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Stand: 12.06.2014

Belo Horizonte - Spielort der Fußball-WM 2014

Gold, Diamanten und die letzten Flecken unberührter Natur

Mit der Gewinnung der Bodenschätze in Belo Horizonte kam der Reichtum, gleichzeitig auch die Sklaverei und die Umweltzerstörung. © Roberto Maldonado / WWF
Mit der Gewinnung der Bodenschätze in Belo Horizonte kam der Reichtum, gleichzeitig auch die Sklaverei und die Umweltzerstörung.  © Roberto Maldonado / WWF

Nichts hat die Stadt so sehr geprägt wie die Montanindustrie: Hier spielt der Club Atlético Mineiros, die „Bergarbeiter“. Mineirão, "Bergbau-Stadion", heißt auch das Stadion von Belo Horizonte umgangssprachlich, in dem sechs WM-Spiele ausgetragen werden. Die Provinz Minas Gerais war mal ein wahres Paradies: Ganze 568 bedrohte Tier- und Pflanzenarten zählt der WWF hier. In Campos Rupestres leben etwa zwei Drittel von ihnen: Baumfrösche, Ameisenbären, Ozelote und Hirsche sowie zahlreiche Vogel- und Amphibienarten.

Der Bergbau hat in Belo Horizonte deutliche Spuren hinterlassen. © Roberto Maldonado / WWF
Der Bergbau hat in Belo Horizonte deutliche Spuren hinterlassen. © Roberto Maldonado / WWF

Unter der Erde von Belo Horizonte, dem schönen Horizont, schlummerten viele Jahre gewaltige Bodenschätze. Erst kam der Goldrausch, später wurden Diamanten entdeckt, schließlich Kohle und Gas, Kupfer, Bauxit, Metalle und Minerale. Mit der Gewinnung der Bodenschätze kam der Reichtum, gleichzeitig auch die Sklaverei und die Umweltzerstörung.

Wenig übrig vom Paradies

Heute ist es schwer vorstellbar, wie die Provinz Minas Gerais einmal ausgesehen hat, was es für ein Paradies gewesen sein muss. Im Osten erstreckte sich der Atlantische Regenwald, der Mata Atlántica, und im Westen die Cerrado-Savanne. Übrig geblieben ist fast nichts. Aber es gibt noch ein paar Orte, an denen beide Ökoregionen sogar aufeinander treffen. Campos Rupestres, das „steinige Land“, heißt dieses Ökosystem. Etwa 100 Kilometer entfernt von Belo Horizonte befindet sich die Serra do Cipo, ein Nationalpark so groß wie die Stadt selber, ein letzter Fleck der ursprünglichen Natur. Ein Großteil der dort lebenden Arten ist endemisch, das bedeutet, sie leben nirgendwo sonst auf der Welt.

Der WWF zählt ganze 568 bedrohte Tier- und Pflanzenarten für die gesamt Provinz Minas Gerais. In Campos Rupestres leben etwa zwei Drittel von ihnen. Darunter Baumfrösche, Ameisenbären, Ozelote und Hirsche sowie zahlreiche Vogel-, Reptilien- und Amphibienarten.

Ausbeutung der Natur, Ausbeutung der Menschen

Bis heute ist die Ausbeutung der Natur verbunden mit der Ausbeutung der Menschen. Der Bergbau hat tiefe Spuren hinterlassen in Minas Gerais und in Belo Horizonte. Der WWF veröffentlichte einen Bericht, der die sozialen Auswirkungen untersuchte. Bis heute kommt es demnach zu sklavenähnlicher Arbeit in der Montanindustrie. Darüber hinaus konnten Schmuggel und Korruption nachgewiesen werden. Die gesetzliche Wiederaufforstung findet nicht statt, und zahlreiche Unternehmen handeln Bodenschätzen aus illegalen Quellen. Minas Gerais ist gerade aufgrund seiner Kohlevorkommen auch ein wichtiger Standort für die brasilianische Energiegewinnung.

Die deutsche Entwicklungsbank KFW hat dabei geholfen, dass zumindest das Bergarbeiter-Stadion, das Mineirão, ein wenig nachhaltiger und grüner wird. Am Dach wurden Solarmodule mit einer Leistung von 2,6 Millionen Megawatt installiert. Zehn Millionen Euro hat die KFW in die Photovoltaik-Anlage investiert. Die Stromerzeugung aus Sonnenlicht ist in Brasilien bislang nur zu einem geringen Anteil an der gesamten Energieerzeugung beteiligt. So gesehen sind die Solarmodule auf dem Dach des Bergarbeiter-Stadions vor allem ein Symbol und vielleicht das Startsignal für eine sonnigere Energiezukunft des Landes.

Matthias Adler

Interaktive Karte aller Spielorte der Fußball-WM 2014

Wo der Ball läuft, gibt es auch noch ganz andere Geschichten zu erzählen. Hier findet man sie.
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