Um die Natur nachhaltig schützen zu können, müssen Naturschützer erst einmal Inventur machen. Leichter gesagt als getan in einem gigantischen Regenwald.

2016 übernahm der WWF das Co-Management des Parks, zusammen mit der kongolesischen Naturschutzbehörde ICCN. Wissend um die Herausforderung seiner Mission und mit dem nötigen Respekt vor der Größe der Aufgabe. Aber es geht schließlich um etwas, um den Erhalt des größten Tropenwaldparks Afrikas. Eine große Chance, vielleicht sogar eine Pflicht für eine Natur- und Umweltschutzorganisation wie den WWF.

Eine der ersten Herausforderungen: Ein Biomonitoring durchzuführen. Systematisch zählen und feststellen, was an Pflanzen und Tieren überhaupt da ist – noch da ist. Das kennen Biologen, sie tun das überall auf der Welt. Aber in Salonga? In zehntausenden Quadratkilometern unwegsamen Regenwaldes mit wenig bis gar keiner Infrastruktur? Aber ja.

Lage des Salonga-Nationalparks © WWF
Lage des Salonga-Nationalparks © WWF

Es musste getan werden. Und natürlich lag auch darin eine Chance. Nicht nur die Chance, wertvolle Daten zu sammeln, sondern auch der Bevölkerung, den Ecoguards und dem Rest der Welt zu zeigen, welchen enormen Wert Salonga hat. Zu zeigen, dass es voran geht mit Salonga, dass die Zeiten der lähmenden Agonie vorbei sind. Dass es sich lohnt, zusammenzuarbeiten. Und dass der Park auch Jobs und Fortschritt bringen kann.

Es war ein gigantischer Aufwand. 700 Bewohner der umliegenden Dörfer, fast 100 Ranger und Dutzende Botaniker, Biologen, Techniker machten sich an die Arbeit. Liefen durch den Wald, erfassten, werteten wissenschaftlich aus. Hunderte von Kamerafallen und anderes Material mussten erst einmal nach Salonga transportiert werden, schon das war eine logistische Leistung. Ihr Aufhängen und Auswerten, über Wochen und Monate im tiefsten Regenwald und dann am Computer, eine nicht hoch genug einzuschätzende Großtat der Naturforschung.

Ranger vermessen den Wald in Salonga © Thomas Nicolon / WWF Kongo
Ranger vermessen den Wald in Salonga © Thomas Nicolon / WWF Kongo

Die tausenden Stunden von Material machen auch Laien klar: Es hatte sich gelohnt. Alleine schon für die faszinierende Großfauna. Die Bonobos mit ihrem erstaunlichen Sozialleben. Da sind die Waldelefanten, Riesenschuppentiere, der im Kongobecken endemische Kongo-Pfau. Zwölf Primaten-Arten und viele andere weniger prominente, vom Aussterben bedrohte Arten.

Es wurden alleine 399 Schmetterlingsarten entdeckt, von denen einige noch immer ihrer Bestimmung harren. Es sind die letzten unberührten Primärwälder des Kongos.

Jetzt gab es endlich ein Inventar der sagenhaften Biodiversität der Regenwälder des Kongos.

Nein, Salonga war noch nicht verloren. Und die Arbeit hatte noch gar nicht wirklich begonnen.

Biomonitoring in Salonga

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  • Frau im Monkoto-Korridor, Salonga © Karine Aigner / WWF-US Salonga – Wald der 1000 Gesichter

    Salonga kennt kaum jemand, doch es ist der größte Tropenwaldpark der Welt – in einem geschundenen Land. Weiterlesen ...

Credits

Verantwortliche Gesamtleitung: WWF/Marco Vollmar & Astrid Deilmann
Idee/Umsetzung/Videoproduktion: WWF/Anne Thoma & Gesa Labahn
Texte: WWF/Oliver Samson
Bildredaktion: WWF/Anja Bertuch und Paul Brandes
Produktionsassistenz: Cedric Longanga & Local WWF/ICCN Office Salonga