WWF: Auch Deutschland braucht endlich eine Strategie für Kreislaufwirtschaft

Die globale Wirtschaft ist nur zu 8,6 Prozent zirkulär. Diesen stagnierenden Zustand der Kreislaufwirtschaft zeigt der Circularity Gap Report 2021, den Circle Economy am heutigen Dienstag veröffentlicht hat. 
 
Dazu kommentiert Eberhard Brandes, geschäftsführender Vorstand des WWF Deutschland: 
 
„Eine echte Kreislaufwirtschaft bildet den wichtigsten Baustein für eine nachhaltige Wirtschaft in planetaren Grenzen. Der Circularity Gap Report zeigt, wie weit wir noch davon entfernt sind. Unsere lineare Wirtschaft entnimmt dem Planeten Ressourcen, verbraucht sie und wirft sie weg. Dabei entsteht ein großer Teil der klimafeindlichen Treibhausgase, artenreiche Ökosysteme wie tropische Wälder werden zerstört, wertvolle Rohstoffe werden massenhaft verschwendet.  
 
Wenn wir allein nur unsere Klimaziele erreichen wollen, dann müssen wir die Kreislaufwirtschaft stärken und massiv ausbauen. Lösen wir mit der nachhaltigen Kreislaufwirtschaft das lineare Wirtschaften ab, schließen wir auch die Lücke zu unseren Klimazielen und Begrenzen die Erderhitzung. Selbst eine Verdopplung der weltweiten Zirkularität von 8,6 Prozent auf 17 Prozent reicht aus, um den Klimanotstand zu verhindern und die Erderhitzung unter zwei Grad zu begrenzen. Erschreckend ist jedoch, dass dem Gap-Report zufolge kaum ein Land auf dem Weg ist, eine funktionierende Kreislaufwirtschaft einzuführen, auch Deutschland nicht.
 
Deutschland braucht eine ganzheitliche Strategie für Kreislaufwirtschaft – mit einer stimmigen Gesamtvision, verbindlichen Zielen und konkreten Maßnahmen. Der momentane Flickenteppich aus Gesetzen funktioniert nicht, er nimmt immer noch zu sehr die Abfallwirtschaft in den Blick. Kreislaufwirtschaft ist mehr als Abfallmanagement. Deutschland als innovationsstarkes Land verfügt über beste Voraussetzungen, eine echte Kreislaufwirtschaft zu etablieren. Mit seinen hohen Import- und Exportquoten steht es auch in einer besonderen globalen Verantwortung, die Transformation zu einer nachhaltigen Kreislaufwirtschaft zu schaffen.
 
Für eine deutsche Kreislaufwirtschaftsstrategie ist ein ganzheitlicher Ansatz notwendig: von der Rohstofferzeugung, Überlegungen zum Produktdesign, bewussten Konsum, sorgsamen Gebrauch bis hin zur Rückführung von Material am Nutzungsende eines Produkts. Die Grundlage sind konkrete und verbindliche Kreislaufwirtschafts-Ziele, auch um einen planungssicheren Rahmen für Investitionen zu schaffen. So hat sich die Niederlande etwa ein 50-Prozent-Reduktionsziel des Verbrauchs von Primärrohstoffen bis 2030 gesetzt. Weitere wichtige Hebel sind erstens eine Primärrohstoffsteuer, welche den Aufbau von Sekundärrohstoffmärkten fördert. Transparente Produktinformationen verschaffen zweitens Verbraucher:innen Sicherheit darüber, inwieweit ein Produkt langlebig, reparierbar oder recyclingfähig ist. Die öffentliche Hand muss drittens zirkuläre Produkte und Dienstleistungen anhand von verbindlichen Vorgaben bevorzugen. 
 
Die Entwicklung einer echten Kreislaufwirtschaftsstrategie für Deutschland gehört ganz nach oben auf die politische Agenda. Aber auch Unternehmen müssen Verantwortung übernehmen und die Entwicklung einer Kreislaufwirtschaft vorantreiben. Schon aus Eigeninteresse von Unternehmer:innen gehört sie systematisch in das Kerngeschäft integriert, um Geschäftsmodelle zukunftsfähig und in planetaren Grenzen zu gestalten.“
 
Hintergrund 
Die Circle Economy veröffentlicht jährlich die globale Kennzahl für Kreislaufwirtschaft, die den Zustand der Weltwirtschaft misst. Der Gap-Report ergab bereits 2020, dass die globale Wirtschaft nur zu 8,6 Prozent zirkulär ist, zwei Jahre zuvor waren noch 9,1 Prozent. Die Kreislaufwirtschaft ist damit tendenziell rückläufig. Die Initiative bringt sektorübergreifende Interessenvertreter:innen aus Wissenschaft, Wirtschaft, Nichtregierungsorganisationen und Regierungen zusammen, um den Jahresbericht zu erarbeiten und zu bewerten. Der WWF unterstützt die Initiative als Partner.

Kontakt

Julian Philipp

Pressesprecher, Berlin