Umweltorganisationen fordern Aufstockung des deutschen Beitrags zum neuen Tropenwaldfonds

Berlin, 20.03.2026: Anlässlich des Internationalen Tag des Waldes am Samstag fordert ein Bündnis aus Umweltschutzorganisationen die Bundesregierung auf, sich stärker für den Schutz der Tropenwälder einzusetzen. Campaign for Nature, DUH, OroVerde, Plant-for-the-Planet und der WWF Deutschland mahnen, der deutsche Beitrag zum neuen Tropenwaldfonds TFFF (Tropical Forests Forever Facility) müsse dringend auf mindestens drei Milliarden aufgestockt werden. Die bisher zugesagten eine Milliarde Euro entsprächen gerade einmal dem Betrag, den Schwellenländer wie Indonesien oder Brasilien zugesagt haben und stünde nicht im Verhältnis zur Verantwortung und Wirtschaftskraft Deutschlands.

Den auf der jüngsten Weltklimakonferenz im brasilianischen Belém ins Leben gerufene Tropenwaldfonds bewerten die Organisationen als potenziell wegweisendes Instrument für den globalen Waldschutz. „Der Tropenwaldfonds bietet die große Chance, den Schutz von Regenwäldern erstmals verlässlich wirtschaftlich zu honorieren. Nun geht es darum, den Fonds schnell handlungsfähig zu machen. Dafür müssen wir die Zielmarke von 10 Milliarden Euro Einzahlungen bis Ende des Jahres erreichen. Nur so können bereits zugesagte Beiträge vollständig wirksam werden und zusätzliche private Investitionen mobilisiert werden“, so die Umweltschutzorganisationen.

Der Fonds soll – je nach finaler Ausgestaltung – rund 25 Milliarden US-Dollar an öffentlichen Mitteln nutzen, um ein Vielfaches an privatem Kapital zu mobilisieren und daraus jährlich mehrere Milliarden US-Dollar für Tropenwaldländer zu generieren. Dabei setzt er auf ein einfaches Prinzip: Geld fließt dorthin, wo Wälder tatsächlich erhalten bleiben. Öffentliche Mittel und Investitionen großer Kapitalgeber werden gemeinsam in einem Fonds angelegt. Die Erträge daraus werden regelmäßig an Länder mit tropischen Wäldern ausgezahlt – allerdings nur, wenn sie ihre Wälder wirksam schützen und die Entwaldung niedrig halten oder weiter reduzieren. So entsteht ein finanzieller Anreiz, Wälder zu schützen, statt sie für kurzfristige Gewinne zu zerstören. Die entscheidende Rolle von indigenen und lokalen Gemeinschaften beim Schutz von Wäldern wird berücksichtigt: Mindestens 20 Prozent der Auszahlungen müssen an sie gerichtet sein.

Im Gegensatz zu klassischer Projektförderung, die oft zeitlich begrenzt ist, kann dieses Modell langfristige und planbare Einnahmen für die beteiligten Länder schaffen. Die Höhe der Zahlungen richtet sich unter anderem danach, wie viel intakter Wald erhalten bleibt. Voraussetzung ist die Einhaltung strenger Kriterien, etwa dauerhaft niedrige Entwaldungsraten auf nationaler Ebene und messbare Fortschritte beim Waldschutz. Werden diese Ziele verfehlt, werden die Auszahlungen deutlich gekürzt – zum Beispiel bei Abholzung oder Waldschäden durch Brände.

„Der Tropenwaldfonds hat das Potential, zum weltweit größten Hebel für wirksamen Tropenwaldschutz zu werden. Das kann aber nur gelingen, wenn er jetzt entschlossen und ausreichend finanziert wird.  Bundeskanzler Merz sollte daher den zugesagten ‚namhaften Betrag‘ auch Wirklichkeit werden lassen. Wichtig ist außerdem, dass Deutschlands Beitrag die bereits zugesagten Mitteln für Klima- und Naturschutz nicht ersetzt, sondern ergänzt. Intakte Tropenwälder sind im ureigensten Interesse Deutschlands“, so die Organisationen.

Tropische Wälder sind weit mehr als ferne Ökosysteme – sie speichern enorme Mengen Kohlenstoff, regulieren Niederschläge und wirken als natürliche Klimaanlage unseres Planeten. Geht der Verlust dieser Wälder ungebremst weiter, verschärfen sich Klimarisiken, wirtschaftliche Unsicherheiten und soziale Spannungen – mit spürbaren Folgen auch für Europa, wie ein im Januar veröffentlichter Bericht der britischen Regierung deutlich macht. Trotz zahlreicher Initiativen ist es bislang nicht gelungen, die Entwaldung wirksam zu stoppen: 2025 erreichte die Zerstörung tropischer Wälder erneut ein Rekordniveau.

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Pressesprecher

Lateinamerika, Wald & Holz, menschenrechtliche Sorgfaltspflicht / Berlin

  • Amur-Tiger © Ola Jennersten / WWF Schweden Bedrohte Arten

    Der Rückgang der biologischen Vielfalt wird maßgeblich durch menschliches Handeln verursacht. Der WWF setzt sich weltweit für den Schutz bedrohter Arten ein. Erfahren Sie mehr zum Artenschutz