Zahlen bilden nicht das Heute ab

Berlin, 21.5.2026: Die am Donnerstag vorgelegten Zahlen zum Stand der Klimafinanzierung bilden nicht die aktuelle Lage ab. So scheint laut den Daten der Organisation für wirtschaftliche Entwicklung und Zusammenarbeit (OECD) 2023 und 2024 zwar erneut das zunächst lange Jahre verfehlte Ziel erreicht worden sein, wonach die Industriestaaten jährlich 100 Milliarden US-Dollars an Klimafinanzierung bereitstellen sollen. Dies steht jedoch einem drastischen Einbruch an öffentlicher Entwicklungsfinanzierung insgesamt im Folgejahr gegenüber, zu der die öffentliche Klimafinanzierung in der Regel gezählt wird. Diese ist von 2024 auf 2025 um rund 23 Prozent zurückgegangen, was den größten jährlichen Einbruch seit Beginn der Aufzeichnungen darstellt.

„Mittel für Klimaschutz und Klimaanpassung sind eine der besten Geldanlagen, denn sie ersparen uns gewaltige Folgekosten einer nicht ausreichend gebremsten Klimakrise und machen uns resilienter. Leider scheint das noch nicht ausreichend verstanden worden zu sein, sonst würden diese Ausgaben angemessen aufwachsen, statt ständig zur Debatte zu stehen. Und: Wir würden viel schneller die Energiewende vorantreiben. Denn mit jedem Jahr, mit jedem Monat der Verzögerung steigen die Kosten für die nötige Klimaanpassung – in Deutschland wie im Rest der Welt“, kritisiert Viviane Raddatz, Klimachefin vom WWF Deutschland.

Neben dem aktuellen Rückgang an Entwicklungs- und Klimafinanzierung besteht zudem das Problem, dass auch die 100 Milliarden US-Dollar nicht den tatsächlichen Bedarfen entsprechen. Der Adaptation Gap Report 2025 der Vereinten Nationen zeigt zum Beispiel, dass Länder des globalen Südens bis 2035 jährlich bis zu 365 Milliarden US-Dollar für Anpassungsmaßnahmen benötigen. Dem gegenüber standen laut den an diesem Donnerstag veröffentlichten Zahlen lediglich jeweils rund 33 Milliarden US-Dollar in den Jahren 2023 und 2024 an internationaler Finanzierung.

Die Finanzierung müsste aber nicht nur in ihrer Höhe besser an den Bedürfnissen der Länder des Globalen Südens ausgerichtet werden. Es braucht auch einen leichteren Zugang. Öffentliche Mittel dürfen nicht durch Kredite ersetzt werden, da dies die Schuldenkrise weiter zu verschärfen droht. Private Investitionen müssen so gelenkt werden, dass lokale Wirtschaftskreisläufe gestärkt werden.  

Von der Bundesregierung fordert der WWF, im Bundeshaushalt 2027 die Zusage erfüllen, pro Jahr sechs Milliarden Euro für die internationale Klimafinanzierung bereitzustellen – und dafür insbesondere die Kürzungen im Etat des Entwicklungsministeriums zurücknehmen. Bis zur Klimakonferenz COP31 muss Deutschland außerdem klar darlegen, wie ein fairer Anteil am neuen 300 Milliarden-Ziel aussieht, so wie es auch im Koalitionsvertrag angekündigt wurde. Angemessen wäre es, die öffentliche Klimafinanzierung bis 2030 auf mindestens 12 Milliarden Euro jährlich zu erhöhen. Deutschland sollte sich dafür einsetzen, dass das auf der COP30 beschlossene Arbeitsprogramm zur Klimafinanzierung konkrete Umsetzungswege zum 300‑Milliarden-Ziel definiert und zugleich die Perspektive auf das langfristige Ziel von 1,3 Billionen US-Dollar jährlich absichert.

Neue Finanzierungsquellen, die auch die Verursacher stärker in die Pflicht nehmen, stünden zur Verfügung, etwa Abgaben auf Premiumflüge und Privatjets. Zusätzlich braucht es Steuern auf Übergewinne fossiler Konzerne und auf extreme Vermögen. Der Abbau fossiler Subventionen hätte nach internationalen Vereinbarungen schon längst vollzogen sein müssen – hier muss auch Deutschland schnellstmöglich Beschlüsse fassen.  

Zum Hintergrund:

WWF Stellungnahme mit Erwartungen zum zweijährigen Climate Finance Programme vom April 2026: https://unfccc.int/sites/default/files/resource/WWF_1.pdf 

 

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Kontakt

Lea Vranicar

Pressesprecherin

Klimaschutz und Energiepolitik / Berlin

  • Windkrafträder © Global Warming Images / WWF Weltweit für mehr Klimaschutz

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