Jedes Jahr brennt der Regenwald im Amazonas-Gebiet. Jedes Jahr wird die Zerstörung für Holz und Viehhaltung größer. Und jedes Jahr erhöht der WWF seine Kräfte, den Wald und seine Bewohner zu schützen. Lesen Sie hier von den neuesten Entwicklungen:

Juni 2021: Neue dramatische Zahlen aus Brasilien – Jede Minute fast vier Fußballfelder weniger

Brandrodung im Amazonas © Marizilda Cruppe / WWF-UK
Brandrodung im Amazonas © Marizilda Cruppe / WWF-UK

Die Trockenzeit im brasilianischen Regenwald beginnt dramatisch: Im Mai 2021 verzeichnen offizielle Quellen im größten Regenwaldgebiet der Erde insgesamt 1.166 Feuerausbrüche: Eine Zunahme von 44 Prozent im Vergleich zum Vorjahr und die höchste Zahl für den Mai seit 14 Jahren.

Den Bränden fielen 1.180 Quadratkilometer Wald zum Opfer – über 165.000 Fussballfelder. Auch das ist eine massive Zunahme: 83 Prozent mehr als letztes Jahr.

Eigentlich ist der Regenwald im Amazonas ein Feuchtbiom: Von selber kann er unter normalen Umständen nicht brennen. Es ist fast immer das Ergebnis von kriminellen Handlungen, wenn wieder einmal ein wie auf dem Reißbrett abgestecktes Stück Regenwald vernichtet wird.

Die Zunahme der Brände und der Entwaldung sind direkte Folgen der Politik Bolsonaros: Einerseits ruft er indirekt zur Abholzung und zur Vertreibung Indigener auf, andererseits schwächt er die Behörden, die der kriminellen Waldvernichtung etwas entgegensetzen könnten. Trotz der steigenden Anzahl von Bränden werden immer weniger Verfahren eingeleitet: Die Zahl hat sich seit dem Amtsantritt Bolsonaros halbiert.

„Für gewöhnlich nehmen die Brände erst im Laufe des Juni zu und erreichen ihren Höhepunkt dann im August und September. Gleichzeitig ist die abgeholzte Fläche in die Höhe geschnellt. Wir haben es mit zwei Entwicklungen zu tun, die sich gegenseitig anheizen. 2021 droht ein dramatisches Jahr für den Amazonas zu werden.“

Roberto Maldonado, Brasilien-Referent beim WWF Deutschland

Rund 20 Prozent des ursprünglichen Amazonas-Regenwaldes sind bereits zerstört. Wissenschaftler:innen rechnen damit, dass bei einem Anteil von 25 Prozent vernichteten Waldes ein Kipppunkt erreicht wird und sich das ganze Gebiet in eine Steppe verwandelt. Mit Auswirkungen auf den ganzen Planeten in ungeahntem Ausmaß!

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Helfen Sie dem WWF jetzt, den Regenwald im Amazonas zu schützen:

Unterstützen Sie den WWF im Kampf um den Amazonas

Der WWF unterstützt die lokale Bevölkerung im Amazonas-Gebiet seit 2007. Inzwischen umfassen die Vierzig Schutzgebiete eine Fläche so groß wie Bayern - ca. sieben Millionen Hektar. Dieser Schutzgebietsgürtel steht der größten Entwaldungsfront der Welt gegenüber und schützt auch die indigenen Territorien im Amazonas.

Es ist noch viel zu tun: Unterstützen Sie uns weiter bei der Arbeit vor Ort – und erhöhen wir den Druck auf die deutsche Wirtschaft, ihre Lieferketten entwaldungsfrei zu gestalten! Wir brauchen den Amazonas – für den Artenschutz, aber auch um unsere internationalen Klimaziele zu erreichen.

„Im Amazonas breitet sich zunehmend eine Wildwest-Mentalität aus. Wenn wir diesen Wahnsinn nicht bald stoppen und eine Trendumkehr bei der Waldzerstörung erreichen, könnte der Amazonas langfristig verloren gehen und sich in eine Steppe verwandeln. Um das zu verhindern ist auch die internationale Gemeinschaft gefragt. Wir brauchen unbedingt ein starkes Lieferkettengesetz auf EU-Ebene. Unternehmen müssen sicherstellen, dass ihre Lieferketten die Entwaldung nicht befeuern, besonders wenn sie Agrarrohstoffe aus Brasilien importieren.“

Roberto Maldonado, Brasilien-Referent beim WWF Deutschland

So schützen wir den Amazonas langfristig:

  • Wir unterstützen die indigenen Gemeinschaften – besonders in der Corona-Krise – materiell und durch Ausbildung.
  • Wir üben Druck auf die Bundesregierung und die EU aus, um das Freihandelsabkommen Mercosur zwischen der EU und Südamerika nachzuverhandeln.
  • Wir wollen keine Agrarprodukte aus illegal gefälltem Regenwald. Dafür müssen wir Druck auf deutsche Unternehmen ausüben. Sie müssen die Lieferketten überprüfen.
  • In Brasilien und den anderen Amazonas-Anrainerstaaten wie Bolivien und Kolumbien setzen wir uns dafür ein, dass Schutzgebiete und indigene Territorien weiterhin bestehen bleiben.
  • Wir fordern, dass keine umweltrelevanten Gesetze abgeschwächt werden.
Feuer in Bolivien © Suri Rolando Cabrera Barea / WWF Brasilien
Feuer in Bolivien © Suri Rolando Cabrera Barea / WWF Brasilien

Auch in Bolivien ist die Lage dramatisch. Im März und April 2020 wurden im waldreichen Departamentos Santa Cruz mehr als doppelt so viele Feuer gezählt wie 2019. Und internationale Satellitendaten zeigen, dass in ganz Bolivien während der Corona-Epidemie die vernichtenden Feuer weiter zunehmen. Auch in Bolivien hat die Waldvernichtung neben einer sich verstärkenden Trockenheit politische und ökonomische Gründe.

Dabei konnte in den letzten Monaten viel erreicht werden:

  • Parkranger in den Schutzgebieten wurden ausgerüstet.
  • Indigene Gemeinschaften wurden gegen Feuer ausgerüstet und geschult.
  • Über 2.000 indigene Familien wurden mit über 5 Tonnen Nahrung, Wasser und Medizin versorgt.
  • Wasserpumpen wurden repariert und Tanks angeschafft.
  • Ein Zentrum für die Rettung und Versorgung von Tieren erhielt Nahrung, Medikamente und Saatgut.

Doch die Wälder, Menschen und Tiere in Bolivien benötigen weiter unsere Hilfe. Der WWF möchte ein Netzwerk unter Beteiligung aller vor Ort lebenden und arbeitenden Menschen aufbauen, um die Gebiete besser vor Feuer zu schützen. Das Tierrettungszentrum und die indigenen Gemeinschaften müssen weiterhin mit Nahrung und Medikamenten unterstützt werden.

Verbrannter Kaiman © Edmar Pereira Melo / WWF Brasilien
Verbrannter Kaiman © Edmar Pereira Melo / WWF Brasilien

Im kolumbianischen Amazonasgebiet wächst die Entwaldung rasant. Allein von Januar bis Juni 2020 gingen 762 Quadratkilometer Wald verloren, fast so viel wie im ganzen Jahr 2019. Die „Entwaldungsmafia“ nutzt die starke Dürre aus, um Wälder in Brand zu setzen und den Weg für Vieh, Straßen und Koka frei zu machen. Auch der Lockdown während der Corona-Krise brachte keine Verbesserung – im Gegenteil. Besonders tragisch: Auch aus den Schutzgebieten, wie Chiribiquete, dem größten tropischen Nationalpark der Welt, und der Heimat von zum Teil isoliert lebenden Indigenen wird eine Vernichtung von Wäldern gemeldet.

Der WWF hat in Kolumbien bewiesen, dass durch eine Doppelstrategie die Entwaldung effektiv verringert werden kann: Durch die Einrichtung von Schutzgebieten und die Ausrüstung und Ausbildung von Forest Guardians, zum Teil bestehend aus ehemaligen Holzfällern, ging die Entwaldung um 50 Prozent zurück! Wir müssen diese Arbeit fortsetzen. Helfen Sie uns, den Wald zu schützen.

Retten Sie den Amazonas

Der Amazonas-Regenwald beschützt zahlreiche Arten und auch unser Leben. Schützen wir ihn!

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