Am 17. Januar tritt das Abkommen zum Schutz der Hohen See in Kraft. Das Rahmenwerk soll den größten Lebensraum der Welt international verbindlich schützen. Deutschland arbeitet aktuell noch an der Ratifizierung des Abkommens. Die erste Lesung zur Gesetzesgrundlage findet heute statt.
„Das Abkommen zum Schutz der Hohen See ist ein Leuchtfeuer der Hoffnung für die Gesundheit der Ozeane und unseres Planeten“, erklärt Anna Holl Buhl, Expertin für Meerespolitik beim WWF Deutschland. „Es ist auch ein Zeugnis für funktionierenden Multilateralismus. Alle beteiligten Länder haben die Ambition, an einem Strang zu ziehen, um die Hohe See im Sinne des Allgemeinwohls zu verwalten, zu schützen und nachhaltig zu nutzen.“ Der WWF appelliert deshalb an Regierungen, gemeinsam an der wirksamen Umsetzung des Regelwerks zu arbeiten und ermutigt weitere Länder, sich zügig der Ratifizierung anzuschließen.
Aus Sicht des WWF ist das UN-Hochseeschutzabkommen eine riesige Chance, um international vereinbarte Schutzziele auch wirklich zu erreichen. Dazu zählt die Anstrengung aus dem Weltnaturabkommen, bis 2030 30 Prozent der weltweiten Meeresfläche unter Schutz zu stellen. „Das Ausmaß dieses Abkommens ist wirklich historisch. Die Hochsee bedeckt circa zwei Dittel unserer Weltmeere und damit ungefähr die Hälfte der Erde. Aufgrund unzureichender internationaler Regelungen bedienen sich einzelne Staaten und Unternehmen an den Ressourcen in diesem Gebiet ohne ausreichende Rücksicht auf ökologische Folgen. Der Übernutzung soll nun ein Riegel vorgeschoben und zukünftige Aktivitäten besser auf ihre Verträglichkeit für die Meeresumwelt geprüft werden. Das Abkommen schafft beispielsweise erstmals einen Mechanismus, mit dem Meeresschutzgebiete auf Hoher See ausgewiesen werden können. Die sind dringend notwendig, denn die Klimakrise, die Überfischung sowie zunehmende industrielle Nutzungen bringen die marinen Ökosysteme schon heute an ihre Belastungsgrenzen. Rund 25 Prozent der in der Hohen See bekannten Arten sind bereits bedroht“, erklärt Anna Holl Buhl.
In Deutschland fehlt zur Ratifizierung noch die Zustimmung des Parlaments zum entsprechenden Gesetzesentwurf und dem Ausführungsgesetz. Die erste Lesung findet heute statt. „Die Bundesregierung hat bei den Verhandlungen des Abkommens eine zentrale Rolle gespielt und wesentlich zum Erfolg beigetragen. Eine schnelle Ratifizierung ermöglicht es Deutschland noch in diesem Jahr auf der ersten Konferenz der Vertragsstaaten als vollwertiges Mitglied aufzutreten und von Beginn an eine aktive und federführende Rolle bei der Umsetzung zu übernehmen “, so Anna Holl Buhl.
Die sogenannte Hohe See liegt außerhalb der nationalen Hoheitsrechte der Küstenstaaten. Die dort vorhandenen Ressourcen unterliegen keinem staatlichen Eigentum. Zwar existieren mehr als 20 internationale Organisationen, die jeweils für bestimmte Sektoren oder Meeresregionen zuständig sind, ein übergreifender und verbindlicher Schutz der biologischen Vielfalt ist bislang jedoch nicht gewährleistet.
Das Abkommen zum Schutz der Hohen See stellt den Schutz der Meere erstmals ins Zentrum. Es schafft einen verbindlichen Rahmen zum Schutz der Meeresnatur vor schädlichen menschlichen Aktivitäten, etwa durch nicht nachhaltige Fischerei oder den Tiefseebergbau. Es ermöglicht die Ausweisung von Meeresschutzgebieten auf der Hohen See, einschließlich ökologisch bedeutender Wanderkorridore für weit wandernde Walarten. Zudem sieht es verpflichtende Umweltverträglichkeitsprüfungen für geplante Aktivitäten vor, regelt die gerechte Aufteilung von Gewinnen aus der Nutzung mariner genetischer Ressourcen und verbessert die Zusammenarbeit sowie den Informationsaustausch zwischen Staaten und internationalen Organisationen.
Hintergrund:
Die Ausarbeitung des „Abkommens über die biologische Vielfalt außerhalb nationaler Hoheitsgewässer“ (BBNJ) dauerte fast 20 Jahre. Das Abkommen wurde schließlich im Juni 2023 verabschiedet und erreichte im September 2025 die Schwelle von 60 Ratifizierungen. Diese waren erforderlich, damit das Abkommen am 17. Januar 2026 in Kraft treten kann. Mittlerweile wurde es von mehr als 80 Ländern ratifiziert. Die erste Konferenz der Vertragsparteien (COP) wird voraussichtlich noch in diesem Jahr stattfinden.
Etwa zwei Drittel der Ozeane befinden sich außerhalb der 200-Seemeilen-Grenze (ca. 370 Kilometer) und damit außerhalb der "Ausschließlichen Wirtschaftszone (AWZ)". Innerhalb der AWZ können die Küstenstaaten in begrenztem Umfang souveräne Rechte und Hoheitsbefugnisse wahrnehmen. Die Hohe See beginnt wiederum jenseits der seewärtigen Grenze der AWZ. Die Ressourcen der Hohen See gehören allen und niemandem. Die Ressourcen des Meeresbodens gelten nach Seerechtsübereinkommen bereits als „gemeinsames Erbe der Menschheit“.
Für die Gesundheit und Funktionalität der Meere spielt die Hohe See eine entscheidende Rolle. Sie ist der größte Lebensraum auf unserem Planeten, Hunderttausende von Arten sind auf sie angewiesen. Als CO2-Senke mildert sie die Auswirkungen der Klimakrise und liefert gleichzeitig Sauerstoff. Auch für die Fischerei ist sie von großer Bedeutung. Die Ozeane leiden allerdings immens unter Überfischung und illegaler Fischerei, Zerstörung von Lebensräumen, Plastik- und Lärmverschmutzung sowie zunehmender Versauerung.
UN-Hochseeschutzabkommen tritt in Kraft
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Bedrohte Arten -
Meeresschutz - ohne Meer kein Leben