Die Wärmewende braucht den Gasausstieg

Berlin, 25.3.2026: Mit der Umsetzung der EU-Gasbinnenmarktrichtlinie wird endlich ein Rechtsrahmen zur dringend benötigten Stilllegung von Gasnetzen gesetzt. Dies ist ein wichtiger Schritt in Richtung Klimaneutralität. Darauf weist der WWF anlässlich des Beschlusses des Bundeskabinetts an diesem Mittwoch hin. Das Problem: An anderen Stellen werden gleichzeitig Anreize gesetzt, die Abhängigkeiten und Strukturen von Gas zu festigen, etwa beim Gebäudemodernisierungsgesetz.

„Gas kommt uns teuer zu stehen: über die Folgekosten der Klimakrise, über geopolitisch hochriskante Abhängigkeiten und über die Heizkostenabrechnung. Jeder Euro in Gas fließt ins Ausland und wird nicht hierzulande investiert. Wir müssen schnellstens raus aus der Gas-Falle“, sagt Viviane Raddatz, Klimachefin beim WWF Deutschland. „Wir haben jetzt die Chance und den Auftrag, Zukunftsbranchen aufzubauen und soziale Ungleichheiten etwa bei der Wohnqualität und den Heizkosten auszugleichen. Die heute auf den Weg gebrachte Möglichkeit für Betreiber, Gasnetze stilllegen zu können, ist ein nötiger Schritt dafür. Nur leider kann diese Möglichkeit in der Praxis von geplanten Änderungen am Gebäudemodernisierungsgesetz konterkariert werden.“

Bei der Umsetzung braucht es zudem eine klare Orientierung am übergeordneten Ziel, spätestens 2045 klimaneutral zu sein – dann muss der Gasausstieg vollbracht sein. Es ist wichtig, dass Verbraucher:innen vorab über die Stilllegung vor Ort informiert werden, allerdings sind die vorgesehenen festen zehn Jahre zu pauschal. Die mögliche Verkürzung dieser Frist auf fünf Jahre sollte nicht nur im Fernwärmefall gelten, sondern für alle Arten einer bezahlbaren und sichergestellten Wärmeversorgung. Wichtig ist, einen Anreiz zu setzen, zeitnah auf saubere und oftmals schon günstigere Optionen wie die Wärmepumpe zu wechseln. Generell gilt: Je länger die Stilllegung dauert, desto mehr Emissionen werden freigesetzt, und je weniger Haushalte am Netz sind, desto höhere Kosten tragen diese. Gerade auf vermietete Gebäude sollte ein besonderes Augenmerk gelegt werden.

Aktuell gehen etwa 40 Prozent des Gasverbrauchs in Deutschland zurück auf das Heizen und die Warmwasserversorgung von Haushalten. Der Gebäudesektor läuft auf eine massive Zielverfehlung der Klimaziele hinaus, mit einem Plus von 110 Millionen Tonnen CO2 allein bis 2030. Bis 2040 klafft die Lücke dann noch gewaltiger - besonders, wenn das Gebäudemodernisierungsgesetz so kommt wie aktuell vorgesehen.

WWF-Logo

Kontakt

Lea Vranicar

Pressesprecherin

Klimaschutz und Energiepolitik / Berlin

  • Windkrafträder © Global Warming Images / WWF Weltweit für mehr Klimaschutz

    Dürren, Überflutungen, Stürme: Immer häufiger und heftiger führt die Klimakrise zu Tod und Verwüstung. Mehr zur WWF-Klimaschutzarbeit