Jedes Jahr brennt der Regenwald im Amazonas-Gebiet. Jedes Jahr wird die Zerstörung für Holz und Viehhaltung größer. Und jedes Jahr erhöht der WWF seine Kräfte, den Wald und seine Bewohner zu schützen. Lesen Sie hier von den neuesten Entwicklungen.

September 2021: Schlimmste Verwüstung seit zehn Jahren

Brennender Wald im Amazonas (Porto Velho) © Andre Dib/WWF-Brazil
Brennender Wald im Amazonas (Porto Velho) © Andre Dib/WWF-Brazil

Die Waldvernichtung im Amazonas bleibt weiter auf Rekordniveau: Innerhalb nur eines Jahres wurden 10.476 Quadratkilometer Wald zerstört – eine Fläche so groß wie die Insel Hawaii. Das belegen aktuelle Daten des vom Forschungszentrum „Imazon“ entwickelten Entwaldungwarnsystems, die im Zeitraum zwischen August 2020 bis Juli 2021 erfasst wurden.  

Die Verwüstung im brasilianischen Amazonasgebiet schreitet damit so schnell voran wie seit zehn Jahren nicht mehr. Im Vergleich zum Vorjahreszeitraum (2019 bis 2020) wurde 57 Prozent mehr Waldfläche zerstört. 

Die Brände im brasilianischen Regenwald sind seit vielen Jahren allgegenwärtig. Eindrucksvoll belegt das eine beispiellose Analyse der Initiative MapBiomas, die Mitte August 2021 veröffentlicht wurde. Den Daten zufolge stand in den vergangenen 36 Jahren etwa ein Fünftel der Landfläche Brasiliens mindestens einmal in Flammen. In jedem dieser 36 Jahre brannte im Durchschnitt eine Fläche größer als England: 150.957 Quadratkilometer. Für den Bericht wertete das MapBiomas Fogo-Tool mehr als 150.000 Satellitenbilder aus, die zwischen den Jahren 1985 und 2020 gemacht wurden.

Paraguay: Riesiger Waldbrand wütet im Nationalpark

Auch aus Paraguay erreichen uns Ende August 2021 drastische Meldungen: Waldbrände wüten im ganzen Land, starke Winde fachen die Feuer immer wieder an und erschweren Löschversuche. Tausende von Hektar geschützter Feuchtgebiete wurden zerstört, die Menschen in Ballungsgebieten leiden unter der vom Rauch verursachten Luftverschmutzung.  

Das Feuer im Nationalpark Cerro Corá konnte zwar nach fünf Tagen gelöscht werden, doch es hinterlässt eine Spur der Vernichtung: Mehr als die Hälfte der 5.000 Hektar großen Parkfläche wurden von dem Feuer verschlungen.

Helfen Sie dem WWF jetzt, den Regenwald im Amazonas zu schützen:

Brände im Pantanal auf Vorjahresniveau

Waldbrand und Gewitter im Pantanal © WWF-Paraguay / Henry Maillet and Jeff Wong
Waldbrand und Gewitter im Pantanal © WWF-Paraguay / Henry Maillet and Jeff Wong

Im Pantanal, dem größten Binnenland-Feuchtgebiet der Erde, das sich auf die Länder Brasilien, Bolivien und Paraguay verteilt, wüten ebenfalls verheerende Brände. Mehr als 2.600 Quadratkilometer Waldfläche wurden bereits zerstört, so aktuelle Daten der Bundesuniversität in Rio de Janeiro. Grund für die verheerenden Brände ist die anhaltende Trockenheit – das vergangene Jahr war eines der trockensten seit 50 Jahren.

Feuchtgebiete gehen dramatisch zurück

Allen Regionen gemein ist die geringe Bodenfeuchtigkeit nach anhaltenden Dürre-Perioden, verursacht durch Umwandlung des Waldes in landwirtschaftliche Flächen mit Hilfe von Brandrodung, den Bau von Dämmen und sich verändernde klimatische Bedingungen. Diese Veränderungen haben das Risiko von extremen Bränden drastisch erhöht.  

Allein Brasilien hat seit Anfang der 1990er Jahre 15,7 Prozent seiner mit Wasser bedeckten Fläche verloren. Auch diese Daten stammen aus der aktuellen Analyse der Satellitenbilder von MapBiomas. Eine Entwicklung, die Sorgen bereitet, denn eigentlich ist der Regenwald im Amazonas ein Feuchtbiom: Von selbst kann er unter normalen Umständen nicht brennen. Trocknet er weiter aus, werden Feuer immer verheerender – ob natürlich entstanden oder das Ergebnis krimineller Handlungen. 

Kipppunkt bald erreicht

Rund 20 Prozent des ursprünglichen Amazonas-Regenwaldes sind bereits zerstört. Wissenschaftler:innen rechnen damit, dass bei einem Anteil von 25 Prozent vernichteten Waldes ein Kipppunkt erreicht wird und sich das ganze Gebiet in eine Steppe verwandelt. Mit Auswirkungen auf den ganzen Planeten in ungeahntem Ausmaß!

Weitere Updates:

Schwerpunkt Amazonas:

Unterstützen Sie den WWF im Kampf um den Amazonas

Der WWF unterstützt die lokale Bevölkerung im Amazonas-Gebiet seit 2007 und konnte 40 Schutzgebiete mit einer Fläche so groß wie Bayern - ca. sieben Millionen Hektar schützen. Dieser Schutzgebietsgürtel steht der größten Entwaldungsfront der Welt gegenüber und schützt auch die indigenen Völker im Amazonas.

Es ist noch viel zu tun: Unterstützen Sie uns weiter bei der Arbeit vor Ort – und erhöhen wir den Druck auf die deutsche Wirtschaft, ihre Lieferketten entwaldungsfrei zu gestalten! Wir brauchen den Amazonas – für den Artenschutz, aber auch um unsere internationalen Klimaziele zu erreichen.

„Im Amazonas breitet sich zunehmend eine Wildwest-Mentalität aus. Wenn wir diesen Wahnsinn nicht bald stoppen und eine Trendumkehr bei der Waldzerstörung erreichen, könnte der Amazonas langfristig verloren gehen und sich in eine Steppe verwandeln. Um das zu verhindern ist auch die internationale Gemeinschaft gefragt. Wir brauchen unbedingt ein starkes Lieferkettengesetz auf EU-Ebene. Unternehmen müssen sicherstellen, dass ihre Lieferketten die Entwaldung nicht befeuern, besonders wenn sie Agrarrohstoffe aus Brasilien importieren.“

Roberto Maldonado, Brasilien-Referent beim WWF Deutschland

So schützen wir den Amazonas langfristig:

  • Wir unterstützen die indigenen Gemeinschaften – besonders in der Corona-Krise – materiell und durch Ausbildung.
  • Wir üben Druck auf die Bundesregierung und die EU aus, um das Freihandelsabkommen Mercosur zwischen der EU und Südamerika nachzuverhandeln.
  • Wir wollen keine Agrarprodukte aus illegal gefälltem Regenwald. Dafür müssen wir Druck auf deutsche Unternehmen ausüben. Sie müssen die Lieferketten überprüfen.
  • In Brasilien und den anderen Amazonas-Anrainerstaaten wie Bolivien und Kolumbien setzen wir uns dafür ein, dass Schutzgebiete und indigene Territorien weiterhin bestehen bleiben.
  • Wir fordern, dass keine umweltrelevanten Gesetze abgeschwächt werden.
Feuer in Bolivien © Suri Rolando Cabrera Barea / WWF Brasilien
Feuer in Bolivien © Suri Rolando Cabrera Barea / WWF Brasilien

Auch in Bolivien ist die Lage dramatisch. Im März und April 2020 wurden im waldreichen Departamentos Santa Cruz mehr als doppelt so viele Feuer gezählt wie 2019. Und internationale Satellitendaten zeigen, dass in ganz Bolivien während der Corona-Epidemie die vernichtenden Feuer weiter zunehmen. Auch in Bolivien hat die Waldvernichtung neben einer sich verstärkenden Trockenheit politische und ökonomische Gründe.

Dabei konnte in den letzten Monaten viel erreicht werden:

  • Parkranger in den Schutzgebieten wurden ausgerüstet.
  • Indigene Gemeinschaften wurden gegen Feuer ausgerüstet und geschult.
  • Über 2.000 indigene Familien wurden mit über 5 Tonnen Nahrung, Wasser und Medizin versorgt.
  • Wasserpumpen wurden repariert und Tanks angeschafft.
  • Ein Zentrum für die Rettung und Versorgung von Tieren erhielt Nahrung, Medikamente und Saatgut.

Doch die Wälder, Menschen und Tiere in Bolivien benötigen weiter unsere Hilfe. Der WWF möchte ein Netzwerk unter Beteiligung aller vor Ort lebenden und arbeitenden Menschen aufbauen, um die Gebiete besser vor Feuer zu schützen. Das Tierrettungszentrum und die indigenen Gemeinschaften müssen weiterhin mit Nahrung und Medikamenten unterstützt werden.

Verbrannter Kaiman © Edmar Pereira Melo / WWF Brasilien
Verbrannter Kaiman © Edmar Pereira Melo / WWF Brasilien

Im kolumbianischen Amazonasgebiet wächst die Entwaldung rasant. Allein von Januar bis Juni 2020 gingen 762 Quadratkilometer Wald verloren, fast so viel wie im ganzen Jahr 2019. Die „Entwaldungsmafia“ nutzt die starke Dürre aus, um Wälder in Brand zu setzen und den Weg für Vieh, Straßen und Koka frei zu machen. Auch der Lockdown während der Corona-Krise brachte keine Verbesserung – im Gegenteil. Besonders tragisch: Auch aus den Schutzgebieten, wie Chiribiquete, dem größten tropischen Nationalpark der Welt, und der Heimat von zum Teil isoliert lebenden Indigenen wird eine Vernichtung von Wäldern gemeldet.

Der WWF hat in Kolumbien bewiesen, dass durch eine Doppelstrategie die Entwaldung effektiv verringert werden kann: Durch die Einrichtung von Schutzgebieten und die Ausrüstung und Ausbildung von Forest Guardians, zum Teil bestehend aus ehemaligen Holzfällern, ging die Entwaldung um 50 Prozent zurück! Wir müssen diese Arbeit fortsetzen. Helfen Sie uns, den Wald zu schützen.

Retten Sie den Amazonas

Der Amazonas-Regenwald beschützt zahlreiche Arten und auch unser Leben. Schützen wir ihn!

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