Abgleich mit WWF-Fischratgeber: Jedes vierte Fischprodukt im Sortiment „grün“, aber fast ebenso viele „rot“ gelistet

Welchen Fisch kann man noch essen? Viele Anbieter bewerben ihr Produkt mit Nachhaltigkeitsversprechen, aber wieviel ökologisch verträglicher Fisch ist im Supermarkt wirklich erhältlich? Der WWF ist der Frage auf den Grund gegangen und hat die Fisch-Sortimente deutscher Supermärkte mit den Empfehlungen des WWF-Fischratgebers abgeglichen. Das Ergebnis der Marktanalyse: Jedes vierte Produkt in den Fischtheken des Lebensmitteleinzelhandels stammt aus grünen Quellen und ist empfehlenswert (27 Prozent). Der Anteil rot gelisteter Seafood-Produkte ist jedoch ähnlich hoch – ein knappes Viertel (22 Prozent) entfällt in die Kategorie „lieber nicht“. Die Hälfte der Produkte ist gelb gelistet, das heißt sie sind aus Nachhaltigkeitsperspektive nur „zweite Wahl“ (51 Prozent). Für die Analyse hat der WWF 1519 Produkte der wichtigsten Lebensmitteleinzelhandels-Ketten erfasst und auf Basis der Verpackungsinformationen bewertet.

„Die Ergebnisse sind ein Blick ins Durchschnittssortiment eines deutschen Supermarkts. Wir sehen eine positive Entwicklung: Es liegen weniger problematische Produkte als früher in den Kühltruhen und Regalen, es sind mehr zertifizierte Fischprodukte verfügbar und viele Händler deklarieren heute vollständiger und transparenter als vor einigen Jahren“, sagt Mark Heuer, Experte für Fischerei und Seafood beim WWF Deutschland. Dieser Fortschritt sei angesichts der Verantwortung erfreulich und nötig. „Der Handel besitzt den größten Hebel, um Veränderungen im Markt zu bewirken. Eine Handvoll Händler entscheidet durch ihr Sortiment, was auf Millionen Tellern landet.“  

Gleichzeitig bleibt viel zu tun, betonen die Umweltschützer, denn noch immer ist Fisch mit schlechter Umweltbilanz auf dem Markt verfügbar. Entweder stammt der Fisch aus überfischten Beständen oder er wird mit umweltbelastenden Fischereimethoden gefangen, die viel Beifang produzieren, seltene Tierarten bedrohen oder Lebensräume am Meeresboden zerstören. Häufig ist das bei Grundschleppnetzen der Fall.

Auffällig ist: Das Seafood-Angebot in deutschen Supermärkten konzentriert sich stark auf wenige Arten. Alaska-Seelachs, Hering, Makrele, Lachs und Garnelen dominieren das Sortiment. Die Chance, ein „grünes Fischprodukt“ zu erwerben, ist je nach Fischart sehr unterschiedlich. In der WWF-Stichprobe stammten Makrelenprodukte zu rund 92 Prozent aus roten Quellen; beim Kabeljau werden rund drei Viertel der verfügbaren Produkte als kritisch eingestuft. Bei Sardelle, Sardinen und Hering stammen jeweils über die Hälfte der Produkte aus grünen Quellen. „Wer häufig zu Fischstäbchen und Schlemmerfilet greift, wird wohl keine kritischen, rot bewertetenProdukte im Einkaufskorb haben. Der dafür verwendete Alaska-Seelachs ist in der Stichprobe ausschließlich gelb oder grün bewertet und damit eine vergleichsweise gute Wahl“, so Heuer. Er wird breit angeboten. Karpfen hingegen, ein Fisch mit einwandfreier Umweltbilanz, dessen Zucht in Deutschland regional tief verankert ist, ist nur mit einem einzigen Produkt in der Stichprobe vertreten.

Was bietet an der vollen Fischtheke Orientierung? Verbreitete Zertifizierungen wie ASC und MSC bieten einen ersten Überblick und sichern Mindeststandards, aber sie reichen allein nicht aus. Der WWF rät Verbrauchern daher zu folgender Faustregel: „Wer sich an glaubwürdigen Zertifizierungen orientiert und gleichzeitig Fisch aus Grundschleppnetzfischerei meidet, trifft eine gute Wahl. Diese Kombination schließt das Gros der rot bewerteten Fischprodukte zuverlässig aus“, rät WWF-Experte Heuer. Wer sich ein genaues Bild verschaffen will, greift zum WWF-Fischratgeber , der als App erhältlich ist.

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Britta König

Pressesprecherin

Meeresschutz und Plastikmüll / Hamburg

  • Amur-Tiger © Ola Jennersten / WWF Schweden Bedrohte Arten

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