Berlin, den 26.06.2026: Zum heute im Bundestag beschlossenen Infrastruktur-Zukunftsgesetz (IZG) sagt Heike Vesper, Vorständin Transformation Politik & Wirtschaft:
„In Deutschland ist die Modernisierung und Sanierung maroder Straßen, Brücken, überlasteter Schienenwege und sanierungsbedürftiger Wasserstraßen von zentraler Bedeutung. Bis 2029 sollen rund 169 Milliarden Euro in die Verkehrsinfrastruktur fließen, um Versäumnisse der Vergangenheit auszugleichen. Doch das heute beschlossene Gesetz legt die Axt an unsere Lebensgrundlagen an: LKW-Parkplätze, 4-spurige Bundesstraßen und der Ausbau von Flughäfen sollen in Zukunft wichtiger sein als die durchs Grundgesetz geschützte Natur.
Fortschritt lässt sich nicht allein in Kilometern Asphalt messen. Er misst sich auch am guten Zustand der Natur, die unsere Lebensgrundlagen sichert. Natur und Klima sind kritische Infrastruktur – wie Strom, Wasser oder Krankenhäuser. Fällt sie aus, fällt alles aus.
Die Bundesregierung verkennt dies: Aus der ursprünglichen Idee des Umweltministers, einen Naturschutzausgleich zu schaffen, ist nach den Verhandlungen der Koalitionspartner wenig geblieben. Offensichtlich scheinen LKW-Stellplätze wichtiger als der Schutz zukünftiger Generationen, denn gesunde Menschen gibt es nur mit einer gesunden Erde.
Mit solch einem Tunnelblick schadet die Bundesregierung dem Land mehr, als dass sie ihm dient.
Ökosystemleistungen sichern eine gute Lebensqualität, den Lebensunterhalt von Milliarden Menschen und ermöglichen das Bestehen ganzer Wirtschaftszweige. Natur stellt Nahrung, sauberes Wasser und Rohstoffe wie Holz bereit. Ökosysteme wie Wälder und Ozeane speichern enorme Mengen an CO2 und sind wichtige Verbündete im Kampf gegen die Klimakrise. Wenn überschüssige CO2-Emissionen nicht mehr in natürliche Kreisläufe zurückgeführt werden können, verbleiben sie in der Atmosphäre und belasten uns alle. Durch den Klimawandel steigen weltweit die Temperaturen. Auch extreme Hitzeperioden nehmen zu. Intakte Natur sorgt auch für saubere Luft, Abkühlung und speichert Wasser.
Intakte Natur reguliert auch Extremwetterereignisse: Feuchtgebiete können Starkregen abfedern, indem sie Wasser zurückhalten, das langsam abfließt oder im Boden versickert. Intakte Wälder nehmen überschüssiges Wasser auf und verhindern so Abflüsse, Erdrutsche und Überschwemmungsschäden. Strukturreiche, naturnahe Wälder sind zudem widerstandsfähiger gegen Dürre oder Schädlingsbefall, die mit der Klimakrise zunehmen.
All diese Umweltleistungen setzt die Bundesregierung aufs Spiel, wenn sie die Natur zum “nice to have” degradiert.
Wir fordern die Bundesländer auf, das IZG jetzt zu stoppen. Gerade sie wissen, wie wichtig eine intakte Natur für die Menschen vor Ort ist. Wir sollten unsere Lebensgrundlagen nicht Betonmischern unterordnen.“