Paarungszeit sorgt für viele Nachweise – Gute Chancen für Nachwuchs

Anlässlich des Internationalen Tags des Artenschutzes am 3. März berichtet das Projektteam „Luchs Thüringen – Europas Luchse vernetzen“ über erfreuliche Entwicklungen: Die im Rahmen des Projektes ausgewilderten Luchse lassen sich derzeit besonders gut über Fotofallen nachweisen. Ein Grund dafür ist die Paarungszeit der Tiere, die im Februar ihren Höhepunkt erreicht.

Vor allem die Kuder sind in diesen Wochen verstärkt unterwegs und markieren ihre Reviere. Nahe Oehrenstock im Ilm-Kreis konnte der besenderte Luchs Ionel gleich mehrfach dokumentiert werden. In der Nähe von Sachsenbrunn wurde der Kuder Viorel nachgewiesen. Beide Luchse kamen als Wildfänge aus den rumänischen Karpaten nach Thüringen. Auch die Gehegenachzuchten Frieda und Kilian werden regelmäßig per Fotofalle nachgewiesen – beispielsweise bei Oberschönau im Landkreis Schmalkalden-Meiningen.

„Durch den Einsatz der Fotofallen können wir unsere Luchse auch nach Ausfall der Halsbandsender zuverlässig nachweisen“, sagt Dr. Markus Port, Luchsexperte des BUND Thüringen. „Besonders gut gelingt dies während der Paarungszeit, wenn insbesondere die Kuder weite Strecken zurücklegen. Auf den Ausgang der Paarungszeit sind wir sehr gespannt! Wenn es im Frühjahr Nachwuchs gibt, werden wir diesen mit etwas Glück ab dem Spätsommer ebenfalls mit unseren Fotofallen nachweisen können.“

Ein weiteres aktuelles Bild zeigt Luchs Osram im Thüringer Schiefergebirge nahe Lichtentanne. Osram ist ein von den bayerischen Behörden im Sommer 2024 nach Nordbayern umgesiedelter Waisenluchs, der inzwischen in Südthüringen ein eigenes Streifgebiet etabliert hat. Und noch zwei weitere Zuwanderer aus Nordbayern ließen sich in den letzten Monaten nachweisen: Ein Kuder mit der Bezeichnung B5001m, der dem Projektteam bereits seit Herbst 2014 bekannt ist, sowie ein Weibchen mit der Bezeichnung R5010w. Bei R5010w handelt es sich um die Luchsin, die in den vergangenen beiden Jahren südlich von Masserberg Junge zur Welt gebracht hatte. Bisher noch nicht wieder nachweisen ließ sich hingegen eine Luchsin, die im vergangenen Herbst in der Nähe von Ilmenau von einer privaten Fotofalle mit Nachwuchs fotografiert wurde.

Auch im Jahr 2026 sind weitere Auswilderungen geplant. „Auf diese Weise soll das noch kleine Luchsvorkommen im Thüringer Wald auf eine stabile Größe anwachsen“, sagt Dr. Max Boxleitner, Projektleiter beim WWF und ergänzt: „Wo Luchse sind, siedeln sich auch zukünftig Luchse an! Die bereits stattfindenden Zuwanderungen machen dies deutlich und zeigen, dass wir auf einem guten Weg sind, die vielleicht wichtigste Trittsteinpopulation zur Vernetzung der Luchsvorkommen in Deutschland zu schaffen.“

Der Eurasische Luchs gilt in Deutschland laut Roter Liste weiterhin als vom Aussterben bedroht. Bundesweit leben weniger als 200 erwachsene Tiere in voneinander isolierten Populationen. Umso wichtiger sind Projekte wie „Luchs Thüringen – Europas Luchse vernetzen“, die gezielt zur Wiedervernetzung beitragen. Der Luchs steht damit beispielhaft für erfolgreichen Artenschutz in Deutschland: Nur durch grenzübergreifende Zusammenarbeit, langfristige Projekte und gesellschaftliche Akzeptanz kann die Rückkehr bedrohter Arten gelingen. Der Internationale Tag des Artenschutzes macht deutlich, wie wichtig solche gemeinsamen Anstrengungen für den Erhalt der biologischen Vielfalt sind.

 

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Copyright: Luchs Thüringen

 

Über das Projekt
„Luchs Thüringen – Europas Luchse vernetzen“ setzt sich dafür ein, dass der Luchs langfristig in Thüringen heimisch wird und seine Lebensräume europaweit besser vernetzt werden. Neben Forschung und Monitoring setzt das Projekt auf Aufklärung, Dialog und Umweltbildung – denn nur wenn Menschen den Luchs kennen, verstehen sie seine Bedeutung für stabile Ökosysteme.

Hintergrund
„Luchs Thüringen – Europas Luchse vernetzen“ ist ein Gemeinschaftsprojekt von BUND, WWF, ThüringenForst, dem Wildkatzendorf Hütscheroda, dem Landesjagdverband Thüringen, dem UNESCO-Biosphärenreservat Thüringer Wald, dem Naturpark Thüringer Wald, der Georg-August-Universität Göttingen sowie der rumänischen Projektpartner ACDB und Romsilva. Das Projekt ist Teil des europäischen Luchsexperten-Netzwerks Linking Lynx, das sich dem Erhalt und der Vernetzung der Luchspopulationen Mitteleuropas verschrieben hat. Ziel ist es, durch gezielte Auswilderungen und die Vernetzung bestehender Populationen eine stabile und eigenständige Luchspopulation in Mitteleuropa aufzubauen. Viele der im Thüringer Wald ausgewilderten Luchse stammen aus dem Erhaltungszuchtprogramm der European Association of Zoos and Aquaria (EAZA).

Das Projekt wird im Programm „Förderung von Vorhaben zur Entwicklung von Natur und Landschaft (ENL)“ umgesetzt und vom Thüringer Ministerium für Umwelt, Energie, Naturschutz und Forsten gefördert. Die Förderung erfolgt aus Mitteln des Freistaats Thüringen sowie aus ENL-Mitteln des Europäischen Landwirtschaftsfonds für die Entwicklung des ländlichen Raums (ELER). Hier investieren Europa und der Freistaat Thüringen in die ländlichen Gebiete.

Pressekontakt:

  • Kerstin Neumann | Christina Eberhardt, BUND Thüringen, Presse- und Öffentlichkeitsarbeit, Tel. +49 361 5550314; Mobil: 0176 13338510 oder 0176 13338564, presse(at)bund-thueringen.de
  • Wiebke Elbe, Pressestelle WWF, Tel.: 030-311 777 219, wiebke.elbe@wwf.de
  • Amur-Tiger © Ola Jennersten / WWF Schweden Bedrohte Arten

    Der Rückgang der biologischen Vielfalt wird maßgeblich durch menschliches Handeln verursacht. Der WWF setzt sich weltweit für den Schutz bedrohter Arten ein. Erfahren Sie mehr zum Artenschutz