Die EU-Taxonomie – Europas Klassifizierungssystem für nachhaltige Wirtschaftstätigkeiten – steht nach einem neuen Überprüfungsvorschlag der Kommission unter Druck. Mehrere der vorgeschlagenen Änderungen verfehlen das erklärte Ziel einer besseren Handhabbarkeit und öffnen stattdessen die Tür für eine Aufweichung bestehender Kriterien.
Dazu sagt Vedran Kordic, EU-Taxonomie-Koordinator im Brüsseler Büro des WWF: „Die EU-Taxonomie klarer und benutzerfreundlicher zu gestalten, würde Unternehmen und Finanzinstitutionen dabei helfen, ihre Nachhaltigkeitsbemühungen zu verstärken – und die EU ihren Klima- und Umweltzielen näherbringen. Leider scheint der Überprüfungsvorschlag genau das nicht zu leisten. Stattdessen offenbart er mehrere besorgniserregende Punkte: Schutzmaßnahmen werden gestrichen, das Ambitionsniveau gesenkt und Schwellenwerte zum Nachteil der Umwelt abgeschwächt."
Um eine vereinfachte, aber wirksame EU-Taxonomie zu erreichen, muss der Überprüfungsprozess wissenschaftsbasierte Kriterien erhalten – gleichzeitig aber die Praxistauglichkeit verbessern. Konkret sollten bestehende Instrumente in benutzerfreundliche Online-Leitfäden überführt werden, die alle Anforderungen, Schwellenwerte und Nachweisquellen gebündelt an einem Ort zugänglich machen. Damit entfiele für Anwender die aufwändige Suche durch eine Vielzahl von Rechtstexten.
In seiner Antwort auf die öffentliche Konsultation der Kommission hat der WWF diese Prioritäten hervorgehoben und den Stellenwert der EU-Taxonomie als Eckpfeiler des gesamten nachhaltigen Finanzrahmens betont. Seit ihrer Einführung dient die EU-Taxonomie weltweit als Referenz für viele andere Länder und Regionen, die ähnliche Initiativen entwickeln. Konkret empfiehlt der WWF der Kommission, den EU Taxonomy Compass und den EU Taxonomy Calculator zu einem echten Compliance-Tool weiterzuentwickeln.
Nur wenn die Handhabbarkeit der Taxonomie verbessert wird, ohne dabei die strengen, wissenschaftsbasierten Standards für die Einstufung nachhaltiger Tätigkeiten zu senken, kann die EU ihre Vorreiterrolle behaupten und das in den Vordergrund stellen, was für die Transformation der Wirtschaft und zum Erreichen der EU-Klimaziele wirklich zählt.