Berlin/Brüssel, den 14.04.2026: Heute endet die öffentliche Konsultation zur Überprüfung der EU-Wasserrahmenrichtlinie (WRRL). Es drohen massive, industriegetriebene Aufweichungen beim europäischen Gewässerschutz. Dazu sagt WWF-Gewässerschutzexperte Dr. Ruben van Treeck:
„Die EU-Kommission bläst zum Angriff auf die Wasserrahmenrichtlinie (WRRL), dem Herzstück des europäischen Gewässer- und Wasserschutzes. Die Richtlinie schützt unsere wertvollen Süßwasserökosysteme, die Leistungen wie Trink- und Abwasseraufbereitung, Brauchwasser und Bewässerung, Klimaschutz und Erholung kostenlos und für alle Mitmenschen bereitstellen. Es ist grob fahrlässig, auf Druck von Bergbau-, Chemie- oder Pharmaunternehmen die WRRL aufzuweichen, damit mehr gewässerschädliche Projekte genehmigt und mehr industriebedingte Schadstoffe in unsere Gewässer eingeleitet werden dürfen. Es droht der Rückfall ins vergangene Jahrhundert, zurück zu schwer belasteten und ökologisch todkranken Flüssen.
Die WRRL ist Grundlage für eine nachhaltige Wasserwirtschaft. Sie dient dem Schutz und der Zustandsverbesserung der ober- und unterirdischen Gewässer und deren nachhaltiger Nutzung. Das ist auch weiter bitter nötig: Wasserstress betrifft derzeit 30 Prozent der Fläche Europas und 34 Prozent der Bevölkerung. Nur 37 Prozent der Oberflächengewässer Europas sind in einem guten ökologischen Zustand.
Der WWF fordert die EU-Kommission auf, die Wasserrahmenrichtlinie als starkes Instrument für den europäischen Gewässerschutz unverändert zu bewahren. Den kurzfristigen Interessen einzelner Industrieunternehmen stehen weitaus größere dauerhafte ökologische wie wirtschaftliche Verluste gegenüber. Der wirtschaftliche Wert von Europas Wasser- und Süßwasserökosystemen wird auf über 11 Billionen Euro geschätzt, etwa dem 2,3-Fachen des Bruttoinlandsprodukts Deutschlands. Diese Werte gilt es in Zeiten von zunehmenden Klimakrisen und Wasserstress zu erhalten, nicht zu opfern.“