Amazonas-Regenwald
Mega-Natur unter Mega-Bedrohung
Das Amazonas-Becken bedeckt eine Fläche so groß wie von Lissabon bis Warschau und von Palermo bis Kopenhagen. Hier befindet sich der größte verbliebene Regenwaldblock der Erde. Es erstreckt sich über neun Staaten Südamerikas. Den weitaus größten Anteil hat Brasilien mit einer Landfläche größer als Westeuropa.
Viele bezeichnen die Amazonas-Regenwälder mit ihrer überwältigenden Artenvielfalt zu Recht als die Kronjuwelen der Weltnatur. So konnten hier bisher zum Beispiel über 40.000 Pflanzenarten, 427 Säugetierarten (darunter Jaguar, Ozelot, Riesenotter und Flussdelfin), 1.294 Vogelarten (darunter Kaiseradler, Tukane, Aras und Kolibris) sowie über 3.000 verschiedene Fischarten identifiziert werden. Dabei sind viele Gebiete noch nahezu unerforscht.
Den Countdown stoppen
Für die Einen sind die Regenwälder im Einzugsgebiet des wasserreichsten Flusses der Erde ein faszinierendes Naturerbe der gesamten Menschheit. Für die Anderen sind sie seit Hunderten von Generationen ihr natürliches Zuhause. Alleine 320 unterschiedliche indigene Bevölkerungsgruppen leben hier, häufig noch auf sehr traditionelle Art und Weise. Doch ihre Existenz ist bedroht: In den letzten Jahrzehnten sind in Brasilien bereits 17 Prozent der Regenwaldflächen für immer vernichtet worden. Und Abholzung, Brandrodung und andere schwerwiegende Eingriffe schreiten weiter rasant voran.
Die großen Bedrohungen sind die skrupellosen und meist illegalen Vernichtungen von Regenwäldern für die endlosen Weideflächen der Rinderrancher, die Holzgewinnung, die nachrückende Agrarindustrie mit ihren Hauptprodukten Soja und Mais, der Bergbau und die Verbauung der Flüsse mit Staudämmen. Landrechtsprobleme, vor allem in Brasilien, heizen dabei die verheerende Dynamik noch an.Organisationen wie der WWF und viele weitere Kämpfer für diesen einzigartigen Lebensraum arbeiten ebenfalls seit Jahrzehnten daran, der Zerstörung etwas entgegenzusetzen. Und sie haben sicher noch Schlimmeres verhindert. Heute wird jedoch deutlich, dass die Anstrengungen aller Akteure noch einmal erheblich verstärkt werden müssen, um die Entwaldung zu stoppen und die Entwicklung ins Positive zu wenden.
Der Amazonas-Regenwald und der Klima-Teufelskreis
Dass das Amazonasgebiet eine unerschöpfliche Quelle ökologischer, ökonomischer und medizinischer Vorteile für die Menschen ist – sei es für die dort lebenden Menschen wie für die in aller Welt – ist hinlänglich bekannt. Was heute zusätzlich immer stärker ins Bewusstsein drängt, ist die Klima stabilisierende Wirkung dieser gigantischen Wald- und Flusslandschaften sowie – umgekehrt – die Wirkungen eines destabilisierten Klimas auf die Regenwälder. Werden die ungeheuren Kohlenstoffmengen, die hier gebunden sind, in den nächsten Jahrzehnten durch Abholzung und Verbrennung freigesetzt, müssen die Klimaexperten ihre bereits heute beängstigenden Prognosen wohl noch einmal zum Schlimmeren korrigieren. Setzt andererseits die Menschheit weiterhin so ungebremst Treibhausgase wie Kohlendioxid und Methan frei, bleibt das nicht ohne Auswirkungen auf den Amazonas-Regenwald. Schon heute hat die Region oft mit ungewöhnlichen Trockenzeiten zu kämpfen – was den verbliebenen Regenwald weiter gefährdet.
Was wir tun
Die internationale WWF-Organisation und die brasilianischen WWF-Kollegen arbeiten schon seit langem auf den verschiedensten Ebenen für die Rettung des Amazonas-Gebietes. Dass die brasilianische Regierung 1998 das Versprechen abgab, zwölf Prozent des brasilianischen Amazonas-Regenwaldes unter Schutz zu stellen und in der Folge eines der weltweit ambitioniertesten Naturschutz-Programme ins Leben rief, ist im Wesentlichen der Initiative des WWF zu verdanken. Es handelt sich um das 'Amazon Region Protected Areas Programme (ARPA), dessen Umsetzung vom WWF maßgeblich mitgestaltet wird. Bis zum Jahr 2016 sollen 60 Millionen Hektar, eine Fläche so groß wie Deutschland und England zusammen, dauerhaft geschützt sein.Seit 2006 hat der WWF Deutschland sein Engagement für den Amazonas-Regenwald verstärkt und übernimmt mit seinem neuen Schutzgebietsprojekt „Juruena-Nationalpark“ Verantwortung für einen wichtigen Teil des ARPA-Programmes. Der neue Juruena Nationalpark, verkündet von der brasilianischen Regierung am 5. Juni 2006, hat etwa die Größe des Bundeslandes Sachsen und ist ein wichtiger Lückenschluss in einer Reihe von Schutzgebieten, die wie ein Riegel gegen die heranrückende Entwaldung fungieren sollen. Damit dieser Nationalpark sowie die neun Schutzgebiete des Apuí Schutzgebietsmosaiks ihre Funktion erfüllen können, bevor es zu spät ist, ist jedoch noch viel zu tun. Deshalb will der WWF Deutschland dort seine Kräfte konzentrieren.


Reduction of Carbon Emissions associated with Deforestation in Brazil. The Role of the Amazon Protected Areas Program (ARPA)
