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Die Zeit ist reif

18. Dezember 2019

Vor Veröffentlichung der BMEL-Ackerbaustrategie: WWF fordert „konkrete Ziele und Maßnahmen statt Lippenbekenntnisse“

Acker © gettyimages 653337554 170667
Acker © gettyimages 653337554 170667

Berlin: Am Donnerstag legt das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL) die im Koalitionsvertrag vereinbarte nationale Ackerbaustrategie vor. „Eine nachhaltigere Bewirtschaftung von Äckern in Deutschland kann und muss einen wichtigen Beitrag für die Biologische Vielfalt, die Bodenfruchtbarkeit und den Klimaschutz leisten. Dieser Zielstellung muss die Ackerbaustrategie des BMEL Rechnung tragen und zugleich Landwirten auf dem Weg in einen nachhaltigeren Ackerbau wirtschaftliche Perspektiven bieten“, so Christoph Heinrich, Vorstand Naturschutz beim WWF Deutschland.

 

Um mehr Biologische Vielfalt, Bodenfruchtbarkeit und Klimaschutz zu erreichen, fordert der WWF klare Vorgaben für die Reduktion von Düngemitteln und Pestiziden sowie kulturartenreichere Fruchtfolgen unter Einbezug von stickstoffbindenden, heimischen Leguminosen. Mehr Vielfalt auf dem Acker ist notwendig, um den Humusaufbau zu fördern und somit Bodenfruchtbarkeit sicherzustellen. „Den Einstieg in einen Systemwechsel auf Deutschlands Äckern gibt es nicht zum Nulltarif, statt weiterer Lippenbekenntnisse zur deutschen Landwirtschaft muss die BMEL-Ackerbaustrategie daher Landwirten mehr finanzielle Unterstützung beim Klima- und Umweltschutz liefern“, unterstreicht Heinrich vom WWF.

 

Landwirtschafts- und Industrieverbände, das Bundesumweltministerium, Bundesbehörden, Bundesforschungsanstalten sowie Umweltverbände haben in den letzten Monaten Vorschläge für eine nachhaltigeren Ackerbau erarbeitet, darunter der WWF. Bereits mit einer Kulturart mehr in der Fruchtfolge zusammen mit 25 Prozent weniger Pflanzenschutzmittel und 15 Prozent weniger Stickstoffdünger lässt sich der Humusgehalt des Bodens um bis zu 300 Kilogramm Kohlenstoff pro Hektar und Jahr erhöhen, so ein Ergebnis der im Herbst veröffentlichten WWF-Ackerbaustudie. Auf die gesamte ackerbaulich genutzte Fläche Deutschlands hochgerechnet ergäbe sich ein CO2-Einsparungspotential von 12,7 Millionen Tonnen. Das entspricht fast einem Fünftel der momentanen Treibhausgasemissionen der deutschen Landwirtschaft. Gleichzeitig lassen sich die Stickstoffüberschüsse jährlich um bis zu 25 Kilogramm pro Hektar senken. Perspektivisch müsste im Ackerbau der Pestizid- und Stickstoffeinsatz weiter deutlich reduziert werden, so der WWF. Außerdem sollten stickstoffbindende Kulturen wie Klee- oder Luzernegras sowie der Anbau von Zwischenfrüchten fester Bestandteil der Fruchtfolge werden. Das geht allerdings mit wirtschaftlichen Einbußen für die Landwirte einher, die es zu kompensieren gilt.

 

Von der Ackerbaustrategie aus dem Bundeslandwirtschaftsministerium erwartet der WWF den „nötigen politischen Willen, nachhaltigeren Ackerbau für Landwirte wirtschaftlich attraktiver zu machen“. „Ökologisch liegen heimische Futtermittel eindeutig vorn, ökonomisch nicht. Der Anbau von Klee- und Luzernegras, Ackerbohne, Lupine und Co. muss gefördert werden“, meint Heinrich. Bis zu 15 Prozent der derzeit bestehenden flächengebundenen EU-Subventionen könnten zum Beispiel zur Förderung umweltfreundlicher Maßnahmen auf dem Acker umgeleitet werden, Deutschland plant derzeit nur mit sechs Prozent. „Das muss mehr werden.“

 

Rund 11,7 Millionen Hektar und damit 32 Prozent der Fläche Deutschlands sind Ackerland. Davon werden rund 90 Prozent konventionell bewirtschaftet. In Deutschland sank die Masse von Fluginsekten wie Hummeln, Bienen oder Faltern in den letzten 30 Jahren um durchschnittlich 76 Prozent. 30 Prozent aller Ackerwildkräuter stehen auf der Roten Liste des Bundesamtes für Naturschutz (BfN). „Der intensive Düngemittel- und Pestizideinsatz verdrängt artenreiche Wiesen und Weiden sowie Äcker mit vielfältigen Fruchtfolgen. Mit ihnen verschwinden Wiesenvögel, Schmetterlinge und Ackerwildkräuter", warnt Christoph Heinrich.

KONTAKT

Wiebke Elbe

Pressestelle WWF 

Tel: 030-311777-219

wiebke.elbe(at)wwf.de

twitter.com/ElbeWWF

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