Mit Forstpolitik von gestern werden Wälder zum Brandbeschleuniger von morgen

Die heute vorgestellte Waldzustandserhebung des Bundeslandwirtschaftsministeriums belegt erneut, dass Deutschlands Wälder unter enormem Druck stehen. Peer Cyriacks, Programmleiter Wald beim WWF Deutschland kommentiert:

„Der Waldzustandsbericht kommt zu einem Zeitpunkt, an dem sich die strukturelle Krise unserer Wälder weiter zuspitzt. Während weiterhin nur jeder fünfte Baum in Deutschland gesund ist, fokussiert Minister Rainer einzig auf die Produktion von Holz. Wer den Wald vor allem als Holzacker betrachtet, verkennt seine universelle Bedeutung. Wälder schützen unsere Lebensgrundlagen und sie stehen längst unter massivem Klimastress. Deutschlands Wälder sind überwiegend bewirtschaftete Forste – und genau diese Praxis hat sie anfällig für die Klimakrise gemacht.

Besonders problematisch ist der politische Widerstand der CDU/CSU gegen das EU-Gesetz zur Wiederherstellung der Natur. Diese Blockade ist nicht nur kurzsichtig, sondern klare Klientelpolitik zugunsten einer Forstwirtschaft, die weiterhin zu sehr auf nicht heimische Nadelhölzer wie die Douglasie setzt. Damit werden bekannte Risiken bewusst in Kauf genommen: steigende Anfälligkeit für Dürre, Schädlingsbefall wie den Borkenkäfer und eine zunehmende Waldbrandgefahr.

Die Realität holt uns längst ein. Europa ist der Kontinent, der sich am schnellsten aufheizt. Ungewöhnlich früh im Jahr gab es bereits Waldbrände wie im brandenburgischen Jüterbog und der grenznahen böhmischen Schweiz. Doch Waldbrände beschränken sich nicht mehr auf Truppenübungsplätze und das trockene Ostdeutschland – auch vermeintlich weniger gefährdete Regionen wie Bayern sind betroffen, wie die jüngsten Brände bei Ruhpolding zeigen. Wer jetzt weiter auf alte Bewirtschaftungsmuster setzt, verschärft die Krise, statt sie zu lösen."

 

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