Terra Incognita – bis in die zweite Hälfte des 19. Jahrhunderts wusste man in Europa so gut wie nichts über den Kongo, das Herz Afrikas. Dann wurde es auf einer Konferenz in Berlin 1874 dem belgischen König Leopold II. als Privateigentum zugeschanzt – ein Gebiet siebzig Mal so groß wie sein Königreich.

Es war der Startschuss für ein Menschheitsverbrechen, das bis heute kaum bekannt und nicht gesühnt ist.

Bis zum Ende der Kolonialzeit wurde die Bevölkerung brutal halbiert. Ein grausames und unfassbares Blutvergießen, das etwa zehn Millionen Menschen das Leben kostete – und bis heute nachwirkt.

Als die Belgier in den 1960ern endlich vertrieben waren, blieb das Geschachere um den immensen Reichtum an Rohstoffen. Gold, Öl, Kupfer, Coltan. Ausbeutung, Bürgerkrieg und irrsinnige Diktatoren wie Mobutu machten die Demokratische Republik Kongo zum fünftärmsten Land der Welt.

Rund 82 Prozent der Bevölkerung haben heute keinen Zugang zu medizinischer Versorgung, jedes zweite Kind ist unterernährt. Auf dem Demokratieindex steht das Land auf Rang 165 von 167. Die Demokratische Republik Kongo scheint gefangen in einem Dickicht aus Gewalt, Unterentwicklung, ethnischen Konflikten, Korruption. Trotz und gerade wegen der Bodenschätze.

Die Demokratische Republik Kongo scheint gefangen in einem Dickicht aus Gewalt, Unterentwicklung, ethnischen Konflikten, Korruption.

Krisen und Kriege im Kongo

Arbeiter mit Coltan-Säcken © Baz Ratner / picture alliance / Reuters
Arbeiter mit Coltan-Säcken © Baz Ratner / picture alliance / Reuters

Mittendrin arbeiten Naturschützer, die seltene Arten erforschen, einzigartige Biotope schützen und gemeinsam mit der Bevölkerung vor Ort Verbesserungen herbeiführen wollen. So wie die Biologin Gay Reinartz.

Sie hat in Salonga fast alles erlebt, wie sie sagt. Extreme von Grausamkeit und Freundlichkeit, Ausbeutung und Großzügigkeit, Rache und Vergebung. „Wenn Du denkst, Du hast den ‚Null-Punkt‘ gesehen, dann ist er in Salonga immer noch ein Stückchen tiefer. Unvorstellbar.“, sagt die US-Amerikanerin.

Sie gehört zu den wenigen Menschen, die Salonga über einen langen Zeitraum untersucht haben. Seit 20 Jahren forscht die Biologin hier über die Bonobos. Dafür lebt sie wochenlang im Dschungel, erkundet das Leben der Menschenaffen. Sie kennt sich aus wie kaum ein Wissenschaftler. „Salonga ist ein Ort, an dem die modernste Technologie meist eine Machete ist“, sagt sie. „Was wir brauchen, ist Zeit.“

Gay Reinartz im Interview

Janosch Kullenberg

Er gehört zu den Top-Experten der politischen Situation im Kongo. Er promovierte über internationale Schutzmaßnahmen für die Bevölkerung im Kongo.

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  • Frau im Monkoto-Korridor, Salonga © Karine Aigner / WWF-US Salonga – Wald der 1000 Gesichter

    Salonga kennt kaum jemand, doch es ist der größte Tropenwaldpark der Welt – in einem geschundenen Land. Weiterlesen ...

Credits

Verantwortliche Gesamtleitung: WWF/Marco Vollmar & Astrid Deilmann
Idee/Umsetzung/Videoproduktion: WWF/Anne Thoma & Gesa Labahn
Texte: WWF/Oliver Samson
Bildredaktion: WWF/Anja Bertuch und Paul Brandes
Produktionsassistenz: Cedric Longanga & Local WWF/ICCN Office Salonga