Der WWF begrüßt die EU-Ratsentscheidung zur Verpackungsordnung. Eine falsche Weichenstellung könnte jedoch Abschmelzen der Abfallberge verhindern

Nach der vorläufigen Einigung vergangene Woche zur EU-Verpackungsverordnung von Parlament und Rat wurde sie heute im EU-Ratsausschuss angenommen. Der WWF reagiert zwiegespalten: „Wichtig ist, dass mit dieser Verordnung ein Anfang gemacht wird mit konkreten europaweit gültigen Vorgaben zu Abfallvermeidung, Verpackungsreduktion, Wiederverwendung, Recyclingfähigkeit und Rezyklateinsatz. Jedoch bleibt fraglich, ob das jetzige Stückwerk der Aufgabe gewachsen ist. Infolge beispielloser Lobbyarbeit wurde die Verordnung in den letzten Monaten immer weiter aufgeweicht. Durch Ausnahmen und Sonderregelungen wird nun der Trend befeuert, Einwegkunststoff durch Einwegpapierverpackungen zu ersetzen, die keineswegs ökologisch vorteilhafter sind. Damit könnte der gesamte EU-Abfallberg sogar ansteigen. Das müssen wir unbedingt verhindern“, so Laura Griestop, Verpackungsexpertin des WWF.  

Wie stark die Verschiebungseffekte von Plastikverpackungen zu Papierverbundmaterialien sind, zeigt eine aktuell vom WWF veröffentlichte Marktanalyse, die untersucht, wie sich ein Jahr Mehrwegangebotspflicht in der deutschen Gastronomie ausgewirkt hat. Der Abfallberg aus kunststoffbeschichten Papierverpackungen stieg von 55 Kilotonnen im Jahr 2022 auf 88 Kilotonnen in 2023. „Die Verlagerung von Plastik zu Papier ist ein fataler Trend, denn der Berg aus Verpackungsmüll wächst weiter. Kunststoffbeschichtete Papierverpackungen sind de facto Plastikmüll, der besonders schlecht recycelt werden kann“, so Griestop. 

In der EU wird schon jetzt wird die Hälfte des gesamten Papierverbrauchs für Verpackungen verwendet. Für eine steigende Papiernachfrage existiert schlicht nicht genug Wald. „Wer Verpackungsabfall reduzieren will, muss Vermeidung und Mehrweg konsequent fördern und verbindliche Ziele wie Mehrwegquoten festlegen. Im deutschen Gastronomiesektor zeigt sich, dass eine reine Angebotspflicht für Mehrweg nicht ausreicht, um die nötige Transformation zu bewirken“, so Griestop weiter. Nur rund 1,6 Prozent der dort in 2023 ausgegebenen Verpackungen war wiederverwendbar. 

Hintergrund

Aus der aktuellen Marktanalyse zu einem Jahr Mehrwegangebotspflicht geht hervor, dass Mehrweg nur als Nischenphänomen wächst, während gleichzeitig eine Milliarde mehr Einwegverpackungen von der deutschen Gastronomie ausgegeben wurden als im Vorjahr.  

Der WWF hat in seiner Studie „Modell Deutschland Circular Economy“ gezeigt, wie Politik und der Wirtschaft eine Transformation hin zu einer umfassenden Kreislaufwirtschaft bis 2045 umsetzen können. 

Die WWF Studie „Alles aus Holz“ zeigt, dass es bereits heute weder in Deutschland noch weltweit genügend Holz gibt, um die Nachfrage nachhaltig zu decken. 

Kontakt

Sylvia Ratzlaff

Pressesprecherin für die Partnerschaft EDEKA Verbund / Berlin

  • Amur-Tiger © Ola Jennersten / WWF Schweden Bedrohte Arten

    Der Rückgang der biologischen Vielfalt wird maßgeblich durch menschliches Handeln verursacht. Der WWF setzt sich weltweit für den Schutz bedrohter Arten ein. Erfahren Sie mehr zum Artenschutz