Als Tiger-Pate freuen Sie sich genauso sehr wie ich über die wachsende Anzahl der Samtpfoten. Doch auch die Anzahl an Menschen und den damit einhergehenden Siedlungen, landwirtschaftlichen Flächen und Ähnlichem, nimmt zu – das Königreich des Königs der Tiere droht zu schrumpfen und muss geschützt und bewahrt werden. Weniger Lebensraum bedeutet auch, dass die Wahrscheinlichkeit wächst, dass sich die Wege zwischen Mensch und Wildtier kreuzen. Leider mit zum Teil tödlichem Ausgang – für Mensch und Tier.

Lösungen müssen her! Maßgeschneidert, auf die Situation von Mensch und Tier abgestimmt und gemeinsam mit den Menschen vor Ort umgesetzt.

Wie das beispielsweise aussehen kann, zeigt Ihnen diese tolle Tiger-Rettungsaktion in Indien.

Die Tiger-Eingreiftruppe – echte Tiger-Retter

Seit vielen Jahren arbeitet der WWF in Nepal und Indien mit der Regierung und den lokalen Gemeinden vor Ort an der Vermeidung von Konflikten.

Zu den Maßnahmen gehören sogenannte Tiger-Eingreiftruppen, die sofort vor Ort sind, wenn es zu Problemen kommt, oder ein Tiger sich auffällig verhält. Dann zählt Teamwork: Vor Ort wird der Tiger aufgespürt, betäubt und mit Hilfe eines Käfigwagens in einen sicheren Tigerlebensraum transportiert. Dort wird er wieder in die Freiheit entlassen.

Tiger vor der Haustür!

Wilder Tiger in Kanha, Indien © Joseph Vattakaven / WWF
Wilder Tiger in Kanha, Indien © Joseph Vattakaven / WWF

Mitte Juni 2021 fand ein solcher Einsatz der Tiger-Eingreiftruppe im indischen Dorf Motihari statt: Kurz nachdem das Dorf die Truppe um Hilfe gerufen hatte, waren sie schon mit Käfigwagen und Betäubungsmitteln zur Stelle.

Ein Tigermännchen war in Dorfnähe entdeckt worden. Die Bewohner:innen des Dorfes, das etwa 100 Kilometer vom Tigerreservat Valmiki entfernt liegt, trauten sich nicht mehr auf die Felder zum Ackerbau.

Mit vereinten Kräften für Tiger und Dorfbewohner:innen

Trotz anhaltender Regenfälle versammelten sich mehr als 1.000 Menschen, darunter auch Kinder. Einige davon kletterten auf Bäume, um den Tiger zu beobachten und die mobile Tigerschutz-Truppe zu sehen.

Am Ende waren insgesamt 40 Menschen daran beteiligt, den Tiger sicher einzufangen: Ranger:innen, Vertreter:innen der Forstbehörde, Helfer:innen aus lokalen Gemeinden und anderen Organisationen, zudem Veterinär:innen und Tiger-Expert:innen des WWF.

Doch das Unterfangen gestaltete sich aufgrund der bereits sehr hoch stehenden Maispflanzen auf den Feldern des Dorfes, wo sich der Tiger aufhielt, schwierig: Zwei Pfeile gingen daneben, und der Tiger wich dem Team immer wieder aus. Nach einiger Zeit zog die Tiger-Eingreiftruppe ab, denn der Tiger war verschwunden.

Dem Tiger auf der Spur

Tiger-Spur im Schlamm © Kamlesh K. Maurya / WWF Indien
Tiger-Spur im Schlamm © Kamlesh K. Maurya / WWF Indien

Zwei Tage später entdeckten Bewohner:innen eines anderen Dorfes nur 15 Kilometer weiter den Tiger. Er versteckte sich im Schilf am Ufer eines Kanals. Bis auf fünf Meter konnte sich die Eingreiftruppe mit dem Käfigwagen vorsichtig dem Tiger nähern. Der zeigte sich unbeeindruckt und ließ sich von den Geräuschen und den Menschen nicht stören.

Für die Expert:innen ein ungewöhnliches Verhalten. In der Regel sind Tiger scheu und meiden den Kontakt zu Menschen, verschwinden schnell, wenn sie bedrängt werden. „Wir hatten Sorge, dass der Tiger seinen Standort erneut ändern und aggressiv auf die Menschen reagieren könnte“, schildert Kamlesh Mauya, Tiger-Experte beim WWF Indien, die Situation. „In diesem Fall wäre es schwer geworden, den Tiger zu retten.“ Die Gefahr wäre groß, dass Menschen dem Tiger auflauern, ihn erschießen, vergiften oder Fallen stellen würden.

Tiger erschöpft – Rettung erfolgreich

Der Verdacht liegt nahe, dass sich der Tiger vor Hunger und Erschöpfung letztendlich den Dörfern näherte und eher ungewöhnlich verhielt. Schließlich verließ der Tiger sein Versteck doch und konnte so mit einem Betäubungspfeil des anwesenden Tierarztes ruhiggestellt werden.

Das Team der Eingreiftruppe verlud den betäubten Tiger in den Käfigwagen und brachte ihn tief ins Valmiki-Tigerschutzgebiet.

„Geht es Ihnen mit dem Video wie mir? Ich habe Freudentränen und Gänsehaut beim Anblick seines kraftvollen Sprungs in die Freiheit – und in ein hoffentlich noch langes Leben. Jeder verhinderte Mensch-Tiger-Konflikt ist eine Rettung für beide – Mensch und Tiger. Dank Ihrer Tiger-Patenschaft setzen wir uns weiterhin auch dafür ein – denn jeder Tiger ist wertvoll!“

Melissa Friebe | Patenbetreuung

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