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Thunfisch in der Krise

30. April 2020

WWF warnt zum Welt-Thunfisch-Tag vor Überfischungskrise / Dosen-Thunfisch in Corona-Zeiten besonders gefragt

Thunfisch © Green Renaissance WWF UK
Thunfisch © Green Renaissance WWF UK

Leere Regale im Supermarkt, volle Vorratsschränke zuhause – die Deutschen horten in Krisenzeiten nicht nur Klopapier, sondern füllen auch die Konservenvorräte auf. Ein Verkaufsschlager sind Fischkonserven. Im März gingen davon nach Angaben des Fisch-Informationszentrums 46 Prozent mehr über die Ladentheke als im Vorjahresmonat. Ein Großteil dieser Dosen enthält Thunfisch. Doch die beliebte Not-Ressource steckt selbst in der Krise. Global werden ein Drittel der Thunfischbestände überfischt und die Nachfrage wächst stetig. Anlässlich des Welt-Thunfisch-Tages am 2. Mai fordert der WWF drastische Fangmengenreduzierungen, bessere Kontrollen und vor allem mehr Solidarität, um die Überfischungskrise zu beenden.

 

Thunfische sind Globetrotter, schnell schwimmend durchwandern sie in weiten Strecken die internationalen Gewässer. Sie sind eines der global am meisten gehandelten Lebensmittel. Die Regulierung des Thunfischfangs, an dem über 80 Nationen beteiligt sind, wird nach Völkerrecht durch sogenannte Regionale Fischereimanagement-Organisationen (RFMOs) geregelt. Allerdings sind diese oft nicht effektiv. „Die weltweit gefangene Thunfischmenge hat sich seit den 80er Jahren fast verdoppelt. Das bringt viele Bestände in Gefahr“, warnt Catherine Zucco, Fischereiexpertin beim WWF Deutschland.

 

Besonders dramatisch ist die Krise im Indischen Ozean. Von dort stammen auch Produkte in deutschen Supermärkten und Gastronomiebetrieben, zum Beispiel Skipjack, der zu Konserven verarbeitet wird oder auf der Thunfischpizza landet, und Gelbflossenthun, der als Tiefkühl-Thunfischsteak und Sushi angeboten wird. Ein Großteil der industriellen Thunfisch-Fischerei im Indischen Ozean ist im Besitz von Betreibern, die in europäischen und asiatischen Ländern ansässig sind. Gleichzeitig ist der handwerkliche Thunfischfang die Ernährungs- und Einkommensgrundlage für tausende Fischer in den Anrainerstaaten.

Die Tragödie der Allmende: Die beteiligten Nationen können sich seit über einem Jahrzehnt nicht auf Fangrechte und verpflichtende Begrenzungen der Fangmengen einigen. Die EU beharrt auf ihren historischen Fangrechten, während Anrainerstaaten ihre Flotten ausbauen. Fänge werden oft nicht berichtet und illegale Fischerei ist weit verbreitet. Die für Skipjack vereinbarte Fangmenge von rund 470.000 Tonnen wurde im Jahr 2018 um fast 30 Prozent überschritten. Für Gelbflossenthunfisch, dessen Bestand seit 2015 als überfischt gilt, sieht der Wiederaufbauplan reduzierte Fangmengen vor, stattdessen steigt die Fangmenge jedes Jahr an. 

 

„Die gängigen Prinzipien unserer Marktwirtschaft setzen auf Konkurrenz und Wachstum. Jeder versucht das größte Stück vom Kuchen zu bekommen. In Kombination mit mangelnder Regelung und Kontrolle führt das bei einer natürlich nachwachsenden Ressource wie Fisch unweigerlich zur Überfischung, unter der die Bestände kollabieren können. Dann hat nicht nur der Thunfisch verloren, sondern die gesamte Industrie und die Menschen, deren Ernährungssicherheit von ihm abhängt“, mahnt Catherine Zucco.

 

Sie fordert mehr Kooperation zwischen den Staaten: „Solidarität statt Wettbewerb ist das Gebot in der Krise. Staatsvertreter müssen sich endlich auf gerecht aufgeteilte Fangrechte und nachhaltige Fangmengen einigen. Die Fischereibeteiligten müssen sich an die Regeln halten und Daten über Fänge transparent machen. Nur so kann die Überfischung beendet und Thunfisch als wichtige Ernährungs- und Einkommensgrundlage langfristig erhalten bleiben.“

 

Verbraucher in Deutschland sollten beim Kauf von Thunfischprodukten unbedingt auf nachhaltigen Fang achten und Thunfisch aus überfischten Fanggebieten meiden. Bei der richtigen Wahl im Supermarkt hilft der WWF-Fischratgeber.

 

 

Zum Hintergrund: Thunfisch spielt eine wichtige Rolle in einem gesunden Ökosystem im Meer und ist in kommerzieller Hinsicht der wertvollste Fisch der Welt. Die Menge an gefangenem Thunfisch belief sich 2018 auf 5.1 Millionen Tonnen, bestehend aus 58 Prozent Skipjack, 29 Prozent Gelbflossenthunfisch, 8 Prozent Großaugenthunfisch und 4 Prozent Weißem Thun. Blauflossenthunfisch machte 1 Prozent des globalen Fangs aus. Die meisten überfischten Bestände sind Blauflossenthun, Gelbflossenthun und Großaugenthun. Diese Fänge machen 15 Prozent des gesamten Thunfischfangs aus.

KONTAKT

Freya Duncker

Pressestelle WWF

Tel.: 040-530 200 448

freya.duncker@wwf.de