Piratenfischer: Häfen machen die Schotten dicht

Erstes internationales Abkommen der Hafenstaaten gegen illegale Fischerei tritt in Kraft / WWF: „Wichtiger Schritt und Warnsignal an die schwarzen Schafe der Fischerei“

Es ist die erste rechtlich bindende Vereinbarung gegen illegale Fischerei, die weltweit gilt:  Am 5. Juni tritt das Abkommen über Hafenstaatmaßnahmen (Port State Measurement Agreement/PSMA) der FAO in Kraft.  Das Abkommen soll illegal gefangenen Fisch von Märkten aussperren,  indem es verhindert, dass Fisch aus fragwürdigen Quellen überhaupt in Häfen angelandet wird.  „Gute Kontrolle und Inspektion der Fangschiffe bei Anlandung im Hafen ist bereits die halbe Miete, um illegal gefangenen Fisch in den weltweiten Warenströmen zu vermeiden“, freut sich Catherine Zucco, Fischereiexpertin beim WWF Deutschland, über das Inkrafttreten. „Die Vereinbarung hilft auch, Fisch aus legalem Fang zu verifizieren. Damit werden Fischereien belohnt, die regelkonform arbeiten, weil sie Fisch auf den lukrativen Märkten absetzen können“.  Bislang haben 30 Staaten, darunter  Entwicklungsländer, Industrienationen sowie der Block der EU-Staaten das Abkommen ratifiziert.

 

Bis zu 30 Prozent des weltweit gefangenen Fisches stammen  <link themen-projekte meere-kuesten fischerei illegale-fischerei>IUU-Fischerei (illegale, unregulierte, oder undokumentierte Fischerei). Solche Fänge kosten die legitime Fischereiindustrie  jährlich bis zu 22 Milliarden Euro und treiben die Überfischung der Bestände voran.

 

Deutschland bezieht aus über 90 Staaten Fisch, darunter auch viele mit schwachen Fischereikontrollen oder lückenhafter Rückverfolgung. „Die Lieferketten nach Deutschland umspannen den Globus und führen oft über  mehrere Länder, während der Verarbeitung wird häufig Fisch aus unterschiedlichen Fängen gemischt“, erläutert WWF-Expertin Zucco. Das Risiko, dass IUU-Fisch nach Deutschland oder über Deutschland auf den EU-Markt gelangt, sei aufgrund der komplexen Lieferketten erhöht.  Der Großteil des importierten Fisches wird per Containerschiff in Hamburg, Bremerhaven oder Cuxhaven angelandet. Als eines der Hauptimportländer ist Deutschland laut WWF aufgefordert, sich dafür einzusetzen, dass die Hafenstaatmaßnahmen zügig umgesetzt werden und möglichst viele Länder dem Abkommen beitreten.

 

Hintergrund zum PSMA-Abkommen:

Das PSMA-Abkommen setzt Mindeststandards für die Informationen, die Hafenstaaten von Fangschiffen unter fremder Flagge erhalten, bevor die Schiffe anlanden dürfen. Die lokalen Behörden sind zur Inspektion der Schiffe und ihrer Fänge verpflichtet, beispielsweise über Lizenzen, Logbücher und Fanggerät. Besteht plausibel begründeter Verdacht, dass ein Schiff  in IUU-Fischerei verwickelt ist, muss der Zugang zum Hafen verwehrt werden. Auch Kühl- und Versorgungschiffe, die die Fangschiffe unterstützen, sowie Containerschiffe fallen unter die Regelung.  62 Prozent der weltweiten Fischimporte sowie 49 Prozent der globalen Exporte entfallen laut FAO auf die unterzeichnenden Staaten. Beigetreten sind bisher: Australien, Barbados, Chile, Costa Rica, Cuba, Dominikanische Republik, die  EU, Gabon, Guinea Bissau, Guyana, Island, Mauritius, Mozambique, Myanmar, Neuseeland, Norwegen, Oman, Palau, Saint Kitts and Nevis, Seychellen, Somalia,  Sri Lanka, Sudan,  Südafrika,  Südkorea, Thailand, Tonga, USA, Uruguay und Vanuatu.

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