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Hilferuf aus dem Meer

08. Juni 2020

Neuer Fischerei-Report der FAO / Überfischung hält an

Fischschwarm vor Bali © Shutterstock / Stubblefield Photography / WWF-Schweden
Fischschwarm vor Bali © Shutterstock / Stubblefield Photography / WWF-Schweden

Seit 2018 ist die Zahl der überfischten Bestände weltweit um ein weiteres Prozent auf 34 Prozent, also auf über ein Drittel, angestiegen. Gleichzeitig erhöhte sich der globale Konsum von Fisch und Meeresfrüchten leicht. Das zeigt der neue Bericht der Welternährungsorganisation FAO „The State of World Fisheries and Aquaculture“, der heute passend zum UN-Welttag der Ozeane vorgestellt wurde. Das gefährliche Zusammenspiel von Überfischung und steigendem Konsum befeuert die voranschreitende Ausbeutung des Meeres. Der WWF fordert wirksame Fischerei-Kontrollen, ein Verbot zerstörerischer Fangpraktiken, nachhaltige Fangmengen und ein ökosystembasiertes Fischereimanagement.

 

Stella Nemecky, Referentin für Fischereipolitik beim WWF Deutschland, erklärt dazu:

„Wir halten seit vielen Jahren mit Volldampf auf die Katastrophe zu. Die Zeit, das Ruder rumzureißen, ist mit Glück noch nicht vorbei – wir müssen jetzt handeln, wenn wir das katastrophale Dreigestirn aus Überfischung, Klimakrise und Verschmutzung der Meere noch vom Himmel holen wollen. Wir brauchen wirksame Fischerei-Kontrollen, die illegale Fischerei unterbinden, nachhaltige Fangmengen, die auf Basis wissenschaftlicher Fangempfehlungen festgesetzt werden und ein ökosystembasiertes Fischereimanagement. Dabei ist die Festsetzung von nachhaltigen Fangmengen auf Basis der wissenschaftlichen Fangempfehlung essenziell. Wir müssen die Chance zur Reform der Fischereikontrolle in der EU dieses Jahr nutzen und die europäische Fischerei-Kontrolle fit für die Zukunft machen.”

 

Seit dem letzten Report vor zwei Jahren gehen die Fischbestände weltweit weiter zurück. Der globale Konsum von Fisch und Meeresfrüchten hat sich von 20,1 kg auf 20,5 kg pro Kopf erhöht. Gleichzeitig stieg der Anteil der überfischten Bestände global von 33,1 auf 34,2 Prozent. Das bedeutet, über ein Drittel aller Fischbestände weltweit sind überfischt, fast 60 Prozent werden bis an ihre biologischen Grenzen befischt. Nur noch 6,2 Prozent der Fischbestände sind nicht bis an die Grenze ihrer Möglichkeiten genutzt.

 

Das Problem der Überfischung findet dabei auch direkt vor unserer Haustür statt. Auch die Brotfische der deutschen Ostseefischerei, wie Hering und Dorsch, werden seit rund zwei Jahrzehnten überfischt. Deutschland und die anderen Ostseeanrainerstaaten müssen endlich die EU-Vorgaben zur nachhaltigen Fischerei einhalten und Fischbeständen Zeit für die Erholung einräumen, damit sich die hiesigen Fischbestände wie Dorsch und Ostsee-Hering endlich erholen können.

 

Das UN-Nachhaltigkeitsziel, die weltweite Überfischung bis 2020 zu beenden, ist nicht mehr erreichbar. Umso wichtiger ist daher, dass ein globales Abkommen zur Beendigung schädlicher Fischereisubventionen noch dieses Jahr auf WTO-Ebene verabschiedet wird. Die Abschaffung dieser Subventionen, die Überkapazitäten in den Fangflotten und damit die globale Überfischung weiter befeuern, ist ebenfalls ein UN-Nachhaltigkeitsziel, das im Jahr 2020 noch erreicht werden kann.

 

Verbrauchern in Deutschland empfiehlt der WWF im Einkaufsratgeber Fisch und Meeresfrüchte, Fisch als Delikatesse zu genießen und generell auf Nachhaltigkeits- und Biosiegel zu setzen. Mittels Ampelsystem zeigt die App auf, welcher Fisch aus nachhaltigen Quellen stammt.

KONTAKT

Freya Duncker

Pressestelle WWF

Tel.: 040-530 200 448

freya.duncker@wwf.de

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