- Aktuell leben knapp 200 Luchse in Deutschland in Revieren im Harz, Ostbayern und dem Pfälzer Wald
- Die kleinen und isolierten Bestände werden durch Wildtierkriminalität zusätzlich gefährdet
- Projekt wildLIFEcrime bekämpft Wildtierkriminalität wie die illegale Tötung von Luchsen
Berlin, den 09.06.2026: Der Luchs, die größte heimische Katze, wurde im 19. Jahrhundert in Deutschland ausgerottet. Heute kehrt er langsam zurück. Doch mit aktuell knapp 200 Luchsen ist er hierzulande nach wie vor sehr rar. Die wenigen Tiere leben vor allem in kleinen Populationen im Harz, in Ostbayern und dem Pfälzer Wald. Immer noch zählt das Überleben jedes einzelnen Luchses und wiegt jeder Verlust schwer für die ganz Art. Auch Wildtierkriminalität setzt den Beständen zu. Darauf weist der WWF anlässlich des Internationalen Tags des Luchses am 11. Juni hin.
Neben Krankheiten und Verkehrsunfällen ist Wildtierkriminalität ein Hindernis für die Rückkehr des Luchses. „Zwischen 2012 und 2023 wurden in Deutschland zwölf Fälle illegal getöteter Luchse bestätigt – rechtskräftig verurteilt wurde bislang niemand. Luchse leben sehr zurückgezogen, sind überwiegend dämmerungs- und nachtaktiv und meiden den Menschen. Illegale Tötungen bleiben daher häufig unentdeckt. Kadaver werden oft nicht gefunden, und Zeugen melden Verdachtsfälle aus Sorge vor persönlichen Konsequenzen nicht“, erläutert Melina Sowah vom WWF die Lage.
Als Partner im Projekt wildLIFEcrime setzt sich der WWF gegen Wildtierkriminalität ein. Durch eine verbesserte Meldung von Wildtierdelikten sollen mehr Fälle aufgeklärt und die Zahl der Straftaten langfristig reduziert werden. Das Projekt umfasst unter anderem ein Meldeportal für Wildtierdelikte, die Verbesserung des Datenaustauschs und der Fallanalyse, den Ausbau forensischer Kapazitäten sowie den Wissensaustausch mit Polizeibehörden und weiteren Fachleuten. Zu den insgesamt 13 Projektpartnern von wildLIFEcrime gehören neben dem WWF Deutschland unter anderem die Universität Bremen, Polizeibehörden aus Bayern, das Leibniz-Institut für Zoo- und Wildtierforschung (IZW) und das österreichische Bundeskriminalamt.
Die bislang wiederangesiedelten deutschen Luchsvorkommen im Bayerischen Wald, im Harz und im Pfälzerwald sind weit voneinander entfernt. Um einer genetischen Verarmung entgegenzuwirken, müssen sich diese Populationen miteinander vernetzen. Dafür werden in geeigneten Gebieten Luchse ausgewildert und sogenannte Trittsteinpopulationen gegründet, etwa in Baden-Württemberg, Thüringen und Sachsen. Bis Juni 2026 waren es 39 Luchse - 20 in Rheinland-Pfalz, sieben in Thüringen, sieben in Sachsen und fünf in Baden-Württemberg.
Der Internationale Tag des Luchses geht auf eine Initiative des WWF und anderer Naturschutzorganisationen zurück. Er wird seit 2018 genutzt, um gemeinsam auf die streng geschützte, größte Katze in Europas Wäldern aufmerksam zu machen.