandelsunternehmen, der EDEKA. Nach Verhandlungen mit dem WWF hat sich die EDEKA-Gruppe zum Ziel gesetzt, bis Ende 2011 das komplette Sortiment umzustellen sowie für ihre Eigenmarken ausschließlich Fisch aus nachhaltiger Fischerei zu beziehen und zu vermarkten. Für die Entwicklung einer entsprechenden nachhaltigen Fischeinkaufspolitik ist EDEKA mit dem WWF eine strategische Partnerschaft eingegangen. EDEKA hat zudem besonders gefährdete Fischarten aus dem Sortiment genommen. Dazu gehören zum Beispiel die als Schillerlocke bekannten Dornhaiprodukte oder Aal.    

Biomasse auf dem Vormarsch

Weltweit wird die Nachfrage an Agrarrohstoffen massiv ansteigen – nicht nur, weil wir sie als Lebensmittel nutzen, sondern weil Biomasse auch als technischer Rohstoff eingesetzt werden kann. Bekanntestes Beispiel dafür ist die Herstellung von Biokraftstoffen. Daher hat der WWF seine Aktivitäten auf Agrarrohstoffe wie Soja, Zuckerrohr oder Palmöl ausgeweitet. Auch hier stehen mittlerweile Zertifizierungssysteme wie zum Beispiel der Round Table on Sustainable Palm Oil (RSPO) für nachhaltiges Palmöl zur Verfügung.  Gleichzeitig werden große Unternehmen dafür gewonnen, ihre Rohstoffgewinnung nach den entsprechenden Nachhaltigkeitsstandards auszurichten.

 

Der RSPO wird von verschiedenen Umweltorganisationen kritisiert, weil er zu schwach sei, um Regenwaldrodungen zu verhindern. Außerdem wird einigen Mitgliedern vorgeworfen, nur einzelne Musterplantagen zu zertifizieren, während sie an anderen Orten gegen RSPO-Kriterien verstoßen. 

 

Obwohl Unternehmen häufig Teil des Problems sind, sollten sie nach Ansicht des WWF zweifellos auch Teil der Lösung sein. Deswegen versucht der WWF, mit Konzernen zu verhandeln, um möglichst viel für die Natur herauszuholen. Dem WWF geht es darum, Lösungen zu entwickeln. Der RSPO ist als freiwilliges System ein Teil der Lösung, aber kein Allheilmittel. Die richtigen Gesetzgebungen, Landnutzungskonzepte und die Ausweisung von Schutzgebieten sind zwingend notwendig.

 

Der RSPO kann nur funktionieren, wenn sich alle Mitglieder an seine Prinzipien und Regeln halten. Deswegen begrüßt der WWF jeden kritischen Blick auf den Runden Tisch und die teilnehmenden Unternehmen.

Nachhaltig ist besser

Fazit: Durch die Einführung freiwilliger Zertifizierungssysteme fördern wir die Natur schonende Gewinnung von Rohstoffen und Lebensmitteln.

 

Wie bei technischen Prüfungen oder Qualitätszertifizierungen läuft auch hier längst nicht alles glatt – Betriebe erfüllen ihre Auflagen nicht oder es wird Betrug nachgewiesen. Darum unterstützt der WWF robuste Zertifizierungssysteme, die Kontrollen vorsehen sowie Einsprüche von Umweltorganisationen und Aberkennung von Zertifikaten möglich machen.

 

Trotz aller Erfolge: Die Überzeugungsarbeit gegenüber Unternehmen ist mühsam. Immer noch werden in Deutschland Tropenholzprodukte ohne FSC-Zertifikat oder bedrohte Fischarten angeboten. Manchmal geben sich Unternehmen auch mit weniger strengen Zertifizierungssystemen zufrieden und drucken deren Label auf die Produkte. Daher können freiwillige Zertifizierungssysteme gesetzliche Regelungen, die alle einhalten müssen,  auf lange Sicht nicht ersetzen.

 

Solange jedoch die Politik damit nicht voran kommt, setzt der WWF auf erfolgreiche Kooperationen mit Vorreitern einer nachhaltigen Wirtschaftsweise. Und empfiehlt Verbrauchern, Produkte mit Umweltsiegeln, die vom WWF anerkannt werden, beim Einkauf zu bevorzugen.

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