Im Thüringer Wald ist gestern (20.04.2026) ein weiterer Luchs im Rahmen des Projektes „Luchs Thüringen – Europas Luchse vernetzen“ ausgewildert worden. Der Kuder Gabriel erkundete in den Abendstunden nahe Oberhof erstmals seine neue Umgebung. Mit ihm wächst die noch junge Population im Thüringer Wald weiter – ein wichtiger Schritt für die Rückkehr der scheuen Katze nach Thüringen. Aktuell leben im Thüringer Wald mindestens acht selbstständige Luchse.
Gabriel ist ein etwa fünf bis sechs Jahre alter Kuder und stammt aus dem Gebiet Ardeluța (Landkreis Neamț) in den rumänischen Karpaten. Dort konnte er mithilfe einer Lebendfalle gesichert werden und wog zu diesem Zeitpunkt 23,6 Kilogramm. Wie alle Tiere im Projekt wurde er mit einem GPS-Halsbandsender versehen, der wichtige Daten über seine Bewegungen liefert und nach etwa einem Jahr automatisch abfällt. So können die Projektpartner verfolgen, wie sich Gabriel in seinem neuen Lebensraum bewegt und ein Revier etabliert.
Die größte Herausforderung für die Rückkehr des Luchses bleibt die Zerschneidung der Landschaft. Straßen, Siedlungen und intensive Landnutzung erschweren den Austausch zwischen den Populationen. Gerade deshalb kommt dem Thüringer Wald eine Schlüsselrolle zu: Als „Trittstein“ kann das Gebiet die Bestände im Harz und im Bayerischen Wald miteinander vernetzen. Erste Erfolge sind bereits sichtbar – im vergangenen Jahr konnten Zuwanderungen aus dem bayerischen Raum dokumentiert werden.
Das Projekt lebt von der engen Zusammenarbeit zahlreicher Partner – von der Jägerschaft über Forst und Behörden bis hin zu Naturschutzorganisationen. Auch international ist die Kooperation ein zentraler Baustein: Ein Teil der ausgewilderten Tiere stammt als Wildfang aus den rumänischen Karpaten, wo eine der größten Luchspopulationen Europas lebt. Andere Luchse kommen aus Nachzuchten in europäischen Zoos.
Darüber hinaus unterstützt das Projekt in Rumänien auch das Monitoring der dortigen Luchspopulation und trägt so zum Schutz der Art in ihrem Herkunftsgebiet bei.
Mit der Auswilderung von Gabriel setzt das Projekt ein weiteres starkes Zeichen für den Artenschutz in Thüringen und für die Rückkehr einer faszinierenden Tierart, die lange Zeit als verschwunden galt.
Hintergrund
„Luchs Thüringen – Europas Luchse vernetzen“ ist ein Gemeinschaftsprojekt von BUND, WWF, ThüringenForst, dem Wildkatzendorf Hütscheroda, dem Landesjagdverband Thüringen, dem UNESCO-Biosphärenreservat Thüringer Wald, dem Naturpark Thüringer Wald, der Georg-August-Universität Göttingen sowie der rumänischen Projektpartner ACDB und Romsilva. Das Projekt ist Teil des europäischen Luchsexperten-Netzwerks Linking Lynx, das sich dem Erhalt und der Vernetzung der Luchspopulationen Mitteleuropas verschrieben hat. Ziel ist es, durch gezielte Auswilderungen und die Vernetzung bestehender Populationen eine stabile und eigenständige Luchspopulation in Mitteleuropa aufzubauen. Viele der im Thüringer Wald ausgewilderten Luchse stammen aus dem Erhaltungszuchtprogramm der European Association of Zoos and Aquaria (EAZA).
Das Projekt wird im Programm „Förderung von Vorhaben zur Entwicklung von Natur und Landschaft (ENL)“ umgesetzt und Thüringer Ministerium für Umwelt, Energie, Naturschutz und Forsten gefördert. Die Förderung erfolgt aus Mitteln des Freistaats Thüringen sowie aus ENL-Mitteln des Europäischen Landwirtschaftsfonds für die Entwicklung des ländlichen Raums (ELER). Hier investieren Europa und der Freistaat Thüringen in die ländlichen Gebiete.