Mehrweg-Verpackungen © GettyImages

Mehrweg – der Elefant im Raum

Stand: 12.08.2026

Neue Verpackungsregeln treten in Kraft – doch bei der Förderung von Mehrweg bleiben zentrale Potenziale ungenutzt

Passend zum morgigen Welttag des Elefanten treten am 12. August sowohl die EU-Verpackungsverordnung (PPWR) als auch das deutsche Verpackungsrecht-Durchführungsgesetz (VerpackDG) in Kraft. Insbesondere bei letzterem sind aus Sicht des WWF Deutschland zentrale Bestandteile, wie die konsequente Förderung von Mehrweg auf der Strecke geblieben. 

Dabei zeigt die Erfahrung der vergangenen Jahre: Die Mehrwegangebotspflicht für Gastronomie und To-go-Anbieter, die Anfang 2023 eingeführt wurde, hat wichtige Impulse gesetzt. Die tatsächliche Nutzung von Mehrwegverpackungen im Außer-Haus-Konsum bleibt jedoch deutlich hinter den Erwartungen zurück. Die Ursachen dafür sind vor allem struktureller Natur: mangelnde Finanzierung, fehlender politischer Wille sowie Lücken bei Regulierung und Vollzug. 

„Mehrweg ist der Elefant im Raum der Verpackungsdebatte. Wir diskutieren über Recycling und Abfallmanagement, setzen aber zu wenig darauf, Abfälle zu vermeiden bevor sie überhaupt entstehen. So ist derzeit völlig unklar, wie die Bundesregierung die in der EU-Verpackungsverordnung vorgesehenen Reduktionsziele erreichen will. Denn eine zentrale Koordinierungsstelle, die die benötigten Strukturen für eine echte Verpackungswende hätte ausarbeiten und finanzieren sollen, wurde ersatzlos aus dem Verpackungsrecht-Durchführungsgesetz gestrichen“, sagt Laura Griestop, Verpackungsexpertin beim WWF Deutschland. „Wir fordern die Bundesregierung – auch vor dem Hintergrund der ebenfalls morgen in Kraft tretenden EU-Verpackungsverordnung, die eine Förderung von Wiederverwendung und Wiederbefüllung vorsieht – auf, das Verpackungsrecht-Durchführungsgesetz im Rahmen einer zukünftigen Novellierung schnellstmöglich nachzubessern.“ 

Damit Mehrweg vom Nischenangebot zur selbstverständlichen Wahl wird, muss es zudem als Standard angeboten und Einweg nur auf Nachfrage ausgegeben werden. Erkenntnisse aus der Praxis zeigen, dass sich so die Mehrwegquoten deutlich steigern lassen. 

Zugleich sieht der WWF Deutschland Städte und Kommunen mit Unterstützung des Bundes in einer Schlüsselrolle. Denn aktuell wird die Mehrwegangebotspflicht vielerorts kaum kontrolliert, weil Kommunen dafür die notwendigen Ressourcen fehlen. „Gesetze allein reichen nicht. Wer Mehrweg vorschreibt, muss auch sicherstellen, dass die Regeln kontrolliert und umgesetzt werden können“, sagt Laura Griestop.  

Darüber hinaus können Kommunen über Auflagen bei Veranstaltungen, Förderprogramme oder Verpackungssteuern, Mehrweg gezielt fördern und Abfälle reduzieren. „Wir wissen, dass Mehrweg auf Veranstaltungen, wie Konzerten oder einem Marathon, gut funktioniert und umsetzbar ist. Denn nichts landet schneller im Müll als der Einwegbecher auf einer Veranstaltung. Mehrweg sollte hier dringend verpflichtend zum Standard werden - bei Getränken und Speisen. Veranstalter und Kommunen, die hier in eine Vorreiterrolle gegangen sind, haben bereits gezeigt, dass Mehrweg möglich ist und auf große Gästeakzeptanz stößt“, sagt Laura Griestop. 

Hintergrund

Nach drei Jahren endete im Dezember 2025 die Umsetzungsallianz mehrweg.einfach.machen, einem Bündnis aus WWF Deutschland, dem Mehrwegverband Deutschland e. V. und ProjectTogether. Anlass der Gründung war die Einführung der Mehrwegangebotspflicht zum 1. Januar 2023 und die Annahme, dass es neben der Pflicht als wichtigen politischen Impuls mehr Initiativen brauche, um tragfähige Mehrwegsysteme im Außer-Haus-Konsum zu etablieren. Mehr Informationen unter: wegweiser-mehrweg.de

Kontakt

Julia Dibiasi

Pressesprecherin

Kreislaufwirtschaft und nachhaltige Finanzen / Berlin


  • Amur-Tiger © Ola Jennersten / WWF Schweden Bedrohte Arten

    Der Rückgang der biologischen Vielfalt wird maßgeblich durch menschliches Handeln verursacht. Der WWF setzt sich weltweit für den Schutz bedrohter Arten ein. Erfahren Sie mehr zum Artenschutz