Auf der Suche nach Geisternetzen: ENIGMA-Chiffriermaschine aus dem Zweiten Weltkrieg gefunden

Während einer WWF-Aktion zur Bergung von Geisternetzen in der Ostsee machten Forschungstaucher der Kieler Firma Submaris eine besonders ungewöhnliche Entdeckung. Durch das Absuchen des Meeresbodens mit einem Seitensichtsonar stießen sie auf eine ENIGMA-Chiffriermaschine aus dem Zweiten Weltkrieg, an der sich in ein herrenloses Fischernetz verfangen hatte. Obwohl diese Maschinen damals in sehr hoher Stückzahl produziert wurden, sind sie heute sehr selten und historisch bedeutsam.

Geisternetze sind herrenlose Fischernetze, die eine tödliche Falle für Fische, Meeressäuger und Seevögel darstellen und als Plastikmüll die Meere belasten. Zum umweltverträglichen Aufspüren der Netze setzt der WWF modernste Technik ein. Mit einem Seitensichtsonar wird der Meeresboden nach den Netzen abgesucht und die Verdachtspositionen anschließend von Tauchern begutachtet. Dabei stoßen sie immer wieder auf ungewöhnliche Gegenstände. So war es auch im November in der Geltinger Bucht, wo die ENIGMA-Maschine lag. „Der WWF arbeitet seit vielen Jahren daran, die Ostsee von gefährlichen Geisternetzen zu befreien. Dabei finden wir regelmäßig größere Objekte, an denen sich die Netze unter Wasser verheddern. Solche sogenannten „hook points“ sind häufig Baumstämme oder Steine. Die ENIGMA ist allerdings mit Abstand der historisch spannendste Fund, den wir je hatten“, erzählt Gabriele Dederer, Geisternetz-Referentin beim WWF Deutschland.

Im Jahr 1945 fand in der Geltinger Bucht eine groß angelegte Selbstversenkungsaktion der deutschen Kriegsmarine statt. Sie versenkte dort rund 50 U-Boote, um sie nicht an die Alliierten übergeben zu müssen. „Wir vermuten, dass unsere ENIGMA im Zuge dieses Ereignisses über Bord gegangen ist“, sagt Florian Huber, Unterwasserarchäologe und Taucher im Team von Submaris, das im Auftrag des WWF im Einsatz war und die Chiffriermaschine fand.

In Fällen wie diesem arbeitet der WWF eng mit den Archäologische Landesämtern und dem Munitionsbergungsdienst von Mecklenburg-Vorpommern und Schleswig-Holstein zusammen. „Finden wir historische Objekte, geben wir die Positionen direkt an die Ämter weiter. Diese kümmern sich dann um die weiteren Untersuchungen,“ so Gabriele Dederer. Die mit dem WWF-Sonar generierten Aufnahmen werden in der WWF Geistertaucher-App veröffentlicht. Der WWF hofft auf eine rege Teilnahme der Taucherszene, um Verdachtspositionen, die ein Netz sein können, zu verifizieren. „Sollten dabei weitere archäologische Funde auftauchen, weisen wir auf die gesetzliche Meldepflicht hin, da es sich hierbei um Unterwasserkulturerbe handeln kann“, erklärt Gabriele Dederer. Ein Merkblatt zum richtigen Verhalten bei einem solchen Fund ist in der App zu finden.

Die ENIGMA aus der Geltinger Bucht kommt nun in die Restaurierungswerkstatt des Museums für Archäologie in Schleswig. Dort soll sie weiter untersucht und konserviert werden.

Kontakt

Freya Duncker

Pressesprecherin, Hamburg