Die Sauerstoffkonzentration im Wasser ist ein wichtiger Indikator für die ökologische Gesundheit eines Flusses. In diesem Jahr beginnt das Sauerstoffloch in der Elbe besonders früh. Bereits Anfang Juni ist die Sauerstoffkonzentration unter 3 Milligramm pro Liter (mg/l) gesunken. Seit zwei Tagen liegt sie an der Messstation Seemannshöft sogar unter 2 mg/l und damit im akut tödlichen Bereich. Aus Sicht der im Bündnis Lebendige Tideelbe zusammengeschlossenen Verbände BUND, NABU und WWF ist das frühe Absinken besonders kritisch einzuschätzen.
„Je früher die Werte unter 4 mg/l sinken und je niedriger sie sind, desto größer die Lebensgefahr etwa für Jungfische, die zum aktuellen Zeitpunkt noch in der Entwicklung sind“, so die Verbände. Bei solch niedrigen Werten würden tausende Fische in der Tideelbe verenden, die meisten unsichtbar unter der trüben Wasseroberfläche. Aber auch erwachsene Tiere sind betroffen, wie erste Meldungen zeigen, die beim Anglerverband Hamburg eingetroffen sind: zwei Störe, zahlreiche vom Aussterben bedrohte Blankaale und einzelne Brassen sind bereits als Totfunde gemeldet worden.
An über 80 Tagen lag die Sauerstoffkonzentration 2025 unterhalb des kritischen Werts von 4 mg/l. Im Jahr 2024 waren es über 90 Tage, davon 26 Tage bei akut tödlichen Werten unterhalb von 2 mg/l. „Der Hamburger Hafen wird jedes Jahr zu einer Todeszone für Gewässerorganismen. Eine grundsätzliche Verbesserung ist derzeit nicht in Sicht und ist mit Blick auf die prognostizierten klimatischen Veränderungen ohne ein Gegensteuern auch nicht zu erwarten. Seit Jahren lässt derweil die Umsetzung von Verbesserungsmaßnahmen auf sich warten“, so BUND, NABU und WWF. Eine solche Maßnahme könnte zum Beispiel die Schaffung von Flachwasserzonen sein. Diese wirken als Ausweichbereiche für Fische, in denen sie den niedrigen Sauerstoffwerten im Hauptstrom entgehen können.
Die Hauptursache für das jährliche Sauerstofftal liegt im Ausbau des Flusses. Die Natur leidet unter der Nutzung, die durch die niedrigen Umschlagzahlen des Hafens nicht gerechtfertigt ist. „Die zusätzliche Tiefe in der Fahrrinne der Elbe wird kaum genutzt, dafür zahlt die Natur einen hohen Preis. Unsere Forderung bleibt daher: Als wirksamste Maßnahme, um das Ökosystem Elbe zu stärken, sollte die unnötige Tiefe der
letzten Elbvertiefung zurückgenommen werden.“, fordert das Aktionsbündnis aus BUND, NABU und WWF.