Chocolate Scorecard 2026 befragt 80 Unternehmen weltweit zu Nachhaltigkeit im Kakaoanbau

  • Halba, Original Beans und Coop landen vorne
  • Rund 38 Prozent der angefragten Unternehmen geben keine Auskunft über ihre Lieferketten

Berlin, den 07.05.2026: Die „Chocolate Scorecard”-Initiative hat in ihrer siebten Ausgabe Halba, Original Beans und Coop als aktuell international nachhaltigste Schokoladenunternehmen ausgezeichnet. Das Schokoladen-Nachhaltigkeitsranking wird veröffentlicht von der Organisation Be Slavery Free – unterstützt vom WWF und anderen zivilgesellschaftlichen Organisationen. Es basiert auf einer weltweiten Befragung von Herstellern und Einzelhandelsunternehmen. 31 von 80 angefragten Unternehmen gaben keine Auskunft – darunter Starbucks, Mondelez, Lidl und REWE.

Die siebte Chocolate Scorecard bewertet die ökologische und soziale Performance in den Bereichen Rückverfolgbarkeit und Transparenz der Lieferkette, existenzsicherndes Einkommen, Kinder- und Zwangsarbeit, Entwaldung, Agroforstwirtschaft und Klima, Pestizide und Geschlechtergerechtigkeit.

Positiv bewertet Kerstin Weber, WWF-Expertin für nachhaltigen Kakaoanbau, dass europäische Unternehmen wie Ritter Sport laut Chocolate Scorecard Fortschritte beim Nachweis entwaldungsfreier Lieferketten machen: „Europäische Unternehmen bereiten sich auf die EU-Waldschutzverordnung vor, sie zeigt bereits jetzt erste Wirkung.“ Die EU-Waldschutzverordnung (EUDR) soll ab Ende 2026 bei bestimmten Agrarrohstoffen wie Kakao durch vollständige Rückverfolgbarkeit bis zur Anbaufläche für entwaldungsfreie Lieferketten sorgen und wird freiwillige Selbstverpflichtungen durch überprüfbare Regeln ersetzen.

Kerstin Weber begrüßt die wachsende Markttransparenz, kritisiert jedoch die geringe Beteiligung des Einzelhandels: Während rund 81 Prozent der angefragten Hersteller an der Bewertung teilnahmen, waren es bei den Einzelhandelsunternehmen nur 31 Prozent. „Bei hohen Schokoladenpreisen greifen viele Menschen zu günstigeren Eigenmarken. Sie müssen nachvollziehen können, welche sozialen und ökologischen Auswirkungen ihre Kaufentscheidung hat. Supermärkte und Discounter tragen mit ihren Eigenmarken Verantwortung, denn sie haben großen Einfluss auf die Bedingungen im Kakaoanbau.“

Weltweit wurden im Kakaojahr, also Oktober bis September, 2024/25 rund 4,7 Millionen Tonnen Kakao erzeugt. Der Kakaoanbau belegte dabei eine Fläche von rund 12 Millionen Hektar, ungefähr ein Drittel der Fläche Deutschlands. Der Großteil der produzierten Tonnen stammt aus Afrika, gefolgt von Südamerika. Immer mehr wertvoller Wald geht aktuell vor allem in Afrika für den Kakaoanbau verloren. Besonders in Liberia und im Kongobecken mit dem zweitgrößten Regenwald der Erde wächst der Entwaldungsdruck.

Kakao gedeiht besonders gut auf frisch gerodeten Waldböden. Aber der Großteil wird in Monokulturen angebaut, die Bodenfruchtbarkeit lässt dort schnell nach. Bei sinkenden Erträgen sind viele Kleinbauern gezwungen, neue Flächen zu erschließen. So verschiebt sich der Anbau immer weiter in unberührte Wälder – ein Muster, das sich seit Jahrzehnten wiederholt. „Agroforstsysteme haben das Potential den Teufelskreis zu durchbrechen“, sagt Kakao-Expertin Weber. „Dort wächst Kakao im Schatten von Bananenbäumen, Edelhölzern oder Palmen, während am Boden Kräuter, Sträucher und andere Pflanzen wie Maniok oder Ananas angebaut werden. Die Pflanzen profitieren voneinander, verbessern den Boden, erhöhen die Produktivität und reduzieren den Einsatz von Pestiziden. Zudem sind Agroforstsysteme widerstandsfähiger gegenüber dem Klimawandel. Durch den Anbau verschiedener Produkte sind Bäuerinnen und Bauern nicht allein von der Kakaoernte abhängig und können weitere Erzeugnisse selbst nutzen oder vermarkten.“ 

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Chocolate Scorecard 2026: Chocolate Scorecard

Die Chocolate Scorecard wird 2026 zum siebten Mal veröffentlicht. Verantwortlich ist die Organisation Be Slavery Free – unterstützt vom WWF und anderen zivilgesellschaftlichen Organisationen. Grundlage ist eine Befragung von Herstellern und Einzelhändlern weltweit. Die siebte Ausgabe von 2026 bewertet 80 Unternehmen der Schokoladenindustrie in den Bereichen Themenfeldern: Rückverfolgbarkeit und Transparenz, existenzsicherndes Einkommen, Kinder- und Zwangsarbeit, Entwaldung, Agroforstwirtschaft und Klima, Pestizide und Geschlechtergerechtigkeit. Die Angaben der Unternehmen werden anhand von unabhängigen Bewerter:innen, darunter Wissenschaftler:innen und NGOs, ausgewertet und in eine fünfstufige Ampelskala überführt: Grün, Gelb, Orange, Rot und Graustufen. So können Verbraucher:innen, Einzelhandel und Politik auf einen Blick erkennen, wer vorangeht, wer aufholt und wer sich einer Bewertung verweigert.

Der WWF setzt sich für einen Kakaoanbau in Südamerika ein, der Wälder schützt und die Biodiversität erhält. In Kolumbien unterstützt er im Rahmen des Projekts "Cocoa for conservation: Strengthening deforestation-free and nature positive supply chains" fünf Kakaokooperativen, die Kakao nachhaltig in Agroforstsystemen anbauen, dabei die Vorgaben der Europäischen Entwaldungsverordnung erfüllen. Die Kooperativen arbeiten in den stark von Entwaldung betroffenen Regionen Caquetá und Guaviare. Das Projekt entwickelt außerdem Prototypen für Indikatoren zur Messung der Auswirkungen des Kakaoanbaus auf die Biodiversität, stärkt agrarökologischen Kakaoanbau durch politische Arbeit und fördert den Austausch zwischen kolumbianischen Kooperativen und europäischen Unternehmen für nachhaltige Kakao-Lieferketten. Das Projekt wird im Auftrag des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) umgesetzt und von der Deutschen Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) GmbH unterstützt.

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Kontakt

Wiebke Elbe

Pressesprecherin

Agrarrohstoffe, Biodiversität und Bergbau / Berlin

  • Amur-Tiger © Ola Jennersten / WWF Schweden Bedrohte Arten

    Der Rückgang der biologischen Vielfalt wird maßgeblich durch menschliches Handeln verursacht. Der WWF setzt sich weltweit für den Schutz bedrohter Arten ein. Erfahren Sie mehr zum Artenschutz