Brasilien: Unternehmen kündigen Vereinbarung zum Schutz des Amazonas

Berlin, 09.01.2026: Der brasilianische Verband der Pflanzenölindustrie (Abiove) hat diese Woche seinen Austritt aus dem Soja-Moratorium bekanntgegeben. Dabei handelt es sich um eine freiwillige Vereinbarung, die den Handel mit Soja von neu gerodeten Flächen im Amazonas unterbindet. Der Entscheidung vorausgegangen war die Verabschiedung eines Gesetzes im Bundesstaat Mato Grosso, mit dem bisher geltende Steuervergünstigungen für Unterzeichner des Moratoriums abgeschafft wurden. Der WWF kritisiert den Austritt des Verbandes und warnt vor einer Aushöhlung eines der erfolgreichsten Instrumente zum Schutz des Amazonas.

„Der Ausstieg großer Agrarkonzerne wie Cargill oder ADM aus dem Soja-Moratorium markiert einen gefährlichen Wendepunkt im Kampf gegen die Entwaldung und bedroht die großen Fortschritte, die Brasilien in den letzten Jahrzehnten gemacht hat“, kritisiert Ulrike Hardner, Expertin für nachhaltige Landnutzung beim WWF Deutschland. „Die Unternehmen zeigen damit ganz unverhohlen, dass sie Profitgier zur Maxime ihres Handelns machen und jede Form der gesellschaftlichen Verantwortung ablehnen – selbst wenn durch die Zerstörung des Amazonas langfristig auch ihre Geschäftsgrundlage bedroht ist.“

Der WWF warnt, dass die Schwächung des Amazonas-Schutzes den Agrarsektor selbst wachsenden Risiken aussetze, da intakte Wälder entscheidend für Regenzyklen, Wasserverfügbarkeit und Ernteerträge sind. Schon heute kommt es durch zunehmende Entwaldung und Umwandlung von natürlichen Ökosystemen zu signifikanten Rückgängen bei Niederschlägen in wichtigen Sojaanbaugebieten, wodurch die landwirtschaftliche Produktivität gefährdet wird. Eine Störung des sensiblen Gleichgewichts im Amazonas-Gebiet durch den Zusammenbruch der stabilen Regenmuster hätte spürbare Folgen für internationale Nahrungsmittelpreise, Handelsströme und wirtschaftliche Stabilität weit über Brasilien hinaus. Die dadurch drohenden Verluste in Milliardenhöhe übersteigen bei weitem die kurzfristigen Gewinne durch die weitere Expansion der landwirtschaftlichen Flächen.

Auch in Europa sieht der WWF Handlungsbedarf: „Große Teile des in Brasilien produzierten Sojas gehen in Exportmärkte wie die EU, wo es vor allem als Futtermittel in der industriellen Tierhaltung eingesetzt wird. Mit der Schwächung des Soja-Moratoriums riskieren damit künftig auch deutsche und europäische Unternehmen, über ihre Lieferketten mit Regenwaldzerstörung und Menschenrechtsverletzungen in Verbindung gebracht zu werden. Es ist nun wichtiger als jemals zuvor, dass sich die EU auf eine zügige Umsetzung der Waldschutzverordnung EUDR einigt, die dem Import von Gütern aus Waldzerstörung einen Riegel vorschiebt“, fordert Ulrike Hardner.

Über das Soja-Moratorium

Das Amazonas-Soja-Moratorium (ASM) wurde im Jahr 2006 ins Leben gerufen. In einem branchenweiten Bündnis einigten sich Produzenten, Händler, Vertreter der Zivilgesellschaft, Industrie und staatliche Stellen darauf, Soja weder zu handeln noch zu finanzieren, das auf Flächen angebaut wurde, die nach 2008 durch Abholzung im Amazonasgebiet entstanden sind. Obwohl die Anbauflächen massiv ausgeweitet wurden, sank die Entwaldung für Soja im brasilianischen Amazonas zwischen 2009 und 2022 um 69 Prozent – bei gleichzeitig stark wachsender Sojaproduktion. Über 13.000 Quadratkilometer Wald konnten so erhalten werden. Das Moratorium gilt als eines der weltweit erfolgreichsten Maßnahmen zum Schutz des Regenwaldes.

Über die EUDR

Die EU-Verordnung über entwaldungsfreie Produkte (EUDR) ist am 29. Juni 2023 in Kraft getreten. Um Unternehmen ausreichend Vorbereitungszeit zu geben, wurde ihr Geltungsstart bereits zweimal verschoben: Nach aktuellem Stand soll die Verordnung ab dem 30. Dezember 2026 für mittlere und große Unternehmen gelten, für kleine und Kleinstunternehmen ab dem 30. Juni 2027. Ziel der EUDR ist es, die massive weltweite Entwaldung einzudämmen, die durch den Konsum in der EU mitverursacht wird. Die Verordnung verpflichtet Unternehmen nachzuweisen, dass Produkte wie Rind(-fleisch), Kakao, Kaffee, Palmöl, Soja, Holz und Kautschuk nicht zur Waldumwandlung oder Walddegradierung beigetragen haben oder illegal sind.

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Immo Fischer

Pressesprecher

Lateinamerika, Wald & Holz, menschenrechtliche Sorgfaltspflicht / Berlin

  • Amur-Tiger © Ola Jennersten / WWF Schweden Bedrohte Arten

    Der Rückgang der biologischen Vielfalt wird maßgeblich durch menschliches Handeln verursacht. Der WWF setzt sich weltweit für den Schutz bedrohter Arten ein. Erfahren Sie mehr zum Artenschutz