Circular Economy gilt als zentraler Hebel für Klimaschutz, Ressourcensicherung und wirtschaftliche Resilienz. Dennoch gelingt es vielen Unternehmen nicht, zirkuläre Geschäftsmodelle erfolgreich zu skalieren.

WWF Deutschland entwickelt deshalb gemeinsam mit Quantis ein Projekt, das genau diese Lücke adressiert: Wie lassen sich Circular Economy Aktivitäten wirtschaftlich belastbar bewerten – und besser in unternehmerische Entscheidungen integrieren?

In der Praxis liegt das zentrale Hindernis häufig nicht in fehlenden Lösungen, sondern in der Bewertung: Zirkuläre Geschäftsmodelle werden mit Methoden beurteilt, die ihre tatsächlichen Wertbeiträge – etwa über Lebenszyklen, Risiken oder strategische Vorteile – nur unzureichend abbilden.

Genau hier setzt das Projekt an und Ihre Perspektive ist gefragt. Unternehmen, Beratungen und Forschungseinrichtungen sind eingeladen, ihre Erfahrungen, Fallbeispiele und Einschätzungen einzubringen. Wir suchen konkrete Beispiele aus der Praxis – erfolgreiche, gescheiterte oder noch nicht skalierte Circular Economy Ansätze. Ziel ist es, einen Bewertungsrahmen zu entwickeln, der realen Entscheidungsprozessen standhält.

Warum Circular Economy Projekte heute oft falsch bewertet werden

Unternehmen nutzen etablierte Bewertungs- und Entscheidungslogiken für Investitionen (z. B. Business Cases, Kapitalallokation), die stark auf kurzfristige finanzielle Kennzahlen ausgerichtet sind. Zentrale Werttreiber zirkulärer Geschäftsmodelle bleiben dabei oft unberücksichtigt:

  • Mehrfache Erlöse über den Lebenszyklus
  • Material- und Restwerte
  • Resilienz gegenüber Krisen und Preisvolatilität
  • Strategische Wettbewerbsvorteile
  • Kosten des Nicht-Handelns

Dadurch erscheinen zirkuläre Investitionen oft weniger attraktiv, als sie tatsächlich sind.

Die Bewertungslücke als zentrales Transformationshindernis

Viele Circular-Economy-Projekte bleiben im Pilotstadium, obwohl sie technisch funktionieren und strategisch relevant sind. Der Grund: Zwischen Nachhaltigkeitszielen und Finanzentscheidungen besteht eine strukturelle Lücke. Während Nachhaltigkeitsverantwortliche den langfristigen Nutzen sehen, basieren Investitionsentscheidungen häufig auf Bewertungslogiken, die diese Effekte nicht abbilden.

Das Projekt: Ein neuer Business Case für Circular Economy

Das Projekt entwickelt einen integrierten Bewertungsrahmen, der wirtschaftliche, strategische und ökologische Werttreiber zusammenführt. Im Fokus steht ein integrierter Business Case, der vier zentrale Perspektiven verbindet:

  • Finanzperspektive
    Klassische Kennzahlen werden erweitert um Lebenszyklus-Wertschöpfung, Mehrfach-Cashflows sowie Material- und Restwerte. So wird sichtbar, welchen ökonomischen Wert Produkte und Komponenten über mehrere Nutzungszyklen hinweg generieren – statt nur beim Erstverkauf.
  • Risiko- und Resilienzperspektive
    Neben klassischen Projektrisiken werden auch lineare Risiken berücksichtigt, etwa Rohstoffpreisvolatilität, Lieferkettenabhängigkeiten oder regulatorische Veränderungen. Gleichzeitig werden Resilienzgewinne und die Kosten des Nicht-Handelns systematisch einbezogen.
  • Strategie- und Wettbewerbsperspektive
    Zirkuläre Geschäftsmodelle eröffnen neue Marktchancen, stärken Kundenbindung und ermöglichen Differenzierung. Diese strategischen Effekte – von Marktzugang bis Innovationspotenzial – werden explizit in die Bewertung integriert.
  • Organisations- und Ökosystemperspektive
    Circular Economy erfordert neue Fähigkeiten, Daten und Partnerschaften. Der Ansatz berücksichtigt daher auch organisatorische Voraussetzungen, verfügbare Infrastruktur und die Einbettung in Wertschöpfungsnetzwerke.

Ziel ist ein Ansatz, der in bestehende Investitionsprozesse integrierbar ist – als solide, transparente Bewertungslogik, mit der Finanz- und Nachhaltigkeitsverantwortliche gemeinsam arbeiten können.

Projektpartner und Schritte

Das Projekt ist ein Kooperationsvorhaben von WWF Deutschland und Quantis.

Quantis BCG Logo
Quantis BCG Logo

Quantis ist eine 2006 gegründete, globale Nachhaltigkeitsberatung, die Organisationen dabei unterstützt, ihre Nachhaltigkeitsambitionen in messbaren Unternehmenswert zu übersetzen.

Mit Wurzeln in den Umweltwissenschaften und einem datengetriebenen Ansatz verbindet Quantis fundierte technische Expertise mit strategischem Know-how, um Nachhaltigkeit in die Strategie, die operativen Prozesse und die Unternehmensleistung zu integrieren.

Als branchen- und regionsübergreifend tätiges Unternehmen bietet Quantis Lösungen, die die Profitabilität verbessern, Risiken reduzieren, die Effizienz steigern und Innovation vorantreiben. Als Teil von BCG beschleunigt und skaliert Quantis diese Lösungen über Organisationen und Wertschöpfungsketten hinweg.

Das Vorgehen im Projekt besteht aus fünf Schritten

Mitmachen: Ihre Expertise ist gefragt

Was funktioniert – und was nicht? Teilen Sie Ihre Erfahrung aus der Praxis.

Wir suchen konkrete Beispiele, Erfahrungen und Einschätzungen aus der Praxis, um besser zu verstehen, was Circular Economy wirtschaftlich erfolgreich macht – und wo Hürden liegen.
Ihre Beiträge helfen dabei:

  • erfolgreiche und abgebrochene Ansätze sichtbar zu machen
  • relevante Studien, Analysen und Datenquellen zusammenzuführen
  • Perspektiven aus Unternehmen, Forschung und Praxis zu bündeln
  • den Austausch mit erfahrenen Akteur:innen zu vertiefen

Ob Projektbeispiel, Studie oder persönliche Einschätzung – wir freuen uns über Ihre Hinweise.

Rebecca Tauer © Daniel Seiffert / WWF
Rebecca Tauer © Daniel Seiffert / WWF

Kontakt

Rebecca Tauer

Teamleiterin Circular Economy / Bereich Transformation Politik & Wirtschaft / WWF Deutschland