Wolfsmanagement muss bundesweit koordiniert und evaluiert werden
Berlin, den 26.03.2026: Der Wolf soll ins Bundesjagdgesetz aufgenommen werden. Der Bundesrat entscheidet am Freitag final über entsprechende Änderungen von Bundesjagd- und Bundesnaturschutzgesetz. Die Zustimmung gilt als wahrscheinlich. Dazu sagt Dr. Sybille Klenzendorf Programmleiterin Wildtiere in Europa beim WWF:
„Mit der Zustimmung zu den vorgelegten Gesetzesänderungen übernehmen die Bundesländer nicht nur politische, sondern auch rechtliche wie prozessuale Verantwortung. Im Fokus sollte der Abschuss von Schadwölfen stehen, die nachweislich für hohe Risszahlen verantwortlich sind. Anlasslose Jagd hingegen kann die Situation verschärfen und die Zahl der Risse sogar erhöhen. Sie würde zudem wertvolle Entnahmekontingente im Konfliktmanagement tatsächlich problematischer Wölfe verbrauchen. Eine klare Konzentration auf auffällige Einzeltiere reduziert zugleich rechtliche Risiken. Denn Deutschland operiert beim Erhaltungszustand auf einer wissenschaftlich unhaltbaren Grundlage und europarechtlich auf sehr dünnem Eis. Mit Blick auf die einzelnen Wolfspopulationen werden wenige Individuen den Unterschied machen.
Die Bundesländer sind außerdem gefordert, ihr Wolfsmanagement länderübergreifend zu koordinieren. Umsetzung und Monitoring sollten bundesweit einheitlich geregelt werden – entweder durch eine Verordnung des Bundes oder durch gemeinsam vereinbarte, verbindliche Leitlinien der Länder. Entscheidend ist dabei Transparenz: Es muss klar nachvollziehbar sein, ob die Maßnahmen tatsächlich zu einem besseren Schutz von Nutztieren führen.
Zudem muss das bestehende Wolfsmonitoring in Deutschland so weiterentwickelt werden, dass Veränderungen der Populationen in den Bundesländern – etwa durch Bejagung – zeitnah erfasst und fortlaufend bewertet werden können. Gleichzeitig müssen Bund und Länder frühzeitig ein gemeinsames Konzept für die im Gesetz vorgesehene Evaluation nach fünf Jahren entwickeln.
Das wirksamste Mittel zur Reduzierung von Nutztierrissen bleibt ein guter Herdenschutz – etwa durch Elektrozäune und Herdenschutzhunde. Doch viele Förderrichtlinien der Bundesländer sind noch immer nicht praxistauglich: Tierhalter außerhalb ausgewiesener Wolfsgebiete gehen oft leer aus, der zusätzliche Arbeitsaufwand wird kaum berücksichtigt und die Förderpauschalen sind vielerorts zu niedrig. Hier müssen die Länder, unterstützt durch den Bund, konkret, unbürokratisch und zügig nachbessern. Andernfalls könnte sich die Lage durch die geplanten Änderungen im Bundesjagdgesetz sogar verschärfen – nämlich, wenn der Abschuss von Leittieren zu instabilen Rudeln führt, und Jungtiere vermehrt auf leichter verfügbare Nutztiere ausweichen. Dafür trägt die Politik die Verantwortung.“