Am Freitag beginnt die Münchner Sicherheitskonferenz, auf der sich hochrangige Entscheidungsträger:innen mit den aktuellen sicherheitspolitischen Herausforderungen befassen. Der WWF Deutschland mahnt, auch in Zeiten geo- und sicherheitspolitischer Herausforderungen den Blick auf die unmittelbaren ökologischen Bedrohungen zu richten. Die Basis für stabile Gesellschaften, wie der verlässliche Zugang zu Wasser oder Nahrung, stammen aus den Ökosystemen um uns herum. Diese beginnen allerdings zu kippen. Für eine Zukunft in Frieden, Freiheit und Wohlstand sind gesunde Ökosysteme eine Grundvoraussetzung.
„Naturschutz ist kein ´Nice-to-have´ für gute Zeiten, sondern ein bedeutsamer Sicherheitsaspekt. Gerade im Angesicht multipler Krisen riskieren wir zusätzliche Bedrohungen, wenn die Zerstörung der Lebensgrundlagen ungebremst weitergeht. Zu oft wird für eine Selbstverständlichkeit gehalten, was die Natur uns bietet: nachwachsende Rohstoffe, Nahrungsmittel, Trinkwasser. Brechen die Ökosysteme weiter zusammen, sind Leid und gesellschaftliche Instabilität die Folge. Selbst gewaltsame Konflikte um knapper werdende Ressourcen werden dann immer wahrscheinlicher“, sagt Heike Vesper, Vorständin Transformation Politik & Wirtschaft beim WWF Deutschland.
Unsere Abhängigkeit von Ökosystemleistungen ist ein politisch recht verkanntes Risiko, das keine Landesgrenzen kennt. Wenn die großen tropischen Regenwälder ihre Kipppunkte überschreiten, betrifft das beispielsweise die Niederschlagsmuster auf der ganzen Erde. Viele fragile Regionen, die jetzt schon unter Wasserknappheit und Extremwetterereignissen leiden, wären davon am stärksten betroffen. Die direkten und indirekten Folgen wäre auch für Europa ein sicherheitspolitisches Risiko. Wenn die Meeresökosysteme kippen, geht der größte CO2-Speicher der Erde verloren und zahllose Menschen werden ihrer zentralen Lebensgrundlage beraubt. Die Risiken für Wirtschaftssektoren und Infrastruktur mit denen das Meer und seine Küsten zudem tief verbunden sind, sind schwer vorhersehbar. Diese Szenarien liegen nicht weit in der Zukunft, sondern finden jetzt statt. Das belegt unter anderem der Global Tipping Points Report, der Ende 2025 veröffentlicht wurde. Naturzerstörung hat Auswirkungen auf Landwirtschaft, Rohstoffmärkte, Finanzmärkte, Handels- und Lieferketten, die geopolitische Stabilität und nicht zuletzt Flucht- und Migrationsbewegungen auf dem gesamten Globus.
„Die entschlossene Reaktion auf den bevorstehenden Kollaps der Ökosysteme lässt sich auch in schwierigen Zeiten nicht auf die lange Bank schieben. Die Bewahrung der Natur und die Unabhängigkeit von fossilen Energien muss deshalb integraler Bestandteil der sicherheitspolitischen Strategien Deutschlands und Europas sein. Für eine sichere Zukunft braucht es außerdem eine stabile multilaterale Ordnung auf der Basis von Kooperation, globaler Solidarität und der friedlichen Lösung von Problemen“, betont Heike Vesper.