Es wissen nur noch die Alten, wie es sich vor der Einrichtung des Nationalparks in Salonga gelebt hat. Wie es in den letzten zehn Jahren war, das können noch viele erzählen. Als die Wilderer das Sagen hatten. Als die Ranger der Regierung sich nicht mehr in Teile des Parks trauten, als es in der gesamten Region zu Mord und Totschlag kam. Bis 2013/2014 sogar die Armee anrückte. Seitdem gilt die Lage als ruhig, für kongolesische Verhältnisse.

Es ist jedenfalls viel friedlicher als in anderen Teilen des riesigen Landes, etwa im Osten. Und auch die Wilderei scheint einigermaßen unter Kontrolle. Worauf die Menschen jetzt warten: dass es endlich besser wird. Ein Krankenhaus, eine Schule und etwas Hoffnung, dass es die Kinder in Zukunft besser haben könnten. Viele setzen ihre Hoffnung auf den WWF, seit die Naturschutzorganisation das Co-Management von Salonga übernommen hat.

Auch dass Konflikte zwischen den Wildhütern der Naturschutzbehörde ICCN und den Menschen am Park gelöst werden. Lange Jahre standen sie sich als Antagonisten gegenüber: Hier die Dorfbewohner, die im Park weiter jagen, fischen, sammeln wollten, um ihre Familien zu ernähren. Ja, und um ihren Lebensunterhalt zu sichern. Was sollten sie sonst tun, wenn es hier schon immer wenige Jobs gab – und nach dem Bürgerkrieg gar keine mehr?

Auf der anderen Seite die Naturschutzbehörde mit ihren Rangern. Ihr Auftrag: Die Menschen möglichst davon abzuhalten, sich aus dem Park zu versorgen. Denn klar ist: Eine uneingeschränkte Nutzung würde den Nationalpark in wenigen Jahren völlig ausplündern. Die Tiere wären weggejagt, die Flüsse leer gefischt. Weil an den Rändern des Nationalparks die Brandrodung immer neue Felder frisst. Weil der kommerziellen Wilderei Tür und Tor geöffnet wären.

Den Konflikt auflösen

Es muss eine der wichtigsten Aufgaben sein, diesen seit Jahrzehnten dauernden Konflikt zu entschärfen. Damit die Anwohner Salongas und die Ranger sich als Partner verstehen, die mit dem Park eine Chance für die Zukunft haben.

Der WWF versucht mit lokalen Partnerorganisationen, die verhärteten Fronten aufzuweichen.

Ranger: Konflikte mit Fischern © Cody Pope / WWF
Ranger: Konflikte mit Fischern © Cody Pope / WWF

Die meisten Ranger in Salonga stammen selbst aus umliegenden Dörfern. Ranger zu werden ist ein angesehener Beruf. Doch das Bildungsniveau ist niedrig. Sie alle bekommen zunächst eine Ausbildung, die regelmäßig wiederholt werden muss: Das Einmaleins der Ecoguards. Auch Konflikttraining und Menschenrechte gehören dazu.

In den Dörfern werden Beschwerdemechanismen aufgebaut. An wen kann ich mich wenden, wenn ich mich bedroht fühle? Das soll Vertrauen bilden, die Angst nehmen.

Vor allem aber brauchen die Menschen eine glaubwürdige Perspektive, dass es besser wird. Trotz allem und Schritt für Schritt.

Affen, Menschen, Realitäten

Ein Leben für die Affen – das stimmt bei Ilka Herbinger. Ist aber doch viel zu kurz gegriffen. Seit vielen Jahren arbeitet die Biologin zu Menschenaffen und lernt dabei zwangsläufig sehr viel über Afrika, die Menschen, die Realität.

„Den Konflikt zwischen den Einwohnern und den Rangern haben wir in Salonga vorgefunden“, sagt sie. Jetzt müsse er gelöst werden. „Wir haben schon große Schritte gemacht mit unseren begrenzten Mitteln“, stellt sie nach den drei Jahren WWF Co-Management in Salonga fest.

Aber der Weg ist natürlich lang. Dafür braucht es Partner, dafür braucht es nicht nur Biologen. Und dafür braucht es Geduld. Salonga stecke in den Kinderschuhen, jetzt müsse der Park erwachsen werden. Um der Rückzugsort der Menschenaffen zu werden, eine Schatzkammer der Biodiversität zu bleiben – und der Entwicklungsmotor, auf dessen Zündung die Menschen so dringend warten.

"Salonga steckt in den Kinderschuhen. Jetzt muss der Park erwachsen werden."

Ilka Herbinger

Credits

Verantwortliche Gesamtleitung: WWF/Marco Vollmar & Astrid Deilmann
Idee/Umsetzung/Videoproduktion: WWF/Anne Thoma & Gesa Labahn
Texte: WWF/Oliver Samson
Bildredaktion: WWF/Anja Bertuch und Paul Brandes
Produktionsassistenz: Cedric Longanga & Local WWF/ICCN Office Salonga