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Natur als Bollwerk gegen Pandemien

07. April 2020

Umweltzerstörung und Krankheiten: WWF-Analyse warnt vor wachsenden Risiken / WWF-Umfrage in Asien: Deutliche Mehrheit gegen illegalen Wildtierhandel

Schützender Regenwald © Ola Jennersten WWF
Schützender Regenwald © Ola Jennersten WWF

Eine neue WWF-Analyse mit dem Titel „THE LOSS OF NATURE AND RISE OF PANDEMICS“ warnt vor wachsenden globalen Gesundheitsrisiken aufgrund von Umweltzerstörung.  So nimmt laut dem Papier die Gefahr weiterer Zoonosen zu – also von Krankheitserregern, die von Wild- und Haustieren auf Menschen überspringen. Ausbrüche anderer Infektionskrankheiten, wie etwa Malaria, stehen zudem im direkten Zusammenhang mit Waldrodungen. Im schlimmsten Fall sei COVID-19 nur ein Vorgeschmack drauf, was uns drohen könnte, so die Warnung des WWF.

 

„Eine intakte Natur ist ein Bollwerk gegen neue Krankheitserreger und Pandemien und muss endlich als entscheidender Schlüsselfaktor für unsere Gesundheit wahrgenommen werden“, fordert Eberhard Brandes, Vorstand beim WWF Deutschland. „COVID-19 ist eine globale Gesundheitskrise, verbunden mit dramatischen Einschnitten in unserem Alltagsleben. Doch zur bitteren Wahrheit gehört auch: Das ist eine Krise mit Ansage. Seit Jahren warnen Mediziner wie Umweltschützer, dass durch massive Naturzerstörung und den illegalen Wildtierhandel nicht nur die Gesundheit unseres Planeten, sondern auch unsere eigene Gesundheit in Gefahr ist.“

 

Laut WWF zeigen etwa Untersuchungen aus Brasilien einen Zusammenhang zwischen Waldrodungen und der Zunahme von Malaria-Erkrankungen. Eine brasilianische Studie aus dem Jahr 2010 kommt zu dem Ergebnis, dass die Abholzung von vier Prozent eines Waldes mit einer fast 50-prozentigen Zunahme der Malariafälle beim Menschen einher ging. Ähnliches wurde in Afrika beobachtet: Durch den Bau von Staudämmen nahm die Population wandernder Süßwassershrimps drastisch ab. Dies führte dazu, dass sich die Beutetiere der Shrimps, bestimmte Schneckenarten, vermehrten. Die Schnecken wiederum sind Zwischenwirt des Bilharziose-Erregers. In der Folge kam es zu einer Zunahme der Erkrankung beim Menschen. „Die Gesundheit von Menschen, Wildtieren und Umwelt muss konsequent zusammen gedacht werden. Wir müssen unsere Beziehung zur Natur überdenken und korrigieren. Die Zusammenhänge zwischen gesunden, vielfältigen Lebensräumen einerseits und der menschlichen Gesundheit andererseits müssen bei der globalen Gesundheitsvorsorge in den Fokus gestellt werden“, so Brandes.

 

Der WWF-Vorstand fordert daher die Bundesregierung auf, im Sinne der nationale Gesundheitsvorsorge zu handeln. Deutschland müsse sich für einen sofortigen, Stopp der weltweiten Entwaldung und für den Erhalt vitaler, vielfältiger Lebensräume einsetzen. Entsprechende nationale wie europäische Gesetze, allen voran ein Gesetz zu Entwaldungsfreien Lieferketten, müssten nun schnell auf den Weg gebracht werden. Insbesondere Entwicklungs- und Schwellenländern bräuchten technische wie finanzielle Unterstützung, um eine Schließung des illegalen und unregulierten Wildartenhandels und ein effektivere Kontrolle des legalen Handels, etwa mit Wildfleisch, umzusetzen. 

 

Hoffnungsvoll stimmen Brandes die Ergebnisse einer aktuellen WWF-Umfrage aus fünf betroffenen Ländern in Asien, darunter Thailand und Vietnam. Über 90 Prozent der Befragten würden es unterstützen, wenn ihre Regierungen die dortigen Wildtiermärkte schließen. Entsprechende Maßnahmen könnten also vermutlich auf die Unterstützung breiter Mehrheiten in diesen Ländern bauen.  Die repräsentative Umfrage durch GlobeScan im Auftrag des WWF wurde zwischen dem 3. und 11. März in Hong Kong, Japan, Myanmar, Thailand und Vietnam durchgeführt.