Beschlagnahmtes Tigerfell und andere Felle

Tigerhandel in Südostasien

Stand: 24.06.2026

WWF-Report zeigt große Lücken bei Strafverfolgung auf

In Südostasien ist illegaler Tigerhandel eine anhaltende Bedrohung für wildlebende Tiger. Ein gemeinsamer Report von WWF, GuArdean und TRAFFIC zeigt nun: Die Reaktionen der Strafjustiz fallen sehr unterschiedlich aus und werden der Schwere dieser Verbrechen häufig nicht gerecht. 

„Weltweit gibt es schätzungsweise nur noch 5.600 wilde Tiger. Die majestätischen Großkatzen sind in vielen Teilen Asiens bereits ausgestorben. Wilderei ist neben Lebensraumverlust und Mensch-Tierkonflikten die Hauptbedrohung für das Überleben der Art. Doch die Wilderei und der illegale Handel wird nicht überall gleich geahndet. Man kann die schärfsten Gesetze haben, doch ohne konsequente und wirksame Anwendung bleiben die Risiken für Täter gering und Tiger zahlen weiterhin den Preis“, sagt Katharina Hennemuth, WWF-Expertin für illegalen Wildtierhandel. 

Der Bericht „From Seizure to Sentence: An analysis of tiger crime prosecutions in Southeast Asia“ untersucht Festnahmen, Strafverfolgungen und Strafmaße bei Wilderei und illegalem Handel in sieben Tiger-Verbreitungsstaaten: Kambodscha, Indonesien, Laos, Malaysia, Myanmar, Thailand und Vietnam. Betrachtet wurde der Zeitraum von 2019 bis 2024. Darüber hinaus enthält der Bericht eine detaillierte Analyse indonesischer Gerichtsakten aus den Jahren 2015 bis 2025. Indonesien ist das einzige Land der Studie, in dem öffentlich zugängliche Unterlagen zu verurteilten Fällen vorliegen. Die Erkenntnisse daraus können dazu beitragen, Verbesserungen in der gesamten Region anzustoßen. 

Obwohl Tiger in allen untersuchten Ländern gesetzlich geschützt sind, zeigt der Bericht deutliche Unterschiede in der Strafverfolgung. Oft führen Festnahmen nicht zu einer Anklage, Strafen werden zur Bewährung ausgesetzt oder fallen gering aus. Zudem erschwert der eingeschränkte Zugang zu Gerichtsakten die Bewertung der Verantwortlichkeit innerhalb des Strafjustizsystems. Nur rund 42 Prozent der öffentlich verfügbaren Fälle führten zu Strafen wie Haft oder Geldbußen, während 14 Prozent mit Bewährungsstrafen endeten. 

Der Report hebt hervor, dass transparente Gerichtsverfahren, belastbare Beweise, einschließlich forensischer Analysen, sowie eine enge Zusammenarbeit zwischen Behörden zu wirksameren Ergebnissen in der Strafjustiz beitragen können. Bei den meisten strafrechtlich verfolgten Personen handelt es sich um Täter auf niedriger oder mittlerer Hierarchieebene, etwa Wilderer oder Transporteure. Drahtzieher und Geldgeber wurden nur selten strafrechtlich belangt. Der Report empfiehlt daher, Gesetze zu Finanzkriminalität, organisierter Kriminalität und Korruption stärker zu nutzen, um ganze Schmuggelnetzwerke zu zerschlagen. Diese Instrumente wurden in Verfahren zu Tigerkriminalität bislang nur selten eingesetzt. 

In Südostasien leben nur noch sehr wenige Tiger in freier Wildbahn. In Kambodscha, Laos und Vietnam ist die Art in den vergangenen 25 Jahren sogar ganz aus der Wildnis verschwunden. WWF und TRAFFIC fordern deshalb, dass Wilderei und illegaler Handel konsequent verfolgt werden und die Staaten voneinander lernen. „Auch wenn weiterhin große Herausforderungen bestehen, gibt es in Südostasien bereits starke Beispiele für wirksame Strafverfolgung und angemessene Strafen. Wir hoffen, dass diese Erfolgsgeschichten positive Reformen in den Justizsystemen der Region anstoßen“, sagt Hennemuth. 

Der Report „From Seizure to Sentence“ enthält praxisnahe Empfehlungen für Regierungen und Justizbehörden. Dazu gehören ein verbesserter Zugang zu Gerichtsakten, der Ausbau juristischer Fachkompetenz, eine stärkere Koordination mit anderen Strafverfolgungsbehörden, eine bessere Nutzung forensischer und digitaler Beweise, Verfolgung von Finanzströmen sowie eine breitere Anwendung rechtlicher Instrumente durch Staatsanwaltschaften, um Hintermänner ins Visier zu nehmen. Der Bericht empfiehlt außerdem, alternative Ansätze zu prüfen, wie Entschädigungszahlungen zur Wiedergutmachung der Umweltschäden. 

Doch der illegale Handel mit Tigern und Tigerteilen bleibt nicht auf Asien beschränkt: Laut TRAFFIC wurden seit dem Jahr 2000 in Europa 430 Beschlagnahmungsfälle festgestellt. So wurden etwa Arzneiprodukte der Traditionellen Asiatischen Medizin mit Tigerbestandteilen sowie ganze Felle gehandelt.  
Zur Urlaubszeit warnt der WWF zudem vor Angeboten, bei denen Reisende Tiger oder andere Wildtiere anfassen oder aus nächster Nähe fotografieren können. Solche Attraktionen sind unnatürlich und hochgradig stressig für die Tiere und können illegale Zuchten oder Wildfänge fördern. Auch bei Souvenirs ist Vorsicht geboten, um Wildtieren nicht zu schaden und sich nicht strafbar zu machen. Tipps gibt der kostenlose WWF-Souvenirratgeber.  

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Sylvia Ratzlaff

Pressesprecherin

Partnerschaft mit EDEKA und Netto Marken-Discount sowie Asien und Palmöl / Berlin

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    Der Rückgang der biologischen Vielfalt wird maßgeblich durch menschliches Handeln verursacht. Der WWF setzt sich weltweit für den Schutz bedrohter Arten ein. Erfahren Sie mehr zum Artenschutz

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