Niedersachsen feiert den 40. Geburtstag des Nationalparks Wattenmeer. Anlässlich des Festaktes am 6. Februar in Wilhelmshaven gratuliert der WWF Deutschland zu Erfolgen, mahnt jedoch auch gravierende Schwachstellen an. Jannes Fröhlich, Programmleiter Wattenmeer beim WWF Deutschland sagt:
„In der Region ist man zurecht stolz auf das Naturwunder vor der Haustür. Der Nationalpark hat die einzigartige Natur des Wattenmeeres mit ihren Tieren und Pflanzen gestärkt: Die Salzwiesen sind heute oft artenreicher und besser geschützt, viele geschädigte Salzwiesen wurden wiederhergestellt. Es ist eine Erfolgsgeschichte, dass so viele Seehunde und die einst ausgerotteten Kegelrobben wieder zahlreich im Wattenmeer leben. Auch Millionen von Zugvögeln profitieren vom besseren Schutz, wenn sie hier rasten und brüten. Gleichzeitig zieht der Nationalpark Urlaubsgäste in die Region. Die Anerkennung des Gebietes als UNESCO-Weltnaturerbe im Jahr 2009 gilt als ein Meilenstein des Naturschutzes an der Küste.
Doch auf die Erfolge im Wattenmeerschutz legen sich auch dunkle Schatten: Die Unterwasserwelt des Wattenmeers bleibt ein Sorgenkind. Auch nach 40 Jahren Nationalparkstatus fehlen fischereifreie Zonen im Wattenmeer, die die naturschutzrechtlichen und ökologischen Anforderungen für Nationalparke erfüllen. Praktisch überall darf nach Krabben und Muscheln gefischt werden. Das muss sich ändern, denn das Leben am Meeresboden braucht auch Ruhezonen. Besonders die Krabbenfischerei beeinträchtigt die Natur mit ihren Bodenschleppnetzen erheblich.
Gleichzeitig nimmt die industrielle Nutzung des Wattenmeeres und der Nordsee zu. Energiegewinnung und vergrabene Kabeltrassen zu den notwendigen Offshore-Windanlagen stellen eine Gefahr für den Nationalpark dar. Für künftige CCS-Speicherung droht weitere Infrastruktur auf dem Meeresboden verbaut zu werden. Die geplante Gasförderung bei Borkum ergibt klimapolitisch keinen Sinn und gefährdet das sensible Ökosystem Wattenmeer. Die niedersächsische Landesregierung muss sich endlich geschlossen gegen die Gasförderung stellen.
Die Klimakrise bedroht das Ökosystem Wattenmeer sogar in seiner Existenz. Die Erhitzung ist schon da, Sommersturmfluten kommen hinzu. Brut- und Rastvogelbestände leiden darunter besonders, etwa wenn Nester und Jungtiere weggespült werden. Langfristig muss das Wattenmeer möglichst gut mit dem Meer mitwachsen können, um sich an den beschleunigten Meeresspiegelanstieg anzupassen. Auf Dauer müssen wir die Küstenlinie wieder dynamischer denken. Die Lösungen können auch hinter dem Deich liegen, etwa in Form doppelter Deichsysteme oder Tidepolder, in die gezielt wieder Meerwasser hineinlassen wird, so dass sich Sediment ablagert. Auch nach 40 Jahren Nationalpark bleibt viel zu tun. Wir müssen alles geben, um diesen Schatz der Natur zu erhalten und damit auch unsere Lebensgrundlagen zu schützen.”